
- Sie kamen mit dem Schiff - die ersten Einwanderer - © Tim Reinhart / pixelio.de
Heutzutage leben Menschen aus allen Teilen der Erde in Amerika, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Doch wann kamen die ersten Deutschen auf den neuen Kontinent?
Diese Frage lässt sich nicht so einfach beantworten wie die Frage nach der Entdeckung des Kontinents 1492 durch Columbus. So sollen schon 1608, als die ersten Kolonisten aus England in Jamestown, Virginia anlegten, Handwerker aus Deutschland dabei gewesen sein. In den folgenden Jahrzehnten folgten Hunderte Deutsche in die Neue Welt.
Ein Rheinländer kaufte Manhattan
Der aus Wesel stammende Rheinländer Peter Minnewit (Minuit) kaufte den Indianern 1626 Manhattan für ein paar Glasperlen, Messer und Beile im Wert von rund 60 Gulden, bzw. 24 Dollar ab. Jedoch handelte er nicht im Auftrag Deutschlands, dort tobte zu der Zeit der Dreißigjährige Krieg (1618-1648), sondern für die damalige Republik der Vereinigten Niederlande. Peter Minnewit wurde der erste Gouverneur der von ihm gegründete Siedlung namens „Neu Amsterdam“. Diese wurde später in New York umbenannt, als die Briten die Kolonie 1664 übernahmen.
Krefelder Familien gründeten Germantown
Am 6. Oktober 1683 landete die „Concord“ in Pennsylvania. An Bord dieses Schiffes waren 13 Mennonitenfamilien aus Krefeld, die Franz Daniel Pastorius über den Atlantik geführt hatte. Dass der 6. Oktober als Deutsch-Amerikanischer Tag proklamiert wurde, kommt von der irrtümlichen Annahme, dass diese Familien aus Krefeld die ersten deutschen Einwanderer gewesen wären. Unter Leitung des Organisators und späteren Bürgermeisters der neu gegründeten Siedlung in Pennsylvania, die Germantown getauft wurde, erschufen die Schneider, Weber und Zimmerleute eine rasch wachsende Gemeinde. Heute ist sie ein Teil Philadelphias. Zudem wurde 1688 die Germantowner Erklärung verfasst, die eine Unvereinbarkeit von Christentum und Sklaverei festlegt. Diese Erklärung wurde von vielen deutsch-amerikanischen Gemeinden unterstützt, auch wenn sie die Sklaverei nicht verhindern konnte.
Ein Revolutionär und eine florierende Stadt
Währendessen startete ein anderer Deutscher eine Revolte in der Stadt New York. Der Milizhauptmann Jacob Leisler aus Frankfurt machte sich 1689 zum Nachfolger des britischen Gouverneurs von New York. Jedoch führte sein Einsatz mit seinen Bemühungen um mehr Unabhängigkeit der Kolonien zu seiner öffentlichen Hinrichtung 1691 durch die Briten.
Germantown war in dieser Zeit auf eine Fläche von 2.300 ha angewachsen und umfasste vier Stadtgebiete. Die Stoffwaren aus der florierenden Stadt waren auch in Boston und New York durch die 1684 durch Pastorius ins Leben gerufene Warenmesse gefragte Güter. In Germantown wurde auch der mennonitische Pastor und Bischof Wilhelm Rittenhaus (William Rittenhouse) 1690 zu dem Erfinder der amerikanischen Papierproduktion. Die erste in der Neuen Welt gedruckte Bibel im Jahr 1743 bestand aus 1.272 Seiten Papier aus seiner Mühle. Die Bibel wurde damals ebenfalls von einem Deutschen hergestellt. Der Westfale Christoph Saur war Erfinder und produzierte unter anderem Drucktypen und Tinte. 1739 gab er nach dem Vorbild der kurzlebigen deutschsprachigen Zeitung Benjamin Franklins erstmals den „Hochdeutschen Pennsylvanischen Geschichts Schreiber“ heraus, der noch bis 1777 erschien. Seine 1743 in Amerika gedruckte Heilige Schrift war in deutscher Sprache, 40 Jahre bevor die ersten englischsprachigen Bibeln erschienen.
Quellen:
- Lachner, Bert u.a.: Heimat North America
- Global Anabaptist Mennonite Encyclopedia Online
- Big Apple Web
