Die Erziehung von König Otto III. durch seine Mutter Theophanu

Nach dem frühen Tod seines Vaters lag der Mutter Ottos III. vor allem an guter Bildung und eigenständigem wie fortschrittlichem Denken für den neuen König.

Selbst für einen mittelalterlichen Thronfolger und zukünftigen Herrscher über das riesige Heilige Römische Reich deutscher Nation durchlief der 980 bei Kleve geborene Otto III. eine ungewöhnliche Kindheit. Bereits im Alter von drei Jahren wurde er in Verona zum deutschen König gewählt und sollte dieses Amt früher als erwartet auch antreten. Dass er dennoch eine annähernd "normale" königliche Kindheit erlebte, verdankte er vor allem seiner Mutter Theophanu, welche die Muntschaft zusammen mit seiner Großmutter Adelheid jedoch erst gegen Heinrich den Zänker durchsetzen musste.

Heinrich der Zänker sah Otto III. als Mittel zum Thron

Unmittelbar nach der Krönungszeremonie, die traditionell in Aachen empfangen wurde, wurde der Tod Ottos II. bekannt und der dreijährige Otto III. an seinen gerade erst aus der Haft entlassenen nächsten männlichen Verwandten Heinrich den Zänker übergeben. Diesem lag jedoch weniger an einer guten Erziehung Ottos III. als vielmehr um seinen eigenen Vorteil. So warb er ganz offiziell für seine eigene Regentschaft, wofür ihm letztlich jedoch viel Zustimmung verwehrt blieb. Damit blieb ihm keine andere Wahl als sich von den Regentschaftsträumen zu verabschieden und das Zepter an zwei Frauen zu übergeben.

Theophanu übernahm die Erziehung von Otto III. persönlich

Nachdem Otto III. am 29. Juni 984 von Heinrich dem Zänker an Theophanu und seine Großmutter Adelheid zurückgegeben wurde, mussten sie sich umgehend um die Erziehung kümmern. Die Erziehung aller drei Töchter oblag bereits Äbtissinnen aus der Verwandtschaft, was durchaus üblich war. Anders hingegen sah es bei Otto III. aus, um dessen Erziehung sich Theophanu selbst kümmerte. Auffallend war insgesamt die große Zahl von Frauen, die zum unmittelbaren familiären Einflussbereich Ottos III. gehörten. Von Beginn an war das enge Umfeld Ottos III. durch eine persönliche Nähe, aber auch durch diverse Zerwürfnisse zwischen den engen Verwandten Ottos III. gekennzeichnet. Hier ist besonders der Streit zwischen Theophanu und Adelheid zu nennen, welcher vermutlich auch einen negativen Einfluss auf das Verhältnis zwischen Otto III. und Adelheid hatte. Ferner kam es auch zwischen dem zur Haushaltsfamilie gehörenden Adel und Bischöfen zu Streitigkeiten und Parteinahmen für Adelheid oder Theophanu.

Die Bildung von Otto III. hatte oberste Priorität

Theophanu legte großen Wert auf eine ausgezeichnete Bildung – welche sie selbst auch genossen hatte. Der erste Erzieher Ottos III., der sächsische Graf Hoico, dürfte ihn im Umgang mit Waffen geschult haben. Bereits vor 981 schien ihn allerdings ein „fidelis Nancilius“ aus Sachsen betreut zu haben. Sein erster richtiger Lehrer war vermutlich Bernward, der zwischen 987 und 993 – in diesem Jahr wurde er zum Bischof von Hildesheim geweiht – für die Erziehung Ottos III. verantwortlich war und als ein Kleriker dargestellt wurde. Johannes Philagathos, ein Grieche aus Kalabrien, der schon für Otto II. gearbeitet hatte, unterrichtete Otto III. vermutlich noch vor Bernward in Griechisch. Er hatte ebenfalls ein sehr enges Verhältnis zu Theophanu, der er seine Laufbahn verdankte, war am Hof aber nicht sehr beliebt. Nach ihrem Tod verriet er Otto III. und ließ sich in Rom sogar zum Gegenpapst erheben. In der Umgebung des mündigen Otto III. schien er keine große Rolle mehr zu spielen.

Otto III. nahm selbst großen Einfluss auf seinen Bildungsweg

Großen Einfluss auf den bereits mündigen König hatte sein späterer Lehrer Gerbert von Aurillac, welcher schon mit Otto I. und Otto II. zusammengearbeitet hatte. Vermutlich empfand Otto III. seine bisherige Bildung als unzureichend wandte sich aus diesem Grund an Gerbert. Er übernahm höchste Ämter, löste zuletzt Gregor V. sogar auf dem Stuhl Petri ab. Das Verhältnis zwischen Otto III. und Gerbert von Aurillac blieb zeitlebens sehr eng und besonders, obwohl die Rompolitik Gerberts zuletzt stark kritisiert wurde. Otto III. hielt sich nicht an gegebene Ordnungen und umgab sich vor allem mit Personen, die ihn beeindruckten. So hatten auch Adalbert von Prag und Eremiten Einfluss auf den Werdegang des Königs. Dieses Durchbrechen bestehender Ordnungen und Rangfolgen führten am Hof auch zu Kritik an Otto III.

Die Erziehung Ottos III. war insgesamt nicht nur durch eine große Vielfältigkeit und Fähigkeit seiner Lehrer gekennzeichnet, sondern ebenso durch große Zerrissenheit und Streitigkeiten in seinem nahen familiären Umfeld – zu welchem im Rahmen der Haushaltsfamilie auch seine Lehrer gehörten. Vor allem für Theophanu lag neben der Erziehung auch eine große Priorität auf der Regentschaft für ihren Sohn Otto III, welche sie ebenfalls nicht aus der Hand geben wollte.

Henrik Lührs, H. Lührs

Henrik Lührs - Jahrgang 1979. Nach dem Abitur 1998 Ausbildung zum Verkehrspiloten, seit 2002 Theorielehrer für verschiedene Fächer der Privat- ...

rss