Die Familie Hauteville stammte aus dem kleinen Dörfchen Hauteville-la-Guichard im Cotentin - wahrscheinlich. Es ist wenig bekannt über die Familie, ihre Herkunft, ihren Stand. Vieles ist in der Legendenbildung untergegangen. Dennoch legen die Quellen die Vermutung nahe, dass die Söhne dieser Familie typisch waren für die Art der normannischen Krieger, die nach Süditalien strömten.
Fruchtbarer Stammvater
Als Stammvater der Familie gilt Tankred de Hauteville. Er war vermutlich ein kleiner Provinzbaron in den Diensten des Herzogs Robert der Normandie. Ein Edelmann zwar, dessen Lehen aber viel zu klein war, alle seine Söhne zu ernähren. Und Söhne hatte Tankred reichlich. Zwölf waren es insgesamt. In erster Ehe war er mit Muriella verheiratet. Der Benediktinermönch Malaterra beschreibt sie als eine "Dame von höchster Sittsamkeit und Geburt". In den Stammtafeln zur Geschichte der europäischen Staaten von Andreas Thiele taucht sie allerdings als illegitime Tochter auf - aber immerhin des Herzogs der Normandie. In schneller Folge gebar sie Tankred fünf Söhne und eine Tochter, die überlebten: Wilhelm, Drogo, Humphrey, Gottfried, Beatrix und Serlo. Als sie starb, war Tankred laut Malaterra noch im besten Mannesalter. Er nahm sich eine weitere Frau. Wieder eine illegitime Tochter des Herzogs, also mindestens eine Halbschwester seiner ersten Frau. Malaterra umschrieb dies in seiner Historia Sicula knapp hundert Jahre später mit den Worten, sie hätte seiner ersten Gemahlin an "Edelmut und Sitten nicht nachgestanden". Auch sie erwies sich als sehr fruchtbar, denn genau wie ihre Halbschwester gebar Fredesende oder Fresendis oder Fressenda - die Quellen geben verschiedene Schreibweisen ihres Namens an - ihrem Gatten zahlreiche Nachkommen, die überlebten. Sieben Söhne und zwei Töchter waren es: Robert, Mauger, Aubrey, ein weiterer Wilhelm, Tankred, Humbert, Emma, Fredesende und Roger.
Harter Kampf um die Existenz
Angesichts der Kindersterblichkeit in dieser Zeit, mal abgesehen von den Risiken durch Schwangerschaft und Geburt generell, grenzt es fast an ein Wunder, dass Tankred so eine große Familie gründete. Wohl manche Familie, darunter auch mehr als ein Herrscherhaus, muss den kleinen Edelmann um sein Glück beneidet haben. Tankred hingegen war wohl weniger zum Lachen zumute. Laut dem anglonormannischen Benediktinermönch Ordericus Vitalis besaß er sein Land als Erbgut, war aber nur Valvassor, das heißt er war der Vasall eines Vasallen und befand sich in der Rangfolge zwischen den Rittern und dem oberen Ende des Bauernstandes. Meistens hatten Valvassoren nicht einmal genügend Pferde, um ihrem Lehnsherren einen Berittenen zur Verfügung zu stellen. Pferde hatte Tankred zwar, sonst hätte er nicht in den Diensten des Herzogs stehen können, dennoch ist es leicht vorstellbar, dass dieser Edelmann nicht genügend besaß, um allen seinen Nachkommen ein Auskommen zu verschaffen. Und tatsächlich berichtet Vitalis, dass der Herr von Hauteville um das Jahr 1035 seinem Viertgeborenen seinen Besitz überträgt. Die anderen Söhne hingegen werden aufgefordert, sich außerhalb der Heimat zu beschaffen, was sie benötigen. Über die Gründe, warum Tankred ausgerechnet seinen Ältesten in der Erbfolge überging, gibt es leider keine Quellen.
Erfolg außerhalb der Heimat
Wilhelm hingegen schien sein Schicksal anzunehmen. Gemeinsam mit seinen Brüdern Drogo und Humphrey machte er sich auf den Weg nach Süditalien. Eine Entscheidung, die Langobarden und Byzantiner wohl bald verteufelt haben werden. Und es mag wohl sein, dass sie auch den fruchtbaren Stammvater dieses Klans, dessen Nachkommen unablässlich in ihr Land strömten, in ihre Flüche mit einschlossen. Allein sieben Söhne Tankreds verschlug es in diese Region und alle eroberten sich mit dem Schwert in der Hand ein Gut. Einige errangen sogar Titel, aber zwei von ihnen blieb es vorbehalten, Reiche zu gründen, die Jahrhunderte bestanden und die Politik im Mittelmeerraum entscheidend mit beeinflussten. Doch es waren Wilhelm, dem man später vor Syrakus den Beinamen Eisenarm geben sollte, Drogo und Humphrey, die den Weg für ihre jüngeren Brüder bereiteten: Robert Guiscard, übersetzt Schlaukopf, dessen Sohn Bohemund von Tarent einen der bedeutendsten Kreuzfahrerstaat in Antiochia gründete und Roger, dem „guten“ Grafen von Sizilien, zu dessen Nachfahren unter anderem Friedrich II., der Staufer gehörte.
