
- Blau - kostbar und symbolträchtig - U. Kohaupt
Blau ist heute für uns eine Farbe wie jede andere. Wer gerne selbst zum Pinsel greift, der drückt das Blau mit der gleichen Gelassenheit aus der Tube wie das Rot oder Gelb. Dem war nicht immer so.
Blau – das andere Gold: Indigo und Ultramarin
Blaues Farbmittel ist in der Natur selten und dementsprechend aufwendig zu gewinnen. Indigoblau wurde seit dem 3. vorchristlichen Jahrhundert aus der Indigopflanze gewonnen, die in Asien beheimatet ist. Der Färberwaid, eine in Europa heimische Pflanze bot Ersatz – wenn auch keinen adäquaten, denn das Färbeergebnis war weit weniger intensiv.
Seit der Renaissance gewann man aus dem Halbedelstein Lapislazuli ein leuchtendes Blau. Das aus Afghanistan stammende Gestein war überaus wertvoll. Da es auf dem Seeweg (ultra marin) nach Europa importiert werden musste, bürgerte sich für dieses überaus lichtechte Farbpigment der Name "Ultramarinblau" ein.
Das Blau in der Malerei der Renaissance und des Barock
Den gemahlenen Lapislazuli verwendete Giotto zum Beispiel zur Gestaltung der Fresken der Cappella degli Scrovegni in Padua.
Leonardo da Vinci, der beispiellose uomo universale der Renaissance, erfand eine besondere Technik, Blau so einzusetzen, dass es seinen Bildern eine besondere Tiefe verlieh. Die Mona Lisa, das wohl berühmteste Gemälde der Welt, zeigt wie das lasierende Blau den Hintergrund zu einem grenzenlosen Raum verschwimmen lässt, eine Technik, die sfumato genannt wird. Auch der Kopf der porträtierten Dame ist von einem hauchfeinen Blauschleier umgeben, der ihr eine Art göttliche Erscheinung attestiert.
Ein weiterer berühmter „Blau-Maler“ war Jan Vermeer. Die Junge Frau mit der Wasserkanne zum Beispiel zeigt, wie der holländische Maler blau nicht nur flächenintensiv, sondern auch zur Modellierung von Schatten und Lichtspiegelungen einsetzt. Vermeers Blau war es denn auch, das dem berühmten Fälscher Han van Meegeren zum Verhängnis wurde. Pigment-Untersuchungen zeigten, dass van Meegeren ein Kobaltblau verwendet hatte, das erst im 19. Jahrhundert erhältlich war.
Wettbewerb um das schönste Blau
Neben dem teuren Ultramarin verwendete man bereits im Mittelalter das preisgünstigere, wenn auch weniger strahlende Azurblau. Ein leicht grünstichiger Blauton, der bereits im Alten Ägypten bekannt war, und aus dem Mineral Azurit gewonnen wurde.
Das anorganische Pigment Preußischblau (auch Berliner Blau oder Pariser Blau) wurde 1704 erstmals hergestellt. Kobaltblau kam 1802 hinzu. Immer mehr Blautöne bereicherten nun die Palette der Maler. Keiner dieser Töne vermochte jedoch die Leuchtkraft des Ultramarin zu erreichen. 1828 wurde daher ein Wettbewerb ausgeschrieben: Demjenigen, dem es gelingen sollte, ein künstliches Pigment herzustellen, das den Eigenschaften des echten Ultramarin am nächsten kam, winkte ein hohes Preisgeld.
Noch im gleichen Jahr entwickelten sowohl der Franzose Jean-Baptiste Guimet als auch der Deutsche Gmelin ein Verfahren, das eine industrielle Herstellung von Ultramarinblau erlaubte. Echtes Ultramarin wird heute lediglich noch im Rahmen von Restaurierungsarbeiten verwendet.
Das Blau in der Malerei der Moderne
Mit der industriellen Farbenherstellung verlor Blau seine herausragende Stellung. Doch gerade einige moderne Maler entwickelten eine besondere Beziehung zu dieser Farbe. Die von Franz Marc und Wassily Kandinsky 1911 ins Leben gerufene Künstlervereinigung Der blaue Reiter, trägt die Begeisterung für Blau schon im Namen. Franz Marc soll gesagt haben: "Blau ist die einzige Farbe, bei der ich mich wohl fühle“*. Seine blauen Pferde gehören wohl zu den bekanntesten Werken des Expressionismus.
In seiner berühmten Schrift Über das Geistige in der Kunst befasste sich Kandinsky u.a. ausführlich mit den Farben: "Die Neigung des Blau zur Vertiefung ist so groß, dass es gerade in tieferen Tönen intensiver wird und charakteristisch innerlich wirkt … in tiefer, feierlicher Form ist der Klang des Blau dem der tiefen Orgel vergleichbar."**
Pablo Picasso (1881-1973) malte in seiner sogenannten "Blauen Periode" monochrom blaue Bilder und drückte durch die Farbwahl seine melancholische Stimmung aus.
Yves Klein (1928-1962) ist wohl der Maler, dessen Werk man am stärksten mit der Farbe Blau assoziiert. Er wollte damit das "Nichts" darstellen. Er ließ sich 1956 das International Klein Blue patentieren, ein besonders intensives Ultramarinblau, dessen Leuchtkraft er mithilfe eines Fixativs noch steigerte.
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Farbe als Stilmittel in der Malerei
Quellen:
Düchting, Hajo: Farbrausch. Die Farbe in der Malerei, Stuttgart 2009
Kandinky, Wassily: Über das Geistige in der Kunst, Bern 1952
Zitate:
*aphorismen.de
**Kandinsky, S. 92/93
