Die vielen Sprachen in Afrika

Massai in Tansania - Barbara Lechner
Massai in Tansania - Barbara Lechner
In Afrika gibt es mehr Sprachen als auf jedem anderen Erdteil, obwohl die Bevölkerung des Kontinents nur etwa 15 % der Weltbevölkerung ausmacht.

Der Kontinent Afrika hat eine Fläche von 30,3 Millionen Quadratkilometern. Er macht 22 Prozent der Gesamtfläche der Erde aus. Er ist der wahrscheinlich vielseitigste Kontinent der Erde. Afrika hat unterschiedlichste Klimazonen, hauptsächlich geprägt von der großen Wüste Sahara im Norden und vom Äquator, der den Kontinent in der Mitte teilt. Dadurch ergeben sich die unterschiedlichsten Vegetationszonen. Auch die Tierwelt ist äußerst artenreich. So vielseitig und unterschiedlich wie die Landschaft ist auch die Bevölkerung. Über 3000 verschiedene Völker besiedeln den Kontinent. Dadurch ergibt sich auch, dass Afrika der sprachenreichste Kontinent der Erde ist. Als sprachenreichstes Land des Kontinents gilt übrigens Südafrika, weil es elf anerkannte Amtssprachen hat. Nur Indien hat mehr. In Afrika gibt es dennoch Länder mit mehr Sprachen, jedoch sind sie nicht alle als Amtssprachen in Gebrauch. So werden beispielsweise in Nigeria 500 verschiedene Sprachen gesprochen, jedoch ist nur Englisch die offizielle Amtssprache.

Kommunikation durch Buschtrommeln

In vielen Ländern Afrikas wird tatsächlich noch mit Buschtrommeln gearbeitet. So ist es zum Beispiel in Sambia immer noch üblich ein Begräbnis durch Trommeln anzukündigen, um die umliegenden Dörfer zu benachrichtigen. Auch wird in Sambia noch in tagelanger Arbeit in den Dörfern Bier gebraut (es hat allerdings nichts mit dem europäischen Bier zu tun, sondern wird nur Bier genannt). Wenn ein Dorf Bier fertig hat, wird getrommelt, um die umliegenden Dörfer zum Kosten einzuladen. Auch Unfälle, Zeremonien und andere Ereignisse werden per Trommel mitgeteilt. In jedem Dorf gibt es Spezialisten, meist sehr schnelle Trommler, die diese Nachrichten übermitteln. Die Übermittlung erfolgt, weil die Vokale und Konsonaten durch bestimmte Schlagkombinationen und die Tonhöhen direkt durch die Wahl der entsprechenden Trommel erzeugt werden. Dadurch ergeben sich für die Einheimischen klare, verständliche Wörter. Dieses Trommelprinzip kann aber nur bei sogenannten Tonsprachen funktionieren.

Afroasiatische Sprachen

Afroasiatisch ist eine Sprachfamilie, die Nordafrika, aber auch in Westasien verbreitet ist. Die Sprachfamilie umfasst etwa 350 Sprachen, wobei etwa 40 davon bereits ausgestorben sind. Etwa 350 Millionen Menschen weltweit sprechen afroasiatische Sprachen. Das Afroasiatische gliedert sich in sechs verschiedene Sprachzweige: Ägyptisch, Berberisch, Semitisch, Tschadisch, Omotisch und Kuschitisch. Die wichtigte Sprache dieser Gruppe ist Arabisch, da es von 150 Millionen Menschen gesprochen wird. Einen wichtigen Zweig bilden auch die rund 30 Berbersprachen, die von immerhin 12 Millionen Menschen in Tunesien, Marokko und Algerien gesprochen werden. Die wahrscheinlich bekannteste Berbersprache ist die der Tuareg.

Khoisan

Khoisian ist die kleinste Gruppe der afrikanischen Sprachen, da sie nur von etwa 355 000 Menschen gesprochen wird, obwohl es etwa 28 Sprachen gibt, die als khoisian gelten. Diese Sprachfamilie ist vor allem im südlichen Afrika verbreitet. Das typische an dieser Sprachfamilie sind die Klick- oder Schnalzlaute mit der Zunge. Khoisan ist verbreitet in Angola, Botswana, Namibia, Sambia, Simbabwe, Südafrika und Tansania.

Niger-Kongo-Sprachen

Die Sprachfamilie der Niger-Kongo-Sprachen besteht aus fast 1400 verschiedenen Sprachen, die von etwa 400 Millionen Menschen gesprochen werden. Sie bildet daher die größte Sprachfamilie in Afrika. Sie ist verbreitet im westlichen, südlichen, zentralen und östlichen Afrika. Eine Untergruppe der Niger-Kongo-Sprachen sind die Bantusprachen. Die wichtigsten und meist verbreitesten Niger-Kongo-Sprachen sind: Swahili (von 30-40 Millionen Menschen in Ostafrika gesprochen, auch bekannt als die Massaisprache), Yoruba, Igbo und Fulfulde (jeweils von etwa 20 Milionen Menschen in Nigeria gesprochen), Shona, Zulu, Nyanya und Lingala (Bantusprachen, jeweils von etwa 10 Millionen Menschen gesprochen), Bambara (gesprochen von 10 Millionen Menschen in Mali), Akan (gesprochen von 10 Millionen Menschen in Ghana) und Wolof (10 Millionen Menschen in Senegal).

Europäische, indogermanische Sprachen in Afrika

Die Ausbreitung des Kolonialismus Mitte des 19. Jahrhunderts brachte viele europäische Sprachen nach Afrika, die heute noch teilweise sogar als Amtssprachen verwendet werden. Folgende europäische Sprachen sind in einigen Ländern stark verbreitet:

  • Deutsch (in Südafrika und Namibia)
  • Englisch (in Ägypten, Äthiopien, Botswana, Eritrea, Gambia, Ghana, Kamerun, Kenia, Lesotho, Liberia, Malawi, Mauritius, Namibia, Nigeria, Sambia, Seychellen, Sierra Leone, Simbabwe, Südafrika, Swasiland, Tansania, Togo und Uganda)
  • Französisch (in Ägypten, Algerien, Benin, Burkina Faso, Dem. Rep. Kongo, Dschibuti, Elfenbeinküste, Gabun, Guinea, Kamerun, Komoren, Kongo, Madagaskar, Mali, Marokko, Mauretanien, Mauritius, Niger, Ruanda, Senegal, Seychellen, Togo, Tschad, Tunesien und der Zentralafrikanischen Republik)
  • Italienisch (in Äthiopien, Eritrea und Somalia)
  • Niederländisch und Afrikaans, eine dem holländischen sehr ähnliche Sprache, die im 17. Jahrhundert entstanden ist und immer noch eine der Amtssprachen in Südafrika ist (in Südafrika, Botswana und Namibia)
  • Portugiesisch (in Angola, Mosambik, Guinea Bissau, Kap Verde, Namibia, Sao Tome und Principe)
  • Spanisch (Marokko, Äquatorial Guinea)
Barbara Lechner, Barbara Lechner

Barbara Lechner - Aufgewachsen in Klosterneuburg bei Wien habe ich schon als Kind immer gerne Geschichten und ganze Bücher geschrieben. Nach meiner ...

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