Die Fatimiden führten ihre Abstammung auf Fatima, die Tochter des Propheten Muhammad, zurück. Zu Zeiten der sunnitischen Seldschukenherrschaft galten die schiitischen Fatimiden als ernstzunehmende Gegner.
Zuvor, etwa ab 909/910 bauten die Fatimiden ihre Herrschaft in Ifriqiya (Tunesien, Ostalgerien und Tripolitanien (heutiges Libyen)) auf und aus. Sie hatten zum Ziel, die Abbasiden zu stürzen und die Macht über die gesamte Umma (islamische Glaubensgemeinschaft) zu erlangen, jedoch konnten sie vorerst nicht einmal Ägypten oder Marokko einnehmen. Erst 969 gelang den Fatimiden die Eroberung Ägyptens, 972 verlegten sie ihre Hauptstadt nach Kairo.
Unter al-Aziz (reg. 975-995), der die sunnitischen Muslime tolerierte, wurden Palästina, Syrien, Mekka und Medina kontrolliert bzw. erobert. Auch der Jihad (Glaubenskampf) gegen Byzanz (hier die Gebiete in Sizilien und Süditalien) wurde aufgenommen. Sie unterwarfen den Maghreb, berührten die spanischen Umayyaden jedoch nicht.
Hatten die Fatimiden zu Beginn ihrer Herrschaft noch große Toleranzen für das Judentum und das Christentum, änderte sich dies im Laufe der Jahre stark: Zwischen 1008 und 1013 wurden unter al-Hakim Kirchen und Klöster geplündert, um das Heer zu finanzieren, Juden und Christen verfolgt und 1009 wurde die Grabeskirche in Jerusalem zerstört.
Im 11. Jahrhundert war das fatimidische Reich der mächtigste muslimische Staat, nur wenig später jedoch gab es starke Schwächungen: Damaskus, Aleppo sowie Teile Palästinas wichen der fatimidischen Kontrolle und kamen unter die Seldschuken, die abbasidische Macht holte wieder auf, in Ägypten herrschten Hungersnöte und hohe Steuern und es kam zu einer von Unzufriedenheit angetriebenen Landflucht.
Die Eroberung von Jerusalem 1099 durch die Kreuzfahrer war für die Fatimiden ebenfalls nicht mehr vermeidbar, sie verloren Palästina gänzlich und wurden, nach einem Feldzug gegen Ägypten 1163 durch Nur ad-Din, von den Ayyubiden 1171 gestürzt.
Die Ayyubiden übernehmen die Herrschaft in Ägypten
Kurz vor dem Untergang der Fatimiden verstärkten sich die Angriffe der Kreuzfahrer, die zwischen 1095 und 1099 Jerusalem erobert hatten. Die Fatimiden erbaten sich Unterstützung von den Zengiden, die einige Truppen nach Ägypten schickten. 1169 wurde Saladin (Salah ad-Din ibn Ayyub) dort Wesir und besiegelte den Untergang der Fatimiden zwei Jahre später. Er hatte damit eine neue Dynastie, die Dynastie der Ayyubiden, an die Macht gebracht.
In der folgenden Zeit sichert Saladin seine Herrschaft nach Innen und Außen ab, die Ayyubiden erobern den Jemen, West-Saudi-Arabien mit Mekka und Medina und Syrien, womit sie fast alle arabischen Kerngebiete besitzen mit Ausnahme von Bagdad. 1187 eroberte Saladin zudem Jerusalem von den Kreuzfahrern zurück und hatte damit ein wichtiges Ziel erreicht: Die Rückeroberung der Hauptstadt Jerusalems. Die nächsten beiden Jahre eroberte Saladin weitere Teile der Kreuzfahrerstaaten, der Dritte Kreuzzug verhinderte jedoch, dass Saladin die gesamte Kreuzfahrermacht niederschlug.
Nach Saladins Tod 1193 kam es zu heftigen Machtkämpfen unter seinen zahlreichen Nachkommen und Erbberechtigten. Einigen seiner Nachfolger, die sich im Kampf durchsetzen konnten, gelang es, das nach und nach zersplitternde Reich zusammen zu halten und die Kreuzfahrer teilweise abzuwehren. Nach dem Sechsten Kreuzzug, der erneut auf Ägypten abzielte und abgewehrt werden konnte, traten Probleme mit den türkischen Militärsklaven, den Mamluken, auf. Einer der letzten Ayyubidenherrscher fiel den Mamluken zum Opfer, der Mamlukenführer Aybak heiratete die Mutter des letzten Ayyubidenherrschers und konnte diese Dynastie so 1250 zum Sturz bringen.
Quellen:
Krämer, Gudrun: Geschichte des Islam, dtv München, März 2008, S. 118-128
Haarmann, Ulrich (Hrsg.): Geschichte der arabischen Welt, C.H. Beck, München 2001
