
- Museum der Festung Boyen in Gizycko - Harald Rossa
Westlich der Stadt Lötzen, heute Gizycko genannt, entstand ab 1844 eine riesige Festung auf einem sternförmigen Grundriss mit 6 Bastionen. Benannt wurde die Anlage nach dem preußischen Kriegsminister und Heeresreformer Generalfeldmarschall Hermann von Boyen. Der hatte den Bau der Festung angeregt und legte persönlich am 4. September 1844 auch den Grundstein zu der Anlage. Die Festung entstand auf einer Landenge zwischen dem Kissainsee (Kisajno), dem südlichsten Teil des Mauersees (Mamry), und dem Löwentinsee (Niegocin).
Das Bauwerk
Rund 100 Hektar nimmt die Festung Boyen ein. Sie war ein wichtiges Glied der preußischen Befestigungsanlagen zur Sicherung der östlichen Grenzen Ostpreußens und liegt auf einer strategisch wichtigen Landenge.
Die ersten Vorschläge für eine Befestigung des Passes zwischen den Seen bei Lötzen unterbreitete 1816 General Karl von Grolman (1777 bis 1848) in einer Denkschrift dem preußischen König Friedrich Wilhelm III. Aber erst der preußische Kriegsminister Hermann von Boyen (1771 – 1848) überzeugte König Friedrich Wilhelm IV. davon, an diesem Ort eine die größte Festung in ganz Masurens zu errichten. Von 1847 bis 1855 wurden die Bastionen, Pulvertore, Gräben, Kasernen und weitere Gebäude errichtet. Die Festung den Grundriss eines siebenzackigen Sterns. Vier Tore führen in die Festung. Die tragen heute die Namen Gizycko, Ketrzyn, Wodna (Wassertor) und Prochowa (Pulvertor).
Die Festung Boyen im Ersten Weltkrieg
Die Festung Boyen war im Ersten Weltkrieg nur schwach besetzt. Dennoch behinderte sie den Vormarsch der russischen Truppen unter General Kondratjew. Dessen Aufforderung zur Kapitulation wies der damalige Kommandant der Festung, Oberst Busse, am 27. August 1914 zurück. Die russischen Truppen griffen die Festung nicht an. Denn sie mussten der in Schwierigkeiten steckenden Narew-Armee unter General Samsonow zu Hilfe eilen. Doch die Festung Boyen versperrte den direkten Weg. Sie wurden zu einem großen Umweg um den Spirdingsee herum gezwungen. Dadurch kamen sie zu spät zum Kampfplatz. Die Mannschaft der Festung Boyen griff in die anschließende Schlacht an den Masurischen Seen vom 5. bis zum 14. September 1914 ein. Dabei wurde auch das Kanonenboot „Barbara“ eingesetzt.
Die Festung Boyen im Zweiten Weltkrieg
Lötzen war das Zentrum eines stark befestigten Gebietes in Ostpreußen. In diesem Festungsgürtel lagen auch die Bunkeranlagen des Führerhauptquartiers Wolfsschanze und des Oberkommandos des Heeres Mauerwald.
1941 richtete die Wehrmacht in der Festung ein Lazarett ein. Daneben war hier eine Einheit des militärischen Nachrichtendienstes des Admirals Wilhelm Canaris stationiert. Außerdem residierte in der Festung Boyen die Leitung der „Abteilung Fremde Heere Ost“ unter ihrem Kommandeur Reinhard Gehlen. Der wurde später der erste Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND). Anfang 1945 schloss die 3. Weißrussische Armee die Festung Boyen ein und zwang die Besatzung zur Kapitulation.
Die Festung Boyen heute
Heute ist die Festung Boyen eine der am besten erhaltenen Verteidigungsanlagen aus dem 19. Jahrhundert in Polen und eine Station an der Baltischen Festungsroute. Die alten Einrichtungen sind weitgehend zugänglich. Ein deutscher Förderverein in Neumünster und ein polnischer Förderverein in Gizycko kümmern sich gemeinsam um die Sicherung und Restaurierung der Anlage. In der Festung dokumentiert ein Museum die Geschichte der Stadt Lötzen und der Festung.
Anschrift: Festung Boyen, ul. Turystyczna 1, PL 11-500 Gizycko, Fon +48 (0)87 4282959
Literatur
- Wojciech Marek Darski: Masuren von innen. Wydanictwo Mazurskie Gizycko 2011, ISBN 978-8361349-08-2
- Jan Zduniak und Agnieszka Zduniak: Wolfsschanze und Hitlers andere Kriegshauptquartiere in Wort und Bild. Kengraf Ketrzyn 2006. ISBN 83-89119-18-8
Quellen
- Stadt Gizycko: Festung Boyen
- Ostrpreußen.net: Festung Boyen
