
- Graben am Fort Zachodni - Harald Rossa
Swinoujscie, deutsch Swinemünde genannt, ist wieder ein attraktives Bad an der Ostsee. Zur Geschichte der Stadt gehören auch die Anlagen der Festung Swinemünde. Die drei historischen Forts der Festung wurden in den vergangenen Jahren für Besucher zugänglich gemacht. Sie sind heute ein Höhepunkt unter den Anlagen an der Baltischen Festungsroute.
Frühe Befestigungen an der Swine
Die ersten Befestigungen an der Swine ließ Wallenstein Anfang des 17. Jahrhunderts anlegen. Während des Dreißigjährigen Krieges kam es hier zu schweren Kämpfen. Nach 1648 gehörte Swinemünde zu Schweden. Die bestehenden Verteidigungsanlagen wurden weiter ausgebaut. 1721 fiel Swinemünde wieder an Preußen. König Friedrich II. ließ Swinemünde zum Seehafen ausbauen und verlieh der Siedlung die Stadtrechte. 1757 griffen schwedischen Truppen Swinemünde an. Wegen der andauernden Bedrohung durch Schweden entstand 1759 ein Plan zum Ausbau der Festung, der bis zu den Napoleonischen Kriegen umgesetzt wurde.
1806 marschierten französische Truppen unter der Führung von General Bertrand in Swinemünde ein. Im Juli 1807 übernahm ein Korps des Feldmarschalls Blücher die Stadt. 1812 marschierten wieder französische Truppen in Swinemünde ein. Französische Pioniere erbauten auf beiden Seiten der Swine die hölzernen Befestigungen „Osterkopf" und „Kronprinz". Die wurden zwei Jahre später durch einen schweren Sturm zerstört.
Vor 1848 bestanden die Befestigungen in Swinemünde aus Holzforts und provisorischen Artilleriestellungen. 1846 beschloss Preußen unter der Regierung von König Friedrich Wilhelm IV. den Bau gemauerter Forts in Swinemünde. Mit den Arbeiten daran wurde 1848 nach dem Ausbruch des Krieges mit Dänemark begonnen.
Die Westbatterie
Die Westbatterie, das Fort Zachodni, liegt am nördlichen Rand der Stadt direkt an der Swine. Das von 1856 bis 1861 gebautes preußische Fort diente mit den anderen Festungen der Verteidigung der Stadt und des Hafens. Die Anlage wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts deutlich vergrößert und wurde eine Küstenbatterie. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Waffen abgebaut. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde das Fort reaktiviert. Soldaten der Marine und der Infanterie bildeten die Besatzung der Festung.
Anfang 1945 kam es zu Kämpfen um Stettin und Swinemünde. Die deutsche Besatzung zerstörte vor ihrem Abzug über die Ostsee die Waffen. Nach dem Krieg nutzte die Rote Armee die Westbatterie. 1962 wurde das Fort dann der Stadt übergeben. Aber erst nach 1990 wurde über die Erhaltung und Nutzung nachgedacht. Der Verein der „Festungsfreunde Westbatterie“ sicherte Teile der Westbatterie und machte sie für die Öffentlichkeit zugänglich. Am Eingang zum Fort entstand ein kleines Museum, das militärische und zivile Gegenstände und Ausrüstungen aus dem Fort von der Preußenzeit bis zum Kalten Krieg gezeigt werden.
Die Engelsburg
Die Engelsburg, polnisch Aniola genannt, liegt wie die Westbatterie am Swineufer. Dieses Fort entstand von 1854 bis 1858. Es diente der landseitigen Verteidigung von Stadt und Hafen. Ursprüngliche wurde die Anlage als „Werk III“ bezeichnet. Später hat sich der Name Engelsburg eingebürgert. Denn das Fort ähnelt dem Mausoleum des römischen Kaisers Hadrian und der späteren päpstlichen Sommerresidenz.
Die Engelsburg ist ein dreigeschossiger Rundbau mit Beobachtungsturm. In den Wänden befinden sich Schießscharten für leichte Geschütze und Handfeuerwaffen. Umgeben ist die Befestigungsanlage von Erdwällen und einem doppelten Wassergraben. Später entstanden um die Engelsburg mehrere Bunker für Feldgeschütze, Munitionsräume sowie Schutzräume für die Mannschaften.
Während des Ersten Weltkrieges war die Engelsburg durch eine Schmalspurbahn mit anderen Festungen verbunden. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurden technischen Anlagen, die Schutz vor chemischen Waffen bieten sollten, eingebaut. Der Turm der Engelsburg wurde für die Luftabwehr genutzt. Nach 1945 installierten sowjetische Truppen hier Funk- und Radaranlagen.
Heute ist die Engelsburg zu besichtigen. Die Restauration bietet Grillfeste am Lagerfeuer, Musikabende, Ausstellungen und andere kulturelle Events vor der historischen Kulisse.
Das Fort Gerhard
Das Fort Gerhard, das wegen seiner Lage auf der östlichen Seite der Swine auch Ostbatterie genannt wird, entstand von 1856 bis 1863 zur Abwehr von Angriffen von der Seeseite her. Die zweigeschossige ovale Anlage war von einem Wassergraben umgeben. Der Haupteingang und der Hof des Forts waren nur über eine Zugbrücke erreichbar.
Um 1880 wurde sie in eine befestigte Küstenbatterie mit Artillerie und 10 Unterständen für Geschütze. Aufgestellt wurden allerdings nur vier Küstengeschütze schweren Kalibers. Dazu kamen Feldartillerie und Maschinengewehre. Unterirdische Bunkeranlagen verbanden die südlichen und nördlichen Stellungen mit dem Innenhof.
Nach dem Ersten Weltkrieg übernahm die Marine die Anlage. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Fort von sowjetischen Truppen genutzt. 1962 übernahm die Stadt Swinemünde das Fort. Inzwischen ist es wieder so hergerichtet, dass Besucher die Spuren der Vergangenheit verfolgen können.
Literaturtipp
- Frank Gosch: Festungsbau an Nordsee und Ostsee. Die Geschichte der deutschen Küstenbefestigungen bis 1918. Verlag Mittler & Sohn Hamburg 2002, ISBN 978-3813207439
Quellen
- Gerhard Buchheister: Swinemünde - Stadt der Festungen. In: Greifswald Kompakt 2007
- Erwin Rosenthal: Festungen in Swinemünde
- Insel Usedom-Wollin: Festung Swinemünde
- Zachodni Fort Artyleryjski: Die Geschichte auf die Feste im Swinemünde
