Die Feuerwehr in Paraguay unter deutschem Kommando

Feuerwehr Paraguay Colonias Unidas Hans Singer Comander Nacional - Don R. Vigo - donvigo@usa.com
Feuerwehr Paraguay Colonias Unidas Hans Singer Comander Nacional - Don R. Vigo - donvigo@usa.com
Der operative Chef der Feuerwehr in Paraguay ist ein Deutscher: Hans Singer. Mit seinem Job ist er glücklich, würde nur nicht so viel Equipment fehlen.

Hans Singer, geboren in Duisburg und aufgewachsen in Bielefeld, ist eine mächtige Erscheinung, groß, kräftig - und äußerst sympathisch. Der gelernte Zimmermann und Krankenpfleger hatte seine erste Begegnung mit Paraguay nicht auf dem südamerikanischen Kontinent, sondern in Deutschland. Er „verguckte“ sich in eine Frau aus Paraguay. Es kam, was kommen musste, Hans reiste ihr irgendwann hinterher - nach Südamerika. Es folgte - eigentlich logisch - die Heirat. In Paraguay arbeitete Hans dann zunächst als Zimmermann.

Schon als Jugendlicher war er in Deutschland in die Feuerwehr eingetreten und machte später seinen Brandmeister. Auch in Paraguay stellte er sich in den Dienst der Menschen. Diese hat in Pargaguay erst eine 33-jährige Geschichte, steckt damit zwar nicht mehr in den Kinderschuhen, ist aber auch noch lange nicht auf dem Stand,auf dem sie eigentlich sein müsste.

Großteil der Ausrüstung aus Spenden

Durch gute direkte Beziehungen zur damaligen Regierung unter Präsident Alfredo Strössner (1912-2006) wurde eine Feuerwehr aufgebaut. Ein Großteil der Ausrüstung und Fahrzeuge kam als Spenden, vor allem auch aus Deutschland. Und so begann die Feuerwehrkarriere des Hans Singer in Paraguay. Er gab Unterricht - zunächst auf Deutsch. Da es einige Feuerwehrleute gab, die auch etwas Deutsch konnten, übersetzten diese dann für ihre Landsleute. „Mit der Zeit ging das immer besser. Die Jungs lernten ganz nebenbei noch etwas Deutsch, und ich immer mehr Spanisch. Nach einem Jahr nahm der damalige Chef der Feuerwehr in den Colonias Unidas, Hohenau, Bella Vista und Obligado seinen Hut. So wurde ich dann zum neuen Kommandanten befördert.“

Hilfe aus Deutschland und England

„Zum Glück haben wir sehr viel Hilfe aus Deutschland und England bekommen“, berichtet Hans weiter. „Die Einsatzfahrzeuge hier sind Spenden, wir mussten nur die Fracht selbst bezahlen.“ Die Bilder zeigen ganz eindrücklich, dass es keine modernen Fahrzeuge sind, mit denen die Feuerwehrleute in Paraguay zu Notfällen ausrücken, sondern veraltete Technik. Dennoch, in den Colonias Unidas freut man sich darüber, denn bekanntlich ist der Spatz in der Hand besser als die Taube auf dem Dach.

Auch mal Fünf gerade sein lassen

Hans weiter: „Unsere Fahrzeuge sind zumeist um die 30 Jahre alt, aber sie tun noch einigermaßen ihren Dienst - eben besser als gar nichts. Und wir hier in den Colonias Unidas haben derzeit sogar eine ziemlich große Flotte, die größte in ganz Paraguay. Und die Kameraden hier sind auch mächtig stolz darauf. Sie fühlen sich für die ganze Ausrüstung so verantwortlich, als wäre es ihr Eigentum. Sie machen nach jedem Einsatz alles gründlich sauber und pflegen die Teile geradezu liebevoll. Das ist nicht überall in Paraguay so, oftmals musst Du da auch die Augen zumachen und mal Fünfe gerade sein lassen, wenn Du zum Einsatz rausfährst.“

Hans ist sichtlich stolz auf seine Leute, deren Arbeit ganz eindeutig auch seine Handschrift trägt. In 14 Jahren Brandmeister in den Colonias Unidas hat er auch deutsche Gründlichkeit und Ordentlichkeit eingebracht, was sich immer wieder auszahlt. Sieben Jahre war er Bezirksbrandmeister für den gesamten Bereich Itapúa, direkt an der argentinischen Grenze am Río Paraná.

„Als ich Bezirksbrandmeister wurde, hatten wir drei Feuerwehren: eine in den Colonias Unidas, eine in Encarnacion und eine in Capitán Meza. Daraus haben wir bis heute 16 Feuerwehren gemacht. Überall haben wir auch ausgebildet und Fahrzeuge gekauft. Das Problem war vorher, dass unsere Feuerwehr einen Einsatzradius von 100 Kilometern hatte. Aber 100 Kilometer mit einem 11-13er Merceds zu fahren dauert mehrere Stunden. Da war schnelle Hilfe oftmals unmöglich. Jetzt, mit diesen 16 Feuerwehren, hat jede nur noch einen Radius von etwa 10 Kilometern. Das ist schon ein Riesenunterschied.“

Commandante Nacional

Nach sieben Jahren als Bezirksbrandmeister erklomm Hans die nächste Stufe und wurde Landesbrandmeister, Commandante Nacional, höchster Chef der operativen Freiwilligen Feuerwehr von Paraguay.

Normalerweise könnte Hans ja zufrieden sein, aber die Ausrüstung lässt immer noch sehr zu wünschen übrig. „Eigentlich müsste der Staat sich ja noch mehr engagieren, aber das ist nicht so einfach“, weiß Hans. „Aber wir bräuchten hier ganz dringend ein schnelles Rüstfahrzeug mit Allrad-Antrieb, mit dem ich dann auch schnell zu den Einsatzorten komme. Da muss alles drauf sein, was wir brauchen, um eingeklemmte Menschen schnellstens bergen zu können.“

„Der Schuh drückt noch woanders, denn wir bräuchten auch schnellstmöglich ein Einsatzboot. Mindestens zweimal die Woche haben wir einen Einsatz auf dem oftmals schnell fließenden Rio Paraná, wo wir Leben retten müssen. Wir haben hier zwar auch Tauchausrüstungen, aber wir bekommen keine Ersatzteile mehr dafür, weil die Geräte einfach zu alt geworden sind. Aber selbst, wenn wir sie irgendwo bekommen könnten, wir können sie uns einfach nicht leisten. Eigentlich bräuchten wir vier komplette Ausrüstungen, zwei für die Taucher, zwei zur eigenen Sicherheit.“

Piranhas? Alles nur Schauermärchen

Der Rio Paraná ist gefährlich, man sieht unter Wasser kaum die Hand vor Augen. Man muss sich langsam vortasten, immer in der Gewissheit, das überall Gefahren wie versenkte Schiffe und Bäume lauern. „Und die Piranhas?“, will ich wissen. Aber Hannes lacht nur: „Die sind wirklich das kleinste Übel, keine wirkliche Gefahr, auch wenn es darüber jede Menge Schauermärchen gibt.“ Natürlich ist Hans kein Träumer, sondern ganz realistisch: „Nein, ich spreche natürlich von gebrauchten Fahrzeugen. Neu könnten wir uns die nie leisten.

Ganz klar in Zahlen gesprochen rechnet er für das Rüstfahrzeug mit Kosten von etwa 20.000 Euro, also rund 30.000 US-Dollar, für das Rettungsboot auch noch einmal rund 15.000 US-Dollar. Eine Tauchausrüstung würde mit 6.000 US- Dollar zu Buche schlagen.

Menschen sterben, weil Material fehlt

„Das Geld hat hier keiner von uns, leider. Aber das kann hier keiner bezahlen. Das ist so schlimm, weil wir gerne helfen wollen und es oftmals nicht können, weil die Ausrüstung nicht da ist. Ich weiß, was es für einen jungen Feuerwehrmann bedeutet, jemanden sterben zu sehen und tatenlos zuschauen zu müssen, nur weil man das verdammte Material nicht hat. Ich habe das selbst schon erlebt!“

Quellen: