Die Fichte

Brotbaum und Umweltproblem

Typiche Fichtenmonokultur - Volker Wollny
Typiche Fichtenmonokultur - Volker Wollny
Eine unserer wichtigsten Baumarten ist die Fichte. Sie liefert einen großen Teil unseres Holzes, wirft im Forst aber auch manches Problem auf.

Wenn bei uns im Schwabenland von einem „Tannenbaum“ die Rede ist, kann man sich fast sicher sein, das damit in Wirklichkeit eine Fichte gemeint ist, genauer: ein Exemplar der Gemeinen Fichte, eines unserer häufigsten Waldbäume. Mit den Tannen hat sie lediglich die Familie gemeinsam, denn beide gehören zu den pinaceae, den Kieferngewächsen, gehört aber einer anderen Gattung, jener der Fichten an, die auf Latein picea heißt – im Gegensatz zu den Tannen, die sich abies schreiben.

Man muss zugegeben, dass die Gemeine Fichte auf den ersten Blick gewisse Ähnlichkeiten mit ihrer Cousine, der Weißtanne hat. Abgesehen davon, dass die Hölzer der beiden Arten sich sehr ähnlich, wenn nicht sogar gleich verwenden lassen, gibt es auch äußerliche Ähnlichkeiten, nämlich bei der Rinde und der Wuchsform. Das spiegelt sich auch im lateinischen Namen unserer Fichte wieder: Sie hört auf den hübschen Namen picea abies, was soviel wie „Tannenfichte“ bedeutet. Damit die Verwechselung vollends vorprogrammiert ist, nennen manche Leute die Fichte zu allem Überfluss dann auch noch Rottanne.

Kleine, aber entscheidende Unterschiede

Für einen echten Waldläufer ist es keine große Sache, eine Fichte von einer Tanne zu unterscheiden: Schon der erste Blick zeigt, dass die Nadeln der Tanne flach sind und in zwei Reihen am Zweig sitzen, die Fichte eher vierkantig und rundherum angeordnet, so das ein Fichtenzweig einer Flaschenbürste ähnelt. Reißt man nun eine Nadel aus, und schaut sich deren Ansatz an, wird es vollends klar, um welche der beiden Cousinen es sich handelt: Bei der Tanne sieht man eine Art kleinen Taler, das bei dieser Gattung typische Kissen, auf dem die Nadel am Zweig saß. Fichtennadeln hingegen sitzen direkt am Zweig; reißt man sie aus, geht in der Regel ein spitziges Stückchen Rinde mit, dass an der Nadel wie ein Fähnchen wirkt. „Tanne – Taler, Fichte – Fähnchen“ lautet daher auch der Merkspruch, anhand dessen man die beiden Arten unterscheiden kann.

Mit diesem Wissen ausgerüstet kann man nun eine weitere „Tanne“ untersuchen, die so genannte Blautanne, die man in der Wirtschaftswunderzeit gerne in den Garten setzte und von der es hier und dort noch Exemplare gibt, die sich mittlerweile zu ordentlichen Bäumen ausgewachsen haben. Was bereits der erste Blick auf einen benadelten Zweig nahe legt, bestätigt sich beim Ausrupfen einer Nadel: Das „Fähnchen“ weist die vermeintliche Tanne tatsächlich als Fichte aus und ihr lateinischer Name picea pungens (Stechfichte) bestätigt das.

Brotbaum und Ärgernis

Als man es im 18. Jahrhundert bei uns geschafft hatte, mit Hilfe Jahrhunderte langem Raubbau den Wald fast völlig auszurotten, wurde die Forstwirtschaft, also der planmäßige Anbau von Bäumen zur Holzgewinnung geboren. Da damals im Hinblick auf die Holzversorgung Matthei bereits am letzten war, griff man zunächst zur Fichte, denn sie wächst sehr schnell und liefert zwar kein besonders hochwertiges, aber ein vielseitig verwendbares Holz.

Da man es nicht besser wusste, baute man die Bäume in Reih' und Glied wie auf einem Acker an. Da die Bäume alle gleichzeitig gepflanzt wurden, konnte man sie auch gleichzeitig umhauen und bepflanzte dann wieder neu. So entstand die konventionelle Forstwirtschaft mit Kahlschlag und Wiederaufforstung, Altersklassenwald und Monokultur.

Da die Fichte schnelle Erträge lieferte, nannte man sie den „Brotbaum des Forstwirtes“. Aber sie warf auch Problem auf: Picea abies ist zwar ein heimischer Baum, kommt aber im natürlichen Wald der meisten Regionen Deutschlands nur vereinzelt vor und zwar als einer der Bäume, mit denen die Buche im bei uns typischen Buchenmischwald untermischt ist. Häufig wird die Fichte bei uns von Natur aus erst ab einer gewissen Höhenlage, wo Nadelgehölze zunehmend besser klar kommen als Laubhölzer.

Auf vielen Standorten ist die Fichte bei uns aber ungeeignet, was die alten Förster auf die harte Tour lernen mussten. Sie reagiert darauf zum Beispiel mit Rotfäule und auch die Monokultur passt ihr nicht; sie ist der Grund für die bekannten Kalamitäten mit Borkenkäfern. Daher geht heute auch bei uns der staatliche Forst zu einem naturnäheren Waldbau über, bei dem die Bäume nach Art und Alter gemischt sind und der Forst so einem für den jeweiligen Standort natürlichen Wald mehr oder weniger stark ähnelt.

Fichtenholz

Fichte ist zwar ein preisgünstiges und nicht besonders hochwertiges Holz, aber keineswegs ein minderwertiges. Dass sieht man schon allein daran, dass es in vielen alten Gebäuden Jahrhunderte überdauert hat und auch heute noch hält. Fichtenholz in Gebäuden geht nur kaputt, wenn es nass wird oder vom Schwamm befallen wird, was aber jedes Holz ruiniert.

Der Grund dafür, dass Fichte ein beliebtes Bauholz ist, besteht nicht nur im günstigen Preis, sondern auch darin, dass sie ein langfaseriges Holz ist und sich daher für lange, schlanke Bauteile eignet. Fichte ist nun, das sei zugegeben, nicht gerade das allerschönste Holz, aber wo man sie nicht sieht, etwa bei Unterkonstruktionen wie Konterlattungen und dergleichen, leistet sie auch im Innenausbau auf jeden Fall hervorragende Dienste. Und so hässlich, dass man es nicht dann und wann doch auch für sichtbar Teile verwenden könnte ist Fichtenholz dann auch wieder nicht.

Volker Wollny, Journalist, Autor und Blogger, Saskia Wollny

Volker Wollny - Tätig als Publizist und Freier Dozent, abgeschlossenes Studium als Ingenieur für Produktionstechnik, Gesellenbriefe im ...

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