Die Filialisierung im Einzelhandel nimmt zu

In den deutschen Großstädten dominieren Ketten in den Einkaufsstraßen. Eine aktuelle Auswertung ergab, dass ihr Anteil bundesweit sogar noch zunimmt.

Die Einkaufsstraßen der deutschen Großstädte werden überwiegend von Filialisten dominiert. Der Trend zur Filialisierung ist nicht neu, hat sich jedoch in den letzten fünf Jahren weiter fortgesetzt, teilte Lührmann am 23. Mai 2011 mit. Eine Untersuchung des Maklerunternehmens für die 15 größten deutschen Städte ergab für 2011 einen durchschnittlichen Filialisierungsgrad von 64,9 Prozent. 2006 lag der Schnitt noch bei 59,9 Prozent. Den stärksten Anstieg gab es in Frankfurt am Main, wo der Anteil der Ketten um 16,3 Prozent zunahm, gefolgt von Düsseldorf (13,1 Prozent) und Dresden (11,2 Prozent). Der Standort mit dem höchsten Prozentsatz an Filialisten ist jedoch Dortmund mit 74,6 Prozent. Den niedrigsten Satz gibt es in München mit 53,7 Prozent.

Starke Einzelhandelsstandorte ziehen Filialisten an

Nach Meinung von Lührmann ist die Beliebtheit bei Ketten ein Indikator für die Wettbewerbsfähigkeit eines Einkaufsstandortes. „Da die besten Ladenlokale den höchsten Umsatz versprechen, werden die wenigen Premiumflächen in den beliebtesten deutschen Fußgängerzonen auch zukünftig im Fokus der erfolgreichen nationalen und internationalen Filialunternehmen liegen“, wird Achim Weitkamp, Geschäftsführender Gesellschafter, in der Pressemitteilung zitiert. Wenn sich umgekehrt Filialisten aus einer Innenstadt zurückziehen, spräche es für zu geringen Umsatz der Händler. Ursachen hierfür sind etwa eine zu niedrige Passantenfrequenz in den betreffenden Einkaufsstraßen, ausgelöst durch einen Kaufkraftabfluss in umliegende Städte oder durch die zu niedrige Kaufkraft der Bevölkerung vor Ort.

Einseitiges Angebot führt zu Monotonie in den Innenstädten

Doch auch durch eine starke Zunahme des Flächenangebots kann der Filialisierungsgrad sinken. So eröffneten in Essen und Hannover neue Shopping Center, in Dortmund steht die Eröffnung eines Centers bevor. Alle drei Städte verloren dadurch in den Toplagen der Einkaufsstraßen Filialisten, so Weitkamp. Er widersprach aber der These, viele Ketten würden für Monotonie in den Innenstädten sorgen. Filialisten hätten eine Magnetwirkung für den Einzelhandel, von dem auch die lokalen Händler und die Gastronomie profitierten. Da Filialunternehmen zudem oftmals langfristige Verträge abschlössen, profitierten auch die Vermieter. Diese verwendeten die sicheren Einnahmen oftmals für Investitionen in die Immobilien. Von diesen Sanierungen und Renovierungen profitierte dann die gesamte Einkaufslage. Entscheidend beim Kampf gegen monotone Standorte sei vielmehr ein guter Branchenmix. „Ein zu großes einseitiges Angebot führt zu monotonen Innenstädten und die in der Innenstadt seltener werdenden Ramschläden viel eher für Frust beim Kunden“, so Weitkamp.

Auch die Ketten selbst haben erkannt, dass sie etwas gegen Monotonie in den Innenstädten tun müssen. In den vergangenen Jahren haben sie neue Marken geschaffen, die es noch nicht in allen Großstädten zu kaufen gibt und die auf bestimmte Zielgruppen zugeschnitten sind. Beispiele für diesen Trend sind das Prada-Label Miu-Miu, das in Frankfurt/Main vertrieben wird, Cos und Weekday von H&M oder Zara Home, wie Zara zum Inditex-Konzern gehörend.

Der Filialisierungsgrad in den 15 größten deutschen Städten (Stand Mai 2011)

1. Dortmund: 74,6 Prozent

2. Bremen: 72 Prozent

3. Nürnberg: 70,3 Prozent

4. Berlin: 69,5 Prozent

5. Düsseldorf: 69 Prozent

6. Dresden: 68,5 Prozent

7. Essen: 68 Prozent

8. Frankfurt/Main: 67,2 Prozent

9. Hamburg: 66 Prozent

10. Hannover: 64,3 Prozent

11. Köln: 59,9 Prozent

12. Stuttgart: 59,8 Prozent

13. Duisburg: 55,3 Prozent

14. Leipzig: 54,7 Prozent

15. München: 53,7 Prozent

Quelle: Lührmann

Jörn Käsebier - Bei Suite101.de betreute Jörn Käsebier zweieinhalb Jahre die Ressorts Wirtschaft & Geld sowie Sport als Redakteur, solange es ...

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