
- Year of the Bat - YOB
Wer fliegt mit den Händen und sieht mit den Ohren? Richtig, die Fledermaus. Was für uns wie Flügel aussieht, sind in Wirklichkeit umgewandelte Hände. Die Hände der Fledermaus sind vergrößert und die Finger extrem verlängert. Zwischen diesen breitet sich die Flughaut aus. Die Flughaut geht um den ganzen Körper inklusive Schwanz, um besser steuern zu können. Der Daumen hat eine Kralle, mit der die Fledermaus klettern und sich fest hängen kann.
Fledermäuse sind nach den Nagetieren die zweitartenreichste Säugetiergruppe und bis auf die Pole weltweit verbreitet. Interessanterweise sahen sie vor rund 55 Millionen Jahren schon fast so aus wie heute. Mit welchen Tricks konnten diese vergleichsweise kleinen Säugetiere so erfolgreich werden? Wie setzt sich ihre Beute zur Wehr?
Die Fledermaus und der Ultraschall oder wie jagt die Fledermaus?
Radar, Echo, Ultraschall, alles Begriffe, welche auf die Fledermaus zutreffen. Fledermäuse sehen schlecht, haben dafür aber andere Sinnesorgane überentwickelt. Die Tiere können durch Nase oder Mund Laute im unhörbaren Bereich (Ultraschall) ausstoßen. Die breiten Nasenaufsätze bündeln den Schall und richten ihn ziegerichtet aus. Trifft dieser Schall auf ein Hindernis, ob Baum, Gemäuer oder Beutetier, so kommt er als Echo an die hochempfindlichen Ohren der Fledermaus zurück. Das Echo verrät der Fledermaus genau die Größe, Form und Entfernung des Hindernisses. Der sogenannte Dopplereffekt verrät ihnen sogar, ob sich das Beutetier nähert oder entfernt. Liegt der Ton, der zurückkehrt, höher, nähert sich die Beute, ist er tiefer, entfernt es sich.
Knapp vor ihrer Beute erhöhen die Fledermäuse die Anzahl der Signale; bis zu 200 Schallimpulse pro Sekunde hat man gemessen und dann schlagen sie zu.
Wie reagieren die Beutetiere der Fledermaus?
Ihre Beute spüren die fliegenden Jäger mit ihrem Ultraschallsystem auf. Für Menschen, aber auch für die meisten anderen Tiere sind diese Laute nicht zu hören, deshalb sind sie als Jäger auch dermaßen erfolgreich. Doch einige Insekten sind in der Lage die Peilrufe der Fledermäuse zu erkennen. Einige Nachtfalterarten, welche zu den beliebtesten Beutetieren der Fledermaus gehören, haben im Lauf ihrer Entwicklung Hörorgane entwickelt. Diese einfachen Hörorgane liegen ganz unterschiedlich an der Brust, am Hinterleib, am Kopf und sogar an den Mundwerkzeugen des Falters. Sie dienen nur dazu die Fledermausrufe zu erkennen. Außerdem kann der Falter sein Ohr quasi stimmen. So können die Falter unterscheiden, ob sich die Fledermaus nähert oder entfernt.
Was unternimmt nun der Nachtfalter, um sich die Fledermaus vom Leib zu halten?
Durch heftige und unerwartete Flugmanöver schüttelt der Falter die Fledermaus ab. Kommt ihnen die Fledermaus dennoch zu nahe, können einige Falterarten laute Töne erzeugen mit einer Frequenz von 20 kHz. Da diese Töne dem Echo von Hindernissen ähneln, glaubt die Fledermaus ein unerwartetes Hindernis vor sich zu haben und dreht ab. Klappt der Trick, dann haben die Falter Zeit zu entwischen.
Aufrüsten im Tierreich - keine Strategie ohne Gegenstrategie
Man sollte annehmen, damit sind die Nachtfalter aus dem Schneider. Doch die Fledermäuse haben dazu gelernt. So haben Fledermäuse, die sich vorwiegend von Nachtfaltern ernähren, als Antwort darauf tatsächlich ihre Frequenz geändert. Bis die Falter ihre Gegenmaßnahmen aktualisiert haben, stehen sie nun weiterhin vorrangig am Speiseplan.
Die Strategie der tropischen Laubheuschrecke
Auch Laubheuschrecken im tropischen Regenwald (Docidocercus gigliotosi - Pseudophylline) können ihre Hauptfeinde, die Fledermäuse, rechtzeitig hören, obwohl deren Echosignale wie ihre eigenen Gesänge im Ultraschallbereich liegen. "Prof. Dr. Heiner Römer vom Institut für Zoologie der Uni Graz" Sie untersuchten das Hörvermögen von Laubheuschrecken. Akustische Nervenzellen der Laubheuschrecken können den Hintergrundlärm stark unterdrücken, sobald Fledermäuse in ihrer Nähe jagen. Mit Hilfe dieser Nervenzellen können sie die Echo-Ortungslaute ihrer Fressfeinde, der Fledermäuse, erkennen und damit rechtzeitig flüchten. "Publikation im Journal of Experimental Biology."
Eine andere Taktik zum Schutz vor der Fledermausjagd
Gottesanbeterinnen sind ebenfalls imstande, die Schallfrequenzen der Fledermäuse rechtzeitig zu erkennen, agieren anders. Sie betätigen sich als Kamikazeflieger. Bemerkt eine Gottesanbeterin das Nahen einer Fledermaus, fliegt sie als Reaktion darauf steil nach oben. Verharrt dann ganz kurz und ab geht es im Sturzflug pfeilschnell nach unten. Wird sie von der Fledermaus verfolgt, muss diese rechtzeitig vor dem Boden wieder nach oben ziehen, da sie sich sonst verletzt. Die Gottesanbeterin jedoch kann unversehrt landen und warten, bis der Luftraum wieder frei ist.
Nichts ist so spannend, wie die Natur, die Tier- und Pflanzenwelt und ihre Strategien um zu überleben. Nicht umsonst wählt man Jahr für Jahr ein Tier des Jahres, um näher Einblick zu geben.
Quellen:
- Unbekannte Tierwelt; Weltbild 1997
- Säugetiere, Arten, Lebensraum & Verhalten; contmedia Verlag 2008
Weitere Artikel oder Links zum Thema Fledermaus:
- Das Große Mausohr, Höhlentier des Jahres 2011
- Kurioses zu den Fledermäusen.
- Die Fledermaus - Alltag vom Kindergarten bis zum Zeltbau
- Fledermausschutz-Seite
