
- Großes Mausohr - A. Vorauer
Bekanntes und Unbekanntes an Fakten aus der Welt der Fledermäuse. Oder wussten Sie, dass Fledermäuse ihre Kinder in der KITA parken? Oder sich Zelte bauen, weil die Höhlen rar sind?
Fledermäuse und ihre Kindergärten
Viele Tiereltern können ihre Jungen bei der Nahrungssuche in den ersten Lebenswochen nicht mitnehmen und sind, wie der Mensch auch, auf das System Kindergarten ausgewichen. Auch die Fledermäuse haben diesen Weg gewählt. Mehr über Geburt und die ersten Wochen hier. In den Kinderstuben bleiben die nackten, rosafarbenen Babys unter der Aufsicht von einigen Weibchen zurück. Dabei drängen sich die Tierkinder eng zusammen, um möglichst wenig Wärme zu verlieren. Die Mütter erkennen in dem Gewirr ihr Kind anhand der individuellen Laute und am Geruch. Die größte Kindertagesstätte dabei liefert die Brasilianische Bulldogfledermaus (Tadarida brasiliensis). Bis zu 20 Millionen Fledermäuse haben Forscher in den Höhlen (Bracken Cave in Texas) geschätzt.
Fledermäuse, die sich Zelte bauen
Bevorzugt leben Fledermäuse in Höhlen, ausgedienten Dachböden oder auch Baumhöhlen. Allerdings gibt es auch Fledermausarten, die sich Zelte aus großen Blättern bauen, unter denen sie sich tagsüber aufhalten. Die Mittelrippe des Blattes wird dafür durchgebissen, dabei welkt das Blatt und rollt sich am Rand ein. Die Weiße Fledermaus (Ectophylla alba), eine Fledermaus mit schneeweißem (=alba) Fell, benützt dafür die Blätter der Heliconia-Pflanze. Bis zu 15 Tiere finden so in der Höhe von 2- 3 m Platz. Die weiße Farbe dient der Tarnung, da das Tier, von unten gegen das Licht gesehen, so kaum zu erkennen ist, da ihr Fell das Licht reflektiert.
Auch Uroderma bilobatum, ebenfalls Blattnasen-Fledermaus, baut sich ihr Nest in Palmen. Dabei knickt sie die gefiederten Blätter so ab, dass diese wie eine Jalousie zusammenfallen. Dabei bilden sie in dichtes dreieckiges Dach. Einige Blätter übereinander geknickt und die regenfeste Behausung ist bezugsfertig.
Vampire sind besser als ihr Ruf, sie sind selbstlos und sozial
Nur wenige Fledermausarten ernähren sich von Blut, die einen saugen das Blut von Vögeln, die anderen, wie der Gemeine Vampir (Desmodus rotundus) das von großen Säugetieren. Pferde, Rinder und andere Nutztiere sind ihre Nahrungsquelle. Oft bleiben sie bei der Nahrungssuche erfolglos. Da ein Vampir aber nur 60 Stunden ohne Nahrung überlebt, ist das besonders für unerfahrene Jungtiere lebensbedrohlich. Kehrt so ein Junges mit leerem Magen zurück in die Schlafhöhle, findet er in den meisten Fällen Hilfe bei seiner Gruppe. Die anderen Tiere geben nämlich einem bettelnden Jungtier von ihrem Nahrungssaft ab, indem sie einen Teil hochwürgen. So erhalten sie erfolgreich ihre Art. Nur wenige Tierarten sind so selbstlos.
Das soziale Leben von Fledermäusen - eine Studie zum internationalen Tier des Jahres 2012
Wie kompliziert und vielfältig das Zusammenleben einer Fledermauskolonie ist, das hat sich eine Studie zur Aufgabe gemacht. Ein internationales Forscherteam der Universität Greifswald und der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich erforschte eine Kolonie von Bechstein-Fledermäusen nahe Würzburg.
Fünf Jahre lang wurden die einzelnen Tiere einer Bechstein-Fledermauskolonie beobachtet, um ihr Sozialverhalten genau zu erforschen. Dafür wurden einzelne Tiere gechippt. 20.500 individuelle Daten wurden ausgewertet. Man hielt die tägliche Gruppenzusammensetzung der einzelnen Tiere fest. Schaute, wie viele Kontakte sie zu verwandten Koloniemitgliedern, Mütter, Geschwister, Tanten hatten, wie viele im Gegensatz dazu zu anderen Mitgliedern der Fledermauskolonie stattgefunden haben. Daraus ergab sich ein vielfältiges Geflecht an sozialen Bindungen.
Fledermäuse pflegen soziale Langzeitbeziehungen mit Verwandten und Bekannten
Langzeitbeziehungen offenbarten eine sehr stabile Sozialstruktur innerhalb der Kolonien. Bei den Fledermäusen wird die Familie hochgehalten und die Freundschaften gepflegt, könnte man vermenschlichend sagen.
„Diese Ergebnisse werfen neues Licht auf den Zusammenhang zwischen komplexen Sozialstrukturen und kognitiven Fähigkeiten bei Tieren. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Entwicklung großer Gehirne bei einigen Säugetieren im Verlauf der Evolution nicht unbedingt mit hohen kognitiven Herausforderungen zur Aufrechterhaltung von sozialen Bindungen in komplexen Gesellschaften erklärt werden kann,“ so Prof. Dr. Gerald Kerth von der Universität Greifswald.
Die Untersuchungsergebnisse wurden in der Ausgabe vom 09.02.2011 der biologischen Fachzeitschrift "Proceedings of the Royal Society B" aus Großbritannien veröffentlicht. Foto: © Gerald Kerth
Interessante Fakten rund um Fledermaus und Year of the Bat
- Entstanden sind die ersten Fledermausarten im Eozän vor 55 Millionen Jahren (siehe Fossil aus der Grube Messel).
- Die Fledermaus (Microchiroptera) gehört als Unterordnung neben den Flughunden (Megachiroptera) zu den Fledertieren (Chiroptera).
- 18 Familien, 177 Gattungen und an die 993 Arten gehören dazu.
- Noch sind mehr als zwanzig Prozent aller Säugetierarten Fledermäuse.
- Die Fledertiere sind die einzigen flugfähigen Säugetiere.
- Bis auf die Polargebiete und wenigen isolierten Inseln gibt es weltweit Fledermäuse.
- Die Blumenfledermäuse können als einzige Säugetiere UV-Licht sehen, das von jenen Blüten reflektiert wird, welche sie bevorzugen.
- Die kleinste Fledermaus, die südostasiatische Hummelfledermaus, hat eine Flügelspannweite von 14 cm.
- Die größte Fledermaus hat eine Spannweite von 1,50 m.
- Die meisten Fledermäuse sind Insekten- oder Blütenfresser. Nur wenige zählen zu den Vampiren.
- Das große Hasenmaul (Noctilio leporinus) hingegen fängt mit seinen Krallen Fische.
- Es gibt Fledermäuse, die Winterschlaf halten (das große Mausohr).
- Einige Fledermäuse wechseln ihren Lebensraum wie Zugvögel (Bulldogfledermaus).
- Die Neuseeland-Fledermaus bewegt sich lieber am Boden, als in der Luft.
- Die Madagassische Haftscheiben-Fledermaus hat Saugnäpfe an Hand- und Fußknöcheln und hält sich damit an Blättern fest.
Der Fledermaus-Link schlechthin: www.yearofthebat.org
Wie geht es den Beutetieren der Fledermaus? Wie sind deren Strategien?
Quellen:
- Säugetiere, Arten, Lebensraum & Verhalten; contmedia Verlag 2008
- e.encyclopedia animal, Dorling Kindersley Ltd, 2005
- Unbekannte Tierwelt; Weltbild 1997
- Enzyklopädie der Säugetiere; National Geographic 2007
