Die Fledermaus - internationales Tier des Jahres 2012

Großes Mausohr - A. Vorauer
Großes Mausohr - A. Vorauer
Die Fledermaus (Microchiroptera) wurde zum internationalen Tier des Jahres 2011/2012 ausgerufen. Fakten und Wissenswertes zum fliegenden Säugetier.

Hat der Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher das Große Mausohr, eine der Fledermausarten, zum Höhlentier des Jahres 2011 gewählt, so wurde 2012 gar die ganze Unterordnung "Fledermaus" international zum Tier des Jahres 2012 erkoren.

Fledertiere sind die einzigen Säugetiere, die ihre Vordergliedmaßen zu richtigen Flügeln ausgebildet haben. Im Jahr 2011 wurde das Große Mausohr zum Höhlentier des Jahres gewählt.

Internationales Tier des Jahres 2012: Die Fledermaus (Microchiroptera)

Die Ordnung der Fledertiere (Chiroptera) mit den zwei Unterordnungen Flughunde und Fledermäuse, umfasst 18 Familien und 177 Gattungen. Von den 993 Fledertierarten stehen 52 Prozent auf der Liste der gefährdeten Arten. Grund genug sie einmal besonders ins Rampenlicht zu stellen.

  • Die winzige südostasiatische Hummelfledermaus ist nicht nur die kleinste Fledermaus, sondern auch das kleinste Säugertier der Erde.
  • Der seltene Goldkronen-Flughund hingegen mit einer Flügelspannweite von 1,5 Metern ist die größte lebende Fledermaus.
  • Das große Mausohr und die Spurensuche in Tirol.

Die Fledermäuse (Microchiroptera) allgemein

Der Körper einer Fledermaus ist gedrungen, der Hals kurz, der Kopf länglich. Bei den vorderen Gliedmaßen sind quasi die Hände vergrößert und die Finger extrem verlängert. Zwischen diesen breitet sich die Flughaut aus. Die Flughaut umspannt jedoch den ganzen Körper, auch den Schwanz, was auch zum Steuern dient. Der Daumen hat eine Kralle, mit der die Fledermaus klettern und sich fest hängen kann. Die Flughaut hat je nach Größe eine Spannweite zwischen 20 bis 60 cm. Fledermäuse sind Dämmerungs- und Nachtjäger. Zum Ruhen hängt sich die Fledermaus typischerweise kopfüber an Mauervorsprünge oder Balken. Fledermäuse /die weiblichen Tiere) sind sehr gesellig und leben in großen Verbänden zusammen. Kolonien können aus bis zu 2.000 Weibchen bestehen, die Männchen leben solitär. Sie leben aber meistens in der Nähe der Weibchen; so etwa haben die Weibchen gern ihre Wochenstuben auf geräumigen Dachböden, einzelne Männchen leben dann etwa im nahe gelegenen Turm oder einem Nebenraum. Wer also neben einer dicht gedrängten Fledermausschar ein einzeln hängendes Tier entdeckt, kann sicher sein, dass es sich um ein Männchen handelt.

Die Fledermaus und ihre Jungen

Fledermäuse sind Säugetiere und als solche tragen sie ihre Jungen im ersten Lebensmonat ständig bei sich. Vorwiegend ist es ein Junges, mit einem Geburtsgewicht von knapp 6 g ist das Mausohr das größte Jungtier. Die Paarungszeit ist im Herbst, dann wird das Sperma des Männchens im Fortpflanzungstrakt des Weibchens aufbewahrt und es kommt erst im Frühjahr zur Befruchtung und zum Beginn der Schwangerschaft. Die Geburt der Jungen erfolgt etwa Mitte Juni. Sie wird - wie übrigens bei allen Fledermausarten - zum Trapezakt. Kurz vor der Geburt sondert sich das Weibchen etwas von der Gruppe ab. Beginnen die Presswehen richtet sich das Weibchen mit dem Kopf nach oben, den Unterleib gegen den Boden gerichtet. Mehrfach dreht es sich wieder kopfunter, mal kopfüber, bis die Füßchen des Jungen endlich auftauchen. Ohne die Geborgenheit eines Nestes gleitet das neugeborene Mausohr sanft in die Schwanzflughaut der Mutter. Gesichert ist es nur durch die Nabelschnur. Das Neugeborene krabbelt sofort am Bauchfell der Mutter hoch in Richtung der Zitzen. Dabei wird es von der Mutter eifrig beleckt. Kurz darauf kehrt die Mutter in die Hanggemeinschaft (Wochenstube) zurück, um sich normal, nämlich mit dem Kopf nach unten, aufzuhängen. Gesäugt werden die Jungtiere bis Mitte August.

Sind die Jungen etwas größer, bleiben sie während des nächtlichen Jagdfluges im Quartier. Sie hängen unter Aufsicht einiger Weibchen eng beieinander, um sich gegenseitig zu wärmen. Zum Säugen kommen die jagenden Mütter regelmäßig wieder in das Quartier. Sie erkennen ihr Junges an individuellen Ruflauten und am Geruch eindeutig wieder.

Das typische Herumhängen der Fledermäuse, in die Flügel eingehüllt, den Kopf nach unten hängend, hat seinen Sinn. Die Sehnen der Füße besitzen einen Sperrmechanismus, sodass auch stundenlanges "Chillen" = Herumhängen keine Energie erfordert. Und da sie mit dem Kopf nach unten hängen, können sie blitzschnell in den Flug starten.

Die Fledermaus und die Echopeilung

Der Naturforscher und Bischof von Padua, Lazzaro Spallanzani, begann am Ende des 18. Jahrhunderts mit Fledermäusen zu experimentieren. Mit aus heutiger Sicht rüden Methoden – er stach den Versuchstieren die Augen aus – konnte er nachweisen, dass die blinden Fledermäuse ebenso geschickt Hindernisse umflogen und bei der Jagd erfolgreich waren, wie unversehrte Tiere.

Fledermäusen, denen er die Ohren verschloss, verloren allerdings ihre erstaunlichen Fähigkeiten. Kurz vor seinem Tode notierte er dann den Satz: „Kann man mit den Ohren sehen?“. Die endgültige Aufklärung des Phänomens brauchte allerdings noch fast 200 Jahre, bis der Harvard-Student Donald Griffin 1930 zusammen mit dem Physiker G. W. Priece die Ultraschallrufe der Fledermäuse entdeckte.

Fledermäuse stoßen während des Fluges in schneller Folge sehr hohe Schreie im Ultraschall-Bereich aus. Diese Schallwellen treffen auf Hindernisse genauso, wie auf Beutetiere – wie die Insekten ( Käfer, Nachtschmetterlinge). Das Echo, das zurück geworfen wird, empfangen sie mit den Ohren, die verbreiterte Nase dient zum Ausstoßen des Ultraschalls (Verstärkung wie bei einem Trichter). Je näher sie ihrer Beute gelangen, umso häufiger stoßen sie ihre Schreie aus um dann punktgenau zuzuschlagen. Mit den Flügeln wird die Beute Richtung Mund geschaufelt. Nur die Wasserfledermaus verwendet die scharf bekrallten Hinterfüße, packt so die Beute und hält sie fest.

Die Fledermaus und der Winterschlaf

Im Oktober beginnt für die Fledermaus in den kälteren Regionen die Vorbereitung auf den Winterschlaf. Dazu sucht sie frostfreie, aber kühle Hohlräume, Stollen, Türme, Keller auf. Zu großen Gruppen hängen sie dann zusammen und senken ihre eigene Körpertemperatur. Damit drosseln sie auch den Stoffwechsel und können so überwintern.

Der Zoo als Artenschutz-Arche

Aktionen, wie vom Zoo Zürich geschehen in vielen Zoos, nur wird es selten so gut der Öffentlichkeit vermittelt. Der Zoo als Hilfsstation - ein Bravo!

Wer bei der Spurensuche nach den Fledermäusen aktiv werden will, kann sich bei den Fledermausportalen kundig machen.

Bildnachweis. Fotos mit freundlicher Überlassung von A. Vorauer

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Quellen:

  • yearofthebat.org
  • NABU;
  • Säugetiere, Arten, Lebensraum & Verhalten; contmedia Verlag 2008
  • e.encyclopedia animal, Dorling Kindersley Ltd, 2005
Adele Sansone, Adele Sansone

Adele Sansone - Als Autorin für suite101.de interessieren mich vor allem die Bereiche Pflanzen und Tiere: Wie leben sie heute? Wie sind die einzelnen ...

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