
- Zukunftskompetenz bei Azubis - Stefan Dassler
Auszubildende sind in der Ausbildung motivierter, wenn sie die eigene Zukunft kompetent mitgestalten können. Das macht Spaß und vermittelt Sinn in der täglichen Arbeit.
Was versteht man unter Zukunftskompetenz?
Zukunftskompetenz ist die Fähigkeit, das eigene Selbst in Kenntnis der eigenen Vision sowie der herrschenden Trends beruflich und privat auszudrücken (vergleiche Institut für Zukunftskompetenzen, Wien). Eigene Visionen können bestimmte berufliche Positionen oder familiäre Planungen sein. Herrschende Trends sind beispielsweise die zunehmende Bedeutung von IT-Kompetenzen in der Wissensgesellschaft und die Notwendigkeit bestimmter Schlüsselqualifikationen im Beruf.
Auszubildende sollten sich bereits während der Ausbildung Gedanken über ihre berufliche und private Zukunft machen. Die berufliche Seite bezieht sich dabei auf zukünftige Fort- und Weiterbildungen nach der Ausbildung, angestrebte Karriereschritte und die Möglichkeiten der Entwicklung der Persönlichkeit und der persönlichen Stärken. Privat kann es beispielsweise um Überlegungen zu finanziellen und familiären Planungen gehen. Auszubildende mit Zukunftskompetenz sind motivierter, engagierter und zielstrebiger am Arbeitsplatz.
Einige Aspekte der Zukunftskompetenz
Um als Azubi sich kompetent Gedanken über seine Zukunft zu machen, sind etwa folgende Schlüsselqualifikationen hilfreich: Informationsbeschaffungsfähigkeit, Orientierungsfähigkeit, Planungsfähigkeit, Kreativität, Denken in Zusammenhängen, abstraktes und vernetztes Denken, Flexibilität, Selbstorganisation, Kommunikationsfähigkeit, Selbstvermarktungsfähigkeit und Visionsfähigkeit.
Für viele Zukunftsüberlegungen nach der Ausbildung müssen Informationen beschafft werden. Gefragt ist gekonntes Recherchieren – beispielsweise durch Gespräche mit hilfsbereiten Kollegen oder Spezialisten, durch Nachdenken oder durch Lesen von Fachzeitschriften und Büchern. Auch das Internet kann ein wertvolles Hilfsmittel sein.
Orientierungsfähigkeit ist eine Voraussetzung für Handeln in der Berufsausbildung. Auszubildende sollten sich an der Ausbildungssituation (routinemäßigen und neuen Aufgaben sowie der Gesamtsituation des Unternehmens) und an zukunftsorientierten Werten (Gerechtigkeit/Fairness, Umweltschutz) orientieren.
Die Schlüsselqualifikation Planungsfähigkeit beinhaltet, einzelne Schritte und Ziele für die Zukunft zu planen. Dazu können auch Zeit- und Terminpläne angefertigt werden. Diese Planungen können vom Auszubildenden selbst immer wieder überprüft werden.
Kreativ sein heißt Neues schaffen. Kreativ in der Ausbildung ist, wer eigenständig neue Lösungen für Zukunftsprobleme findet und neue Ideen in den Raum stellt. Allgemein ist Kreativität die Fähigkeit zu schöpferischem Denken und Handeln.
Unter dem Denken in Zusammenhängen versteht man, dass Auszubildende unter Anleitung ihres Ausbilders sich Mind Maps (Gedankenlandkarten) von wichtigen betrieblichen Sachverhalten und beruflichen Zielen erstellen. Dazu gehört auch die deduktive Logik, das heißt vom Allgemeinen zum Besonderen, vom Vielen auf das Eine zu folgern.
Abstraktes Denken heißt für Auszubildende berufliche Sachverhalte verallgemeinern zu können. Es wird auf individuelle Einzelheiten zugunsten des Allgemeinen und Wesentlichen verzichtet. Beispielsweise kann ein Karriereschema allgemein in einem Schaubild dargestellt werden.
Geistige Flexibilität wird heute fast überall eingefordert. Auszubildende und Mitarbeiter müssen bereit sein, ständig Neues zukunftsorientiert kennen zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Es geht um die Fähigkeit, sich auf geänderte Anforderungen in der beruflichen Umwelt einstellen zu können.
Die Schlüsselqualifikation Selbstorganisation meint vor allem die eigene Zeit- und Zielplanung. Wie teile ich mir meine Arbeit zeitlich genau ein? Wie strukturiere und organisiere ich meinen beruflichen Alltag und meine berufliche Zukunft? Welche Prioritäten setze ich, bevor ich die Dinge angehe? Habe ich einen guten Überblick über meine Planungen?
Auszubildende, die kommunikationsfähig sind, können eigene Botschaften klar und deutlich formulieren und Botschaften von Kollegen richtig interpretieren. Sie können über ihre Zukunftsvorstellungen kommunizieren. Außer zuhören zu können und sich verbal ausdrücken zu können, gehört auch dazu, alle anderen Signale (Mimik, Gestik, Körperhaltung) zu entschlüsseln und entsprechend darauf zu reagieren.
Das Selbstmarketing eines Auszubildenden besteht aus allen Handlungen, um sich systematisch und bewusst selbst zu vermarkten. Der Azubi überträgt die Erkenntnisse des Marketings für Produkte und Dienstleistungen auf die eigene Person. Anliegen der Selbstvermarktung ist nicht ein künstliches Verstellen, sondern ein Herausarbeiten/Betonen der eigenen Stärken und ein bewusstes Unterstreichen dieser Stärken.
Hat ein Auszubildender Visionsfähigkeit, so kann er ein inneres Bild einer Vorstellung entwickeln, die auf die Zukunft bezogen ist. Er kann sich in einigen Jahren in einer bestimmten beruflichen Position sehen oder sich in diesem Zeitraum bestimmte Veränderungen im Unternehmen visionär vorstellen.
Literaturhinweis:
Stefan Dassler: Schlüsselqualifikationen für Auszubildende. Übungen und Trainingsbeispiele. Igel Verlag 2009. 196 Seiten. Euro 19,90.
