Die Folgen der Französischen Revolution für Europa

Der Freiheitsbaum war Symbol für die Revolution - Heinrich August Ottokar Reichardt
Der Freiheitsbaum war Symbol für die Revolution - Heinrich August Ottokar Reichardt
Die Französische Revolution schuf die Grundlage für große politische und ideelle Umwälzungen.

Die Französische Revolution begann 1789 und läutete den Wandel der gesellschaftlichen Verhältnisse ein. Sie war die Konsequenz feudaler Probleme, die nicht mehr bewältigt werden konnten. Durch die Aufklärung wurden Tradition und Ständewesen kritisiert, wirtschaftliche Veränderungen waren die Folge von freiheitlichen Philosophien und die immer größer werdende Spaltung zwischen den ersten beiden Ständen (Klerus und Adel) und dem dritten Stand sorgte für Spannungen, die sich in der Revolution entladen konnten. Der Adel wollte auf seine Privilegien, insbesondere auf die Steuerfreiheit, nicht verzichten und der dritte Stand musste für die hohen Kosten des Staates aufkommen.

Die Französische Revolution erhob einen universellen Geltungsanspruch und blieb nicht auf Frankreich begrenzt. Die Ideen der Revolution wurden in den Nachbarländern aufgenommen und teilweise umgesetzt. 1792 begann der Koalitionskrieg zwischen Frankreich und den europäischen Großmächten, der die Revolution exportieren sollte. Unter Napoleon folgten dann ab 1799 weitreichende politische Veränderungen in ganz Europa.

Die Revolution brachte Restauration und Reform mit sich

Die Leitideen der Französischen Revolution wurden in anderen Ländern aufgenommen und von einigen Bevölkerungsteilen (z.B. deutsche Jakobiner) befürwortet. Es gab aber auch Kräfte, die die Ideen der Revolution vehement ablehnten und am alten Feudalsystem festhielten. Immer wieder war die Revolution der Ausgangspunkt für die Argumentation der Befürworter und der Gegner. Der radikale Gegenentwurf der Franzosen zum bestehenden System sorgte schließlich für einen fundamentalen Wandel innerhalb der europäischen Gesellschaft. Der monarchische Staat und die christliche Religion wurden aus einer neuen Sicht bewertet und kritisiert.

Die Revolution war in gewisser Weise ein Vorbild für ähnlich denkende Menschen. In Deutschland kam es zu lokal begrenzten und spontan auftretenden Unruhen, deren Anlass zwar regionale Anliegen waren, in denen aber die Ideen der Revolution aufgenommen wurden. In Preußen kam es zu umfassenden Reformmaßnahmen. Man wollte eine „Revolution von oben“ einleiten, um so einer Revolution des Volkes zuvor kommen zu können. Deutschland stand unter einem erheblichen Modernisierungsdruck: das eigene Volk drängte und die Franzosen, vor allem unter Napoleon, drängten ebenfalls den veralteten Staat zu großen Reformmaßnahmen.

Eine der weitreichendsten Folgen der Französischen Revolution war die Politisierung der Bevölkerung. Es entstand ein politisches Bewusstsein. Radikale Publizistik trug zu einer intensiven Meinungsbildung und Meinungslenkung bei. Die Konsequenz dieser Entwicklung war bei den Monarchen ein ungeheurer Restaurationsversuch für die alte Ordnung. Man wollte unbedingt den monarchischen Anspruch legitimieren.

Die Revolution brachte Krieg und territoriale Neuordnungen mit sich

Die Französische Revolution brachte mehrere Kriege hervor. Der erste Krieg begann 1792 mit der Kriegserklärung an Österreich. Der Krieg dauerte bis 1797. 1799 begann der zweite Koalitionskrieg (= erster Napoleonkrieg). Diesem Krieg folgten weitere Auseinandersetzungen, die bis zu den Befreiungskriegen und dem Wiener Kongress führen sollten.

Zunächst begann Frankreich den Krieg als Befreiungs- und Defensivkrieg. Man wollte das Erreichte der Revolution sichern und den Völkern anderer Staaten helfen, sich vom Joch der Feudalherren zu befreien. Ab dem Winter 1792/1793 änderte sich jedoch der Charakter des Krieges. Er nahm immer stärkere Züge eines Expansionskrieges an. Unterdrückung und Ausbeutung wurden in den besetzten Gebieten immer stärker.

Territoriale Neuordnungen ergaben sich vor allem für Deutschland. Das bis dahin existierende Heilige Römische Reich Deutscher Nation wurde durch Napoleon aufgelöst. Die fast 2000 selbstständigen Herrschaften wurden im Zuge der Säkularisierung und „Flurbereinigung“ zu 35 Bundesstaaten reduziert. Die politische Landkarte wurde in Deutschland völlig neu geordnet.

Die Revolution brachte die Nation mit sich

In Frankreich verstand sich der dritte Stand als der alleinige Vertreter der Nation. Das Prinzip der Gleichheit schuf den nationalen Geist, der immer festere Konturen annehmen sollte. Durch die Forderung der politischen Gleichheit und der Partizipation aller Bürger am Staat entwickelte sich auch der Nationsbegriff immer mehr von der privilegierten Elite weg, hin zum ganzen Volk. Die nationale Einheit wurde durch die Revolutionskriege innerhalb Frankreichs und außerhalb gefestigt. Die Nation wurde zum Prinzip erhoben. Man nutzte sie, um politische Entscheidungen zu rechtfertigen. So zum Beispiel der ersten Revolutionskrieg, der unter der Parole stand: „Das Vaterland in Gefahr“. Die Nation wurde zum neuen Lebensinhalt der Bevölkerung, nachdem die Feudalherren und das Christentum ihre Rolle als Sinnstifter verloren hatten. Im Zuge der Nationalentwicklung verbreitete sich auch die Idee des Selbstbestimmungsrechts der Völker. Die Forderung nach nationaler Unabhängigkeit und nach Nationalstaatsbildungen wurde im 19. Jahrhundert immer stärker und zu großen Teilen blutig durchgesetzt. Der Nationalismus schuf einen völlig neuen Geist, der zu einem Nationalbewusstsein und zu neuen Feindbildern führen sollte.

Quellen und Literatur

  • Berding, Helmut u.a. (Hrsg.): Deutschland und Frankreich im Zeitalter der Französischen Revolution. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 1989.
  • Botzenhart, Manfred: Reform, Restauration, Krise. Deutschland 1789-1847. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 1985.
  • Kinder, Hermann; Hilgemann, Werner; Hergt, Manfred: dtv-Atlas Weltgeschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 2000.
  • Rürup, Reinhard: Deutschland im 19. Jahrhundert. 1815-1871. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1992.
  • Völker-Rasor, Anette (Hrsg.): Frühe Neuzeit. München: Oldenbourg Verlag, 2006.
Christoph Eydt, Christoph Eydt

Christoph Eydt - Christoph Eydt ist als freier Texter und Ghostwriter tätig.Auf Suite101 veröffentlicht er Fachartikel zu verschiedenen Themen. ...

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