
- Folgen von Arbeitslosigkeit - Stefan Dassler
Im Fall eines Ausbildungsabbruchs ist es möglich, dass man nicht gleich eine neue Ausbildungsstelle findet. Gründe für einen Ausbildungsabbruch sind beispielsweise Meinungsverschiedeneheiten mit dem Ausbilder oder Chef, fehlende Motivation oder falsche Vorstellungen vom Beruf.
Überblick zu materiellen-finanziellen und psycho-sozialen Folgen
Arbeitslosigkeit bei Abbruch der Ausbildung hat zum einen materiell-finanzielle Folgen und zum anderen psycho-soziale (seelische) Auswirkungen. Materiell-finanzielle Folgen zeigen sich darin, dass man weniger verfügbares Geld hat. Man muss eventuell alltägliche Wünsche zurückstellen und sich einschränken muss.
Psycho-soziale (seelische) Folgen von Arbeitslosigkeit bei Abbruch der Ausbildung zeigen sich beispielsweise in einem Absinken des Selbstwertgefühls. Man fühlt sich wertlos, erfolglos und nicht gebraucht. Dabei kann es zu Resignation (Aufgeben) kommen. Auch hat man mit Vorurteilen in seiner Umgebung zu kämpfen. Beispielsweise: „Arbeitslose sind faul.“ Manche arbeitslose Menschen ziehen sich dann in sich zurück und brechen viele Kontakte mit Freunden und Bekannten ab.
Kann man etwas gegen die Folgen von Arbeitslosigkeit tun? – Eindeutig, ja. Das Wichtigste ist, aktiv bleiben. Schauen Sie jeden Tag intensiv nach neuen Ausbildungsangeboten und Stellenanzeigen, engagieren Sie sich ehrenamtlich in einem Verein oder einer Jugendorganisation, nehmen Sie übergangsweise Aushilfstätigkeiten an und sprechen Sie mit Freunden/Bekannten über die Arbeitslosigkeit.
Materiell-finanzielle Folgen bei arbeitslosen Jugendlichen
Um ALG I beziehen zu können, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:
1. Man muss arbeitslos sein.
2. Man muss sich persönlich bei der A gentur für Arbeit arbeitslos melden
3. Man muss in den letzten zwei Jahren vor der Arbeitslosmeldung mindestens zwölf Monate sozialversicherungspflichtig gearbeitet haben.
Tipps zu den materiell-finanziellen Folgen
Sollten Sie oder Ihre Eltern arbeitslos geworden sein und ALG I oder ALG II beziehen, dann kann man versuchen über Aushilfstätigkeiten, Heimarbeit oder auch Ein-Euro-Jobs etwas dazu zu verdienen. Bemühen Sie sich als Jugendlicher in der Schule um möglichst gute Noten in Mathematik und Deutsch. Darauf legen Ausbildungsbetriebe besonderen Wert. So steigen Ihre Chancen, eine Ausbildungsstelle zu finden. Überlegen Sie, ob Sie eventuell preisgünstige Nachhilfe bei einer Studentin oder einem Studenten in diesen Fächern nehmen.
Psycho-soziale Folgen bei arbeitslosen Jugendlichen
Eine psycho-soziale Folge von Arbeitslosigkeit ist die Beeinträchtigung des Selbstwertgefühls – die berufliche Bestätigung fehlt, man fühlt sich wertlos, und man hält sich für weniger leistungsfähig.
Insbesondere jugendlichen Arbeitslosen fällt es oft schwer die „unfreiwillige Freizeit“ sinnvoll und planvoll zu nutzen. Sie verlieren einen „festen Rahmen“ im Tagesablauf. Manche jugendliche Arbeitslose neigen dazu, sich von der Umwelt (Freunden, Bekannten) zu isolieren und zu Einzelgängertum, weil sie sich minderwertig fühlen oder nicht so viel leisten können wie andere. Andererseits verfestigen sich oft die Beziehungen zwischen Jugendlichen und ihrer Familie in der Situation der Arbeitslosigkeit. So dass die Familie zu einer Art „Schutzwall“ gegen Nachbarn und die Umwelt wird. Auch besteht die Gefahr, kriminell zu werden. Dies kann durch Verwahrlosung, Flucht in Alkohol und Drogen, Gewalttätigkeit und Diebstahl zum Ausdruck kommen.
Kurzgeschichte: Natalie Z., arbeitslos
Hallo,
wahrscheinlich werden viele in meiner Situation sein und wissen wovon ich spreche. Leider bin ich eine der vielen Hartz IV-Empfänger und allein erziehend. Meine Tochter (14) geht auf eine Privatschule, für deren Kosten ich so ziemlich alles in den Hintergrund stelle. Zu dem Zeitpunkt, als sie in diese Schule gehen wollte, war bei mir auch alles in Ordnung und wir konnten uns die Schule leisten. Und jetzt, wo sich meine Situation veränderte, wollte ich sie von da nicht wegnehmen.
Nun, „schämt“ sie sich, weil wir so „arm“ sind. Wobei es uns, im Gegensatz zu vielen anderen, noch relativ gut geht und ich versuche alles für sie zu tun, damit sie nichts entbehren muss. Ich sage ihr aber auch, wie unsere Situation ist und logischer Weise bleiben nun viele Wünsche unerfüllt. Es tut mir so weh, zu hören, dass sich meine Tochter schämt, wobei sie genau weiß, dass ich nicht Schuld an meiner Arbeitslosigkeit bin. Ich tue alles, um einen Job zu finden.
Weiß jemand, wie ich damit umgehen soll? Ich habe Angst, dass sie auf die schiefe Bahn gelangen könnte…weil sie „arm“ ist…und nicht in einem Haus wohnt wie die anderen Mädchen, sondern in einer Sozialwohnung…Bin ich eine schlechte Mutter?
(Quelle: http://forum.gofeminin.de/forum/matern2/_f1859_matern2-Bin_arbeitslos_Tochter_schamt_sich.html vom 28.10.2005)
Kurgeschichte: Julia A., 22 Jahre, arbeitslos
Als Julia A. die Hauptschule mit durchschnittlichen Leistungen abgeschlossen hatte, wollte sie einen Beruf im sozialen Bereich erlernen. Dieses Interesse war in den Jahren gewachsen, als sie, die bei den Großeltern lebte, bei der Pflege des kranken Großvaters mithalf. (…)
In einem Altenheim absolvierte sie ein einjähriges Praktikum und hatte die Absicht, danach die Schule für Altenpflege zu besuchen. Die von einem privaten Träger geführte Schule ist kostenpflichtig, und die Kosten (…) konnten von dem völlig mittellosen Mädchen nicht aufgebracht werden.
Julia A. war der Meinung, dass die Agentur für Arbeit die Kosten übernehmen würde. Da sie aber noch nicht gearbeitet hatte, besaß sie auch keinen Anspruch auf Förderung. Interesse an einer anderen Ausbildung, Verkäuferin etc. zeigte sie nicht, und so bestritt sie drei Jahre lang ihren Lebensunterhalt durch Putzen (…)
In diesen Jahren nahm eine gewisse Desorganisation von ihr Besitz. Da jegliche Zukunftsperspektive fehlte, keinerlei familiäre Bindungen bestanden, die privaten Beziehungen sich unbeständig und schwierig gestalteten, ist dies auch nicht verwunderlich. Es gab ja nichts, an das sie sich halten konnte, und so lebte sie viel in den Tag hinein. Trotzdem hatte Julia A. ihren ursprünglichen Plan, Altenpflegerin zu werden, nicht aufgegeben.
(Quelle: Werkkreis Literatur der Arbeitswelt: A – wie arbeitslos. Geschichten, Erzählungen, Informationen. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1984. Seite 77-78)
Tipps zu psycho-sozialen Folgen
Wenn Sie selbst das Gefühl haben, dass Sie mit Ihrer Lebenssituation in der Arbeitslosigkeit nicht mehr zu Recht kommen, dann zögern Sie nicht, sich über professionelle Hilfe zu informieren. Die unterschiedlichsten Rat- und Hilfsangebote bietet der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen unter http://bdp-verband.org/service/anbieter.shtml . Auch wenn sich Freunde oder Ihre Eltern in einer solchen Situation befinden, geben Sie ihnen diese Informationsadresse weiter.
