Forschungsstation Neumeyer III

Bessere Bedingungen für die Forschung in der Antarktis

Fassadenarbeiten an Neumayer-Station III - Michael Trapp, realnature.tv
Fassadenarbeiten an Neumayer-Station III - Michael Trapp, realnature.tv
Seit 1981 unterhält das Alfred-Wegener-Institut eine Forschungsstation in der Antarktis. 2009 geht die neue Station Neumeyer III auf dem Ekström-Schelfeis in Betrieb.

Der wichtigste Stützpunkt für die deutsche Forschung in der Antarktis ist die Station Neumeyer. Derzeit wird dort die Station Neumeyer III eingerichtet, die nach einem neuen Konzept gebaut wurde.

Der Bau von Forschungsstationen in der Antarktis

Die meisten bemannten Forschungsstationen in der Antarktis machten die dort wirkenden Menschen zu Maulwürfen. Denn die Stationen waren fast sämtlich aus Röhren aufgebaut, die in das Eis eingelassen wurden.

Diese Bauweise hat den Nachteil, dass es in den Räumen kein Tageslicht gibt. Was den Überwinterern in der Antarktis wenig ausmachte. Denn im Winter geht dort die Sonne nie auf. Aber es gibt einen ganz gravierenden Nachteil. Der jährlich als Schnee fallende Niederschlag bleibt unter den antarktischen Bedingungen über der Station liegen. Das hat zwei unangenehme Folgen. Denn die Station versinkt jedes Jahr tiefer im Eis, die Wege an die Oberfläche werden länger. Das wäre ein lösbares Problem. Gravierend aber ist der zunehmende Druck des Eises auf die Röhren und die Bewegung des Eises. Irgendwann kommt der Tag, an dem die Röhren dem Eis nicht mehr standhalten können. Die Station muss dann aufgegeben werden.

Die Station Neumeyer II

1992 wurde die Station Neumeyer II auf dem Ekström-Schelfeis eingeweiht. Sie ist nach dem Röhrenkonzept gebaut worden. Die Bewegungen des Eises und der ständig wachsende Schneelast haben dazu geführt, dass diese Station nach 15 Jahren bereits zwölf Meter tief im Eis versunken ist. Sie muss in wenigen Jahren endgültig aufgegeben werden.

Planung und Bau der Station Neumeyer III

Schon 1999 begannen die Planungen für die Forschungsstation Neumeyer III des Alfred-Wegener-Instituts (AWI). Die Probleme konventioneller Stationen mit dem zunehmenden Eisdruck führten zu dem Entschluss, nun ein neues Konzept für eine dauerhaft besetzte Station in der Antarktis zu entwickeln.

Die Idee: ein geschlossenes Gehäuse mit sehr guter Isolation gegen die Umgebung wird auf Stelzen, die sich verlängern lassen, auf dem Eis erbaut. Die Verlängerung deshalb, weil ja das Eis von unten auf die Station zuwachsen wird. Diesen Zuwachs um einen Meter pro Jahr kann die Stelzentechnik kompensieren. Von dieser Technik wird erwartet, dass die Station bis zu 30 Jahre betrieben werden kann.

Zur Jahreswende 2007/08 wurden die Bauteile der neuen Station von dem dänischen Frachtschiff Naja Arctica auf dem Eis angelandet. Allerdings mit einigen Wochen Verzögerung, da eine ungewöhnliche mächtige Packeisbarriere vor dem Ekström-Schelfeis die Fahrt des Schiffes blockierte. Der Forschungseisbrecher Polarstern war in der Nähe im Einsatz. Er kam der Naja Arctica zur Hilfe und bahnte den Weg an die Eiskante. Bis zum 10. März 2008 wurde der Graben mit den 16 hydraulischen Hebevorrichtungen, dem Untergeschoss der Station und der Garagenzufahrt gebaut. Dort konnten die Baufahrzeuge und Baumaschinen dann überwintern.

Ab Dezember 2008 machten sich rund 50 Bauarbeiter an die Fertigstellung der Station. Die Einweihung und Inbetriebnahme von Neumayer III erfolgt am 20. Februar 2009.

Die Station Neumeyer III

Eine Plattform ist die Basis der Station. Sie steht auf den 16 hydraulischen Hebevorrichtungen. Auf der Plattform wurden Container platziert, die die Arbeits- und Wohnräume aufnehmen.

Die gesamte Raumkonstruktion wird von einer Hülle umschlossen, die mit einer Dämmung aus Polyurethanhartschaum vor den Unbilden der antarktischen Witterung schützt.

Die Station ist für den ganzjährigen Betrieb ausgelegt. 12 Räume mit insgesamt 210 Quadratmetern stehen für die wissenschaftlichen Arbeiten bereit. Das ist im Vergleich zu Neumeyer II eine Verdopplung. In den Wohnräumen können sich bis zu 40 Menschen einquartieren.

Neben den Arbeits- und Wohnräumen gibt es eine nach Süden ausgerichtete Lounge. Waschküche, Sauna, Dusch- und Waschräume sowie Speiseraum und Küche dienen den Bewohnern. Für den Notfall sind Räume für den Arzt vorhanden. Und dann gibt es noch jede Menge Lager- und Technikräume.