
- Panzerreiter des 9. Jh. nach d. St. Gallen Psalter - Sabine & Christian Peitz
Männer hoch zu Ross, in glänzenden Rüstungen, die versuchen, sich gegenseitig mit der Lanze aus dem Sattel zu stoßen: Die meisten Menschen haben ein ziemlich klares Bild davon, was ein Ritter ist. Die Geschichte der Ritter beginnt jedoch schon bei den germanischen Völkern, allen voran den Franken.
Die fränkischen Panzerreiter
In de Spätantike und noch bis in das frühe Mittelalter hinein war das Heer der Franken ein Volksheer, in welchem jeder freie und somit auch wehrfähige Mann, egal ob Adeliger oder Bauer, dem Heerbann des Königs folgen musste. Adel und reiche Großbauern zogen zu Pferd in den Kampf. Der größte Teil der fränkischen Krieger jedoch kämpfte zu Fuß.
Spätestens aber seit dem 8. Jahrhundert spielte die Reiterei eine immer wichtigere Rolle. Ausschlaggebend für diese Entwicklung waren vor allem die Einfälle der Araber und der Wikinger tief in das Reich der Franken hinein. Um auf deren schnelle Vorstöße mit ebenso schnellen Rückzügen, die der einen zu Pferde, die der anderen mit schnellen Schiffen, reagieren zu können, war Fußvolk einfach nicht flexibel genug. Nur berittene und gepanzerte Krieger waren schnell und schlagkräftig genug, um dort, wo sie gebraucht wurden, wirkungsvoll zu intervenieren, und konnten gegebenenfalls auch die Verfolgung des Gegners aufnehmen. Diese fränkischen Panzerreiter waren der Ursprung der Ritter des Hoch- und Spätmittelalters.
Teure Ausrüstung der Panzerreiter
Es war Karl der Große, der erkannte, dass die von ihm so dringend benötigten Panzerreiter einer wirtschaftlichen Basis bedurften. Denn Bewaffnung und Rüstung eines solchen Kriegers waren teuer. Neben Lanze und Rundschild, mit denen der größte Teil der Männer in den Krieg zog, gehörten dazu auch noch Schwert, Helm und die einfach ungeheuerlich teure Brünne – oft ein ledernes Wams, auf das eiserne Schuppen überlappend aufgenäht waren. Daneben wurden jedoch auch die von den Römern übernommenen Kettenhemden sowie Lamellenpanzer getragen, bei denen die einzelnen Plättchen ohne Trägermaterial untereinander verbunden waren. Auch die Anschaffung, das Training und der Unterhalt eines Streitrosses waren nicht so ohne weiteres bezahlbar – immerhin konnte man ein solches Pferd nicht einfach als Zugtier einsetzen. Alles zusammen wog durchaus den Viehbestand eines ganzen Dorfes auf. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sich viele Männer mit nicht ganz so großem Landbesitz zwar ein Pferd leisteten, aber auf die Brünne verzichteten und als leichte Reiter dienten.
Die Heeresreform Karls des Großen
Karls des Großen Konsequenz aus seiner Erkenntnis war einerseits die Einführung so genannter Gestellungsverbände. Dies waren Gemeinschaften von in der Regel drei wehrfähigen Männern, die gemeinsam sowohl die militärische Ausrüstung als auch den Lebensunterhalt für einen aus ihrer Mitte aufbringen mussten, der so als Panzerreiter im Heer dienen konnte. Dieser Weg jedoch erwies sich langfristig als Sackgasse.
Daneben besann er sich auf eine urgermanische Einrichtung: das Gefolgschaftswesen. In dieser Tradition war es üblich, als Krieger in das Gefolge eines Herrn einzutreten, wofür der Gefolgsmann, der Vasall, mit einem Einkommen in Form von Beute oder besser, weil regelmäßiger, mit Land versorgt wurde.
Im Jahr 807/808 legte Karl nun den Grundstein für das spätere Rittertum, denn zu dieser Zeit begann er, Krieger mit Lehen, also mit Land und den dazu gehörenden grundherrschaftlichen Rechten auszustatten. Der mittelalterliche Begriff hierfür lautet „feudum“, woraus sich der Begriff der Feudalgesellschaft ableitet.
Durch ihren Landbesitz, die Herrschaft über die darauf lebenden Bauern und die Abgaben, die die Bauern an ihren Herrn zu leisten hatten, waren diese Krieger nun ebenso wie der Adel in der Lage, die teuere Ausrüstung zu bezahlen. Die Tatsache, dass diese Männer nun auch nicht mehr selber auf den Acker mussten und somit Zeit für das Waffentraining hatten, war die Grundlage für die Professionalisierung der mittelalterlichen Krieger.
Obwohl Karls des Großen Heer immer noch zum größten aus Fußvolk und leichter Reiterei bestand, begann unter seiner Herrschaft die Entwicklung zur Kriegsführung mit schwer gepanzerten Reitertruppen. Die Basis dafür waren sowohl seine eigenen Vasallen als auch die Vasallen des Adels.
Literatur
Josef Fleckenstein: Rittertum und ritterliche Welt. Berlin 2002.
