Die Frau, die im Mondlicht aß

Ess-Störungen überwinden mit Anita Johnston

Anita Johnston, Psychologin und Autorin, hilft Frauen mit den Weisheiten von Märchen und Mythen den Weg aus ihrer Essstörung zu finden.

Für viele der heutigen Krankheiten gibt es einen Ratgeber. Oftmals stoßen Betroffene jedoch auf allgemein gehaltene Sachbücher, wenn sie versuchen, ihre seelischen Leiden zu verstehen. Anders ist dies bei „Die Frau, die im Mondlicht aß“ von Anita Johnston.

Anita Johnson und die Weiblichkeit

Im Vorwort des Buches schildert die Autorin Anita Johnston, was sie veranlasste, dieses Buch zu schreiben. Sie erläutert, wie die starke Diskrepanz zwischen innerer und äußerer Wahrnehmung essgestörter Frauen sie interessierte und begann, sich die Leidensgeschichten der einzelnen Frauen anzuhören. Schon hier zeigt sie großes Feingefühl für die komplizierte Krankheit, ihre Ursachen und ihren Verlauf. Denn die Psychologin, die sich auf Essstörungen bei Frauen spezialisiert hat, wirft nicht mit Fakten und Fachchinesisch um sich, sondern beginnt bei der Rolle der Frau in der Gesellschaft ihre Analyse und formuliert sie wie eine gute Freundin es tun würde. Sie erklärt, dass die Frau und ihre weiblichen Fähigkeiten, wie Intuition und Feingefühl, immer weiter unterdrückt werden und dem Leistungsdruck Platz machen müssen. Die Unterdrückung des eigenen weiblichen Wesens führe somit zu einer inneren Spannung, einem seelischen Konflikt, den die Frauen durch eine Essstörung zu lösen versuchen.

Das Essen ist nicht das Problem

Das Besondere an diesem Buch ist, dass Anita Johnston zu Anfang der Kapitel ein Märchen anführt. Unter anderem deutsche, chinesische und afrikanische Geschichten zeigen eine Protagonistin, die auf den ersten Blick keine Verbindung mit einer Essstörung hat. Doch Johnston erläutert hinterher ebenso sensibel wie auch konsequent, welche Parallelen die Märchen mit der Krankheit haben und wie die Figuren aus den jeweiligen Problemen herausfinden. Johnson zeigt an der Symbolik von Märchen, dass nicht das Essen selbst das Problem der Frauen ist, sondern bloß ein Lösungsversuch und dass die Frau somit tiefer in sich schauen muss, um dem Strudel zu entkommen.

Verständnis und Motivation

Anita Johnston, die Mitbegründerin eines Zentrums für Bulimie und Anorexie auf Hawaii ist, zeigt viel Verständnis für ihre Patientinnen und Leserinnen. So deutet sie die Krankheiten als eine Stütze, die die Frau einst gebraucht hat, um mit einer schweren Situation zurecht zu kommen. Was sie nun lernen müsse, sei, diese Stütze, die sie nun an einem glücklichen Leben hindert, loszulassen. Wie aus einem Labyrinth muss die Frau aus der Essstörung heraus finden, durch Selbstwahrnehmung, Selbstliebe und Verständnis für die eigenen Gefühle. Dass das nicht an einem Tag geschehe, sondern ein fortlaufender Prozess ist, gibt die Autorin und Psychologin ebenso zu verstehen, wie auch die Tatsache, dass die Frau sich diese Zeit nehmen darf, um endgültig geheilt zu werden.

Anita Johnston: Die Frau, die im Mondlicht aß- Ess-Störungen überwinden durch die Weisheit uralter Märchen und Mythen. Droemer/Knaur Verlag 2007. Broschiert, 240 Seiten. Euro 8,95

Judith Binias, Judith Binias

Judith Binias - Judith Binias, Jahrgang 1985 freiberufl. Autorin/Regisseurin Kurzvita Abitur: 2005 Regiearbeiten: 2009: J. Binias: "Das ...

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