Die Frau im Spiegel – der neue Roman von Eric-Emmanuel Schmitt

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Eric-Emmanuel Schmitt erzählt in dem Roman "Die Frau im Spiegel" von drei Frauen in drei Epochen. ...als wenn es eine wäre.

50 Jahre nach der Erfindung der Pille ist die weibliche Emanzipation immer noch ein Thema. Doch man braucht sie nicht anzugehen wie die Ministerinnen von der Leyen und Schröder! In seinem neuen Roman „Die Frau im Spiegel“ schildert der französische Autor Eric-Emmanuel Schmitt, bekannt geworden mit „Oskar und die Dame in Rosa“ oder „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“, Umwälzungen im Leben dreier Frauen.

Emanzipation ganz ohne Getöse

Anne, eine Nonne im Bruges der Renaissance, Hanna von Waldberg im Wien zu Beginn des 20. Jahrhunderts, Anny im gegenwärtigen Hollywood, das sind die drei Charaktere, deren Lebenswege durch Geburt und Kultur festgelegt zu sein scheinen. Alle drei erkennen, dass das ihnen zugewiesene Glück, sei es als reiche Gattin und Mutter, sei es als umjubelter Filmstar, so einfach sein könnte, dass es jedoch nicht ihrem Wesen entspricht. Simone de Beauvoirs Ausspruch „Man wird nicht als Frau geboren, man wird es.“ beschreibt eine Situation, in der sich die Heldinnen von Schmitts Roman wieder finden. Allen drei gemein ist ein starker Wunsch nach Harmonie mit ihrer Familie, der Gesellschaft, der Welt, doch eben auch mit sich selbst. Alle drei wollen gefallen und gleichzeitig ihr eigenes Leben leben, nicht das der anderen. Bei Weitem keine von ihnen ist eine Revoluzzerin, keine kreischende Pseudo-Provokateurin wie die dereinstige Alice Schwarzer oder die heutigen Ladys von Gaga bis Bitch Ray. Sie brechen vielmehr für sich persönlich und damit glaubhaft auf, um sich selbst zu verwirklichen.

Der Autor selbst hat sich voll auf die drei Charaktere eingelassen, in einem Interview für das französische Webzine toutelaculture äußert er: „Während des Schreibens hatte ich kein Leben mehr, vielmehr hatte ich drei Leben, das Leben meiner Heldinnen.“ Drei Epochen, drei Frauen, das bedeutet auch drei Sprachen. Mit unverstellter Klarheit werden die Geschehnisse von Anne in Bruges geschildert, aufgelockert von der einfachen Poetik, die sie verfasst. Hanna in Wien schreibt Briefe an ihre Kindheitsfreundin, voll Überschwang, voll persönlicher Details. Und wenn von Anny gesprochen wird, überschlagen sich jedesmal die Ereignisse, das Erzählen beschleunigt sich zum Boulevardblatttempo. Der Star sieht und beschreibt die Welt mal mit drogenverschleierten, verletzlichen Augen, mal wirft Anny vulgäre und zynische Blicke auf ihre Mitmenschen.

Der Mut zum Happy End

"Die Frau im Spiegel" ist keine schwerwiegende, aber intelligent unterhaltende Literatur. Wohl proportionierte Kapitel und perfekte Cliffhanger machen Eric-Emmanuel Schmitts Roman zur idealen Lektüre am Strand, am Kamin und vor dem Einschlafen. Es gibt kitschige Momente, eine Scheinschwangerschaft, einen engelsgleichen Krankenpfleger oder splitterfasernackte Meditationen im Wald gemeinsam mit einem grauen Wolf. Doch auch das macht den Zauber des Romans aus. Kitsch kann eine Berechtigung haben, man muss nur den Mut dazu finden.

Schließlich möchte Eric-Emmanuel Schmitt ein positives Erleben vermitteln. „Ich und die Feigheit der allgemeinen negativen Meinung, nein! Ich will diese Feigheit nicht! Ich möchte auch an die jüngeren Leute ein positives Weltbild vermitteln. Ich habe keine Lust, einem Säugling zu sagen: „Du wirst sehen, es wird schrecklich werden!“ Und so ist es denn Anny, die zu Beginn schon fast zerstört zu sein scheint, aufgerieben von Marketing, Drogen und Promiskuität wie Amy Winehouse und Britney Spears, die am Ende die positive Vision für die Gegenwart vermittelt.

„Die Frau im Spiegel“ ist ein echtes Buch für Frauen, über Frauen, doch erstaunlicherweise nicht von Frauen. Hierzu Schmitt: „Das, was mich als Mann interessiert, das was mich am meisten fasziniert, ist, das menschliche Dasein anhand einer weiblichen Figur zu entdecken und nicht anhand einer männlichen.“ Ein Experiment, das gelingt, denn während der Lektüre gibt es immer wieder Momente, in der man sich als Leserin in einer der Gestalten wieder zu erkennen meint.

Eric-Emmanuel Schmitt: La femme au miroir. Edition Albin Michel 2011. Broschiert, 455 Seiten. 22,00 Euro

Anuschka Kirschnick, Dainora Usaite

Anuschka Kirschnick - Nach einem Studium der deutschen und russischen Literaturen habe ich in verschiedenen bodenständigen Berufen wie Köchin, ...

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