Die Frauennationalmannschaft der USA

Die USA spielen bei der Frauen-WM in Gruppe C - Repro: Tatjana Alisch
Die USA spielen bei der Frauen-WM in Gruppe C - Repro: Tatjana Alisch
Die USA gehören zu den großen Favoriten der Frauen-WM in Deutschland.

Obwohl es den ersten Fußballverein in den USA schon 1862, also noch vor der Gründung des englischen Fußballverbandes, der FA, gab und bereits im 19. Jahrhundert die ersten (inoffiziellen) Länderspiele gegen Kanada ausgetragen wurden, sollte es beinahe ein Jahrhundert dauern, bis der Fußball in der Neuen Welt tatsächlich populär wurde. Dieser fehlenden Tradition bei den Männern ist es aber zugleich zu verdanken, dass sich der Fußball in den USA auch als ein ernstzunehmender Frauensport etablieren konnte.

Die amerikanische Frauennationalmannschaft: Von den Anfängen bis heute

Der amerikanische Fußballverband wurde 1913 gegründet, die Nationalmannschaft der Frauen ist jedoch erst seit Mitte der 1980er Jahre ein Teil von ihm. 1985 bestritt sie ihr erstes Länderspiel in Italien (0:1). Seitdem hat sie sich zu einer der erfolgreichsten Mannschaften im Frauenfußball entwickelt. Bei sieben Teilnahmen gewann sie sechsmal den als Nordamerikameisterschaft bekannten Concacaf Gold Cup, dreimal holte sie Gold (1996, 2004, 2008) und einmal Silber (2000) bei den Olympischen Spielen, und zweimal wurde sie Weltmeister (1991 und 1999), während sie bei den anderen Weltmeisterschaften jeweils den dritten Platz errang. Außerdem gewann sie acht Mal den Algarve-Cup und sieben Mal das Four Nations Tournament.

Viele legendäre Spielerinnen sind aus dem US-Team hervorgegangen. Zwei von ihnen wurden sogar von Brasiliens Fußballidol Pele als einzige Frauen auf die Liste der 125 besten lebenden Fußballer gesetzt: Mia Hamm und Michelle Akers.

2001 wurde in den USA die erste Profiliga im Frauenfußball, die Women’s United Soccer Association (WUSA), gegründet, in der auch zahlreiche Stars aus anderen Ländern, u.a. Birgit Prinz, Bettina Wiegmann und Steffi Jones, spielten. 2003 wurde sie jedoch aus finanziellen Gründen wieder aufgelöst. Die Women’s Soccer Initiative bemühte sich daraufhin um die Förderung des US-Frauenfußballs und um die Gründung einer neuen Profiliga. 2009 nahm der WPS (Women’s Professional Soccer) den Spielbetrieb auf und bildet nun die Grundlage für eine erfolgreiche Zukunft der „Yanks".

Die amerikanische Nationalmannschaft der Frauen

Die amerikanische Nationalmannschaft belegt den ersten Platz in der Fifa-Weltrangliste, den sie in den vergangenen drei Jahren beinahe durchgehend innehatte. Sie ist das einzige Team, gegen das die deutsche Mannschaft eine negative Bilanz aufweist (5 Siege/4 Unentschieden/19 Niederlagen/ 27:59 Tore).

Traditionell können die Yanks einen Großteil ihrer Erfolge auf ihre überlegene Kampfkraft und Körperstärke zurückführen, ihre Trainerin Pia Sundhage setzt neben dem gefürchteten Direktspiel ihrer Schützlinge aber auch auf einen attraktiveren Spielaufbau. Fast alle Nationalspielerinnen spielen im WPS, der stärksten Liga der Welt. Nur die Verteidigerin Ali Krieger (*1984) stand seit 2007 beim FFC Frankfurt unter Vertrag, will nach der WM ihre Karriere aber auch zuhause fortsetzen.

Die Mannschaft ist auf allen Positionen stark besetzt. Dass sie sogar schwere Ausfälle verkraftet, bewies sie beim Algarve-Cup 2011, als sie ihre Stammtorhüterin Hope Solo (*1981/magicJack) durch Nicole Barnhart (*1981/Philadelphia Independence) ersetzen musste und dennoch Erster wurde. Vor allem in der Abwehr zeigt sich die körperliche Überlegenheit von Spielerinnen wie der mit 234 Länderspielen überaus erfahrenen Mannschaftsführerin Christie Rampone (*1975/Washington Freedom) oder ihrer Stellvertreterin Rachel Buehler (*1985/Boston Breakers).

Im Mittelfeld sorgen Shannon Boxx (*1977/Washington Freedom), Carli Lloyd (*1982/Atlanta Beat) und Megan Rapinoe (*1985/Philadelphia Independence) für Druck nach vorne. Im Sturm ist Abby Wambach (*1980/Washington Freedom) durch ihren schnellen und kraftvollen Antritt eine Garantin für den Torerfolg, die mit Amy Rodriguez (*1987/ Philadelphia Independence) und der jungen Alex Morgan (*1989/ Western New York Flash) zwei weitere gefährliche Angreiferinnen an ihrer Seite hat.

Die Rekordspielerin der USA Kristine Lilly (*1971/352 Spiele/ 130 Tore) die bei allen bisherigen 30 WM-Spielen der USA dabei war, wird man in Deutschland nicht mehr erleben. Anfang 2011 beendete sie überraschend ihre Karriere.

Der WM-Kader

Die Trainerin

Trainerin der US-Amerikanerinnen ist die Schwedin Pia Sundhage (*1960), die nun gegen ihre eigene Heimat antreten muss. Pia Sundhage selbst war in den 1980er- und 1990er-Jahren eine der besten Spielerinnen ihres Landes. Mit Jitex BK wurde sie viermal schwedische Meisterin und zweimal Pokalsiegerin, zwei weitere Pokalsiege holte sie mit Hammarby IF. Bereits mit 14 Jahren spielte sie in der schwedischen Nationalmannschaft, mit der sie 1984 die Europameisterschaft gewann. Bis heute ist sie Rekordnationalspielerin (146 Spiele) und bis 2008 war sie auch Rekordtorschützin (71 Tore) ihres Landes.

Noch während ihrer aktiven Zeit begann Sundhage bei Hammarby auch als Trainerin zu arbeiten. Nach mehreren Stationen als Assistenztrainerin übernahm sie 2003 die Boston Breakers. Seit November 2007 ist sie Cheftrainerin der amerikanischen Nationalmannschaft. Ihre Co-Trainerin ist Hege Riise (*1969), die 2003 zur besten norwegischen Spielerin aller Zeiten gekürt wurde

Der Weg zur WM

So schwierig wie diesmal hatte sich die WM-Qualifikation für die USA noch nie gestaltet. Nach einer 1:2-Niederlage im Qualifikationsturnier in Mexiko im Halbfinale gegen den Gastgeber (das erste Spiel in der gesamten Geschichte der Nordamerikameisterschaften, das die USA jemals verloren haben) mussten die Amerikanerinnen als Drittplatzierte sogar in die Playoff-Runde um den letzten WM-Startplatz gegen Italien, das fünftplatzierte Team aus Europa. Auch hier taten sie sich ungewöhnlich schwer und erreichten die WM-Endrunde erst durch einen Last-Minute-Sieg im Hinspiel und ein ebenso knappes Ergebnis daheim.

Trotz ihrer Schwierigkeiten in der Qualifikation sind die Amerikanerinnen einer der großen Favoriten auf den WM-Titel. In den unerwarteten Qualifikationsproblemen sieht Trainerin Sundhage im Nachhinein sogar einen Vorteil, wie sie in einem Fifa-Interview betonte: „Wir haben gelernt, dass wir nicht unschlagbar sind. Jetzt wissen meine Mädchen ganz genau, welche Gefahren auf sie lauern." Dass sie mittlerweile wieder in Topform sind, bewiesen die USA bereits: Bei der 18. Auflage des Algarve-Cup, der auch gerne als „Mini-WM" bezeichnet wird, erreichten sie nach Siegen über Japan, Norwegen, Finnland und Island den ersten Platz. Eine monatelange WM-Vorbereitung wie bei vielen anderen Teams gibt es bei den Amerikanerinnen nicht, denn am 9. April startet die neue WPS-Saison, sodass die Spielerinnen aber dennoch in Topform nach Deutschland kommen werden.

Die USA bei der WM in Deutschland

Die USA treten bei der WM in Deutschland in der bereits bei der Auslosung als "Todesgruppe" bezeichneten Gruppe C an, in der sie sich mit den ebenfalls als Titelfavoriten gehandelten Teams aus Schweden und Nordkorea auseinandersetzen müssen. Mit beiden Teams hatten sie es bereits in der Vorrunde der beiden letzten Weltmeisterschaften 2003 und 2007 zu tun.

  • Dresden, 28. Juni (18 Uhr 15): USA – Nordkorea 2:0 (0:0)
  • Sinsheim, 2. Juli (18 Uhr): USA – Kolumbien 3:0 (1:0)
  • Wolfsburg, 6. Juli (20 Uhr 45): Schweden – USA 2:1 (2:0)

  • Dresden, 10. Juli (17 Uhr 30): Viertelfinale Brasilien - USA 5:7 n.E. (0:1, 1:1, 2:2)

  • Mönchengladbach, 13. Juli (18 Uhr): Halbfinale Frankreich - USA 1:3 (0:1)

  • Frankfurt, 17. Juli (20 Uhr 45): Finale Japan - USA 5:3 n.E. (0:0, 1:1, 2:2)
Quelle: www.fifa.com

Tatjana Alisch - Bereits während meines Studiums in den Bereichen Musik, Geschichte und Sprachen erhielt ich die Gelegenheit, für einen ...

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