
- Äquatorial-Guinea spielt bei der WM in Gruppe D - Repro: Tatjana Alisch
Äquatorial-Guinea mit seinen knapp 700.000 Einwohnern ist das kleinste Land, das sich jemals für eine Fußballweltmeisterschaft qualifizieren konnte. Äquatorial-Guinea wurde erst 1968 unabhängig und litt in den 1970er Jahren unter einem der blutigsten Terrorregimes Afrikas, der Macias-Diktatur, und kann selbst im Männerbereich auf keine besonders lange Fußballtradition zurückblicken.
Die äquatorial-guineische Frauennationalmannschaft: Von den Anfängen bis heute
Noch vor seiner Unabhängigkeit wurde zwar 1960 der erste äquatorial-guineische Fußballverband gegründet, er wurde aber zunächst kein Mitglied der Fifa oder des afrikanischen Verbandes. Die Federación Ecuatoguineana de Fútbol, kurz „Feguifut", in ihrer jetzigen Form gibt es erst seit 1984, sie wurde 1984 in den afrikanischen Kontinentalverband Caf und 1986 in die Fifa aufgenommen.
Die Frauennationalmannschaft Äquatorial-Guineas, die „Nzalang Nacional", gibt es erst seit 2000. Ihr erstes Länderspiel trug sie noch im selben Jahr im Vorfeld der Afrikameisterschaft gegen Gabun (0:3) aus, für die es sich aber ebenso wie in den nächsten Jahren noch nicht qualifizieren konnte. 2006 erreichte Äquatorial-Guinea die Teilnahme an der Afrikameisterschaft überraschend durch ein Freilos, da Nigeria, gegen das es in der Qualifikation hätte antreten sollen, als Ausrichter für Gabun einsprang und deshalb automatisch qualifiziert war. In der gleichen Gruppe mit Afrikas Schwergewichten Nigeria und Südafrika konnte es jedoch lediglich beim 3:3 gegen Algerien punkten und schied als Gruppendritter nach der Vorrunde aus.
2008 war Äquatorial-Guinea dann selbst Gastgeber der Afrikameisterschaft. Und nun sollte sich erstmals zeigen, welch große Fortschritte das Team in den wenigen Jahren gemacht hatte. Ohne Punktverlust sicherte es sich nicht nur den ersten Tabellenplatz in der Vorrunde, sondern holte durch zwei weitere Siege gegen Rekordmeister Nigeria (1:0) und Südafrika (2:1) den Titel. Trotz dieses Erfolges trat die Nzalang Nacional 2010 wieder nur als Außenseiter bei der Afrikameisterschaft an. Sie gewann diesmal zwar nicht den Titel, war als Vizemeister aber für die WM in Deutschland qualifiziert.
Bis jetzt hat Äquatorial-Guinea 23 Länderspiele (12 Siege/3 Unentschieden/8 Niederlagen) bestritten, alle auf dem afrikanischen Kontinent. Die Qualifikation für die Olympischen Spiele hat es bis jetzt noch nicht geschafft. Umso größer ist die Vorfreude auf das Turnier in Deutschland, von der sich die OK-Präsidentin Steffi Jones auf ihrer Welcome-Tour überzeugen konnte. Bei ihrem Besuch am 3. März war sie wie ein Popstar gefeiert worden. „Es ist einfach unglaublich, mit welcher Begeisterung sich die Menschen in Äquatorial-Guinea auf die Frauen-WM freuen… Die Frauen-WM ist das Ereignis des Jahres in diesem Land", sagte sie danach in einem Fifa-Interview.
Die äquatorial-guineische Frauennationalmannschaft
Äquatorial-Guinea belegt derzeit den 61. Platz in der Fifa-Weltrangliste und ist damit das mit Abstand schlechtplatzierteste Team, das bei der WM dabei ist. Da sich die Mannschaft erst vor so kurzer Zeit gebildet hat und auch noch nie außerhalb des afrikanischen Kontinents gespielt hat, ist sie selbst für Experten noch ein unbeschriebenes Blatt. Gruppengegner Brasilien allerdings sind einige Spielerinnen gut bekannt, denn vier Mitglieder des aktuellen Nationalteams – die Stammtorhüterin Miriam Paixao Silva (*1982), die Verteidigerinnen Bruna (*1984) und Carol (*1983) und die Mittelfeldspielerin Jumária (*1979) - spielen in der brasilianischen Liga.
Naturgemäß ist ihr Spiel nicht auf die individuellen Stärken einzelner Spielerinnen ausgerichtet, sondern die Mannschaft selbst steht im Mittelpunkt. „Was wir auch erreicht haben, wir haben es als Team erreicht", betonte Jean Paul Mpila, der die Nzalang zur WM-Teilnahme geführt hatte, in einem Fifa-Interview. Aber auch wenn sein Kampfgeist eine der großen Stärken des Teams ist, so legt Mpila doch auch Wert auf ein schönes Spiel.
Auch nach den enormen Fortschritten der letzten Jahre gibt es nur wenige Spielerinnen, die aus dem Team hervorgehoben werden können. Der große Rückhalt der Mannschaft ist ihre Torhüterin Miriam Paixao Silva die mit ihren konstant guten Leistungen einen großen Teil an den Erfolgen Äquatorial-Guineas hat.
Zu den wichtigsten Spielerinnen gehört aber zweifellos auch die Top-Stürmerin und Mannschaftsführerin des Teams, Genoveva Anonma/Ayonmang (*1989), die bei der Afrikameisterschaft 2008 Torschützenkönigin (mit 10 der von Äquatorial-Guinea erzielten 11 Tore) und beste Spielerin des Turniers war. In Deutschland ist sie keine Unbekannte, denn sie spielte seit 2009 beim FF USV Jena und erzielte dort in 49 Spielen 36 Tore. Mit ihren beiden Treffern zum 3:0-Halbfinalsieg über die SG Essen-Schönebeck war Anonma außerdem maßgeblich am Einzug Jenas ins Pokalfinale 2010 beteiligt. Allerdings ist sie in Jena auch die Spielerin mit den meisten gelben Karten. Zur neuen Saison wechselt sie zu Turbine Potsdam.
Zum Team gehört auch eine Spielerin, die bereits für eine andere Nationalmannschaft gespielt hat: Die in Spanien geborene Jade Boho Sayo (*1986/ Rayo Vallecano, Spanien) gehörte zu der spanischen Mannschaft, die 2004 in Finnland die U19-Europameisterschaft gewinnen konnte. Im Finale schoss sie das erste Tor der Spanierinnen beim 2:1-Sieg über Deutschland.
Der Trainer
Trainer der äquatorial-guineischen Mannschaft war bis März 2011 Jean Paul Mpila aus der Republik Kongo. Er gilt zu Recht als der Architekt des neuen, erfolgreichen Frauenfußballs in Äquatorial-Guinea. Nach den Afrikameisterschaften war sein Vertrag ausgelaufen, und der Verband bemühte sich für die WM um einen portugiesischen Trainer, der mit seinem gesamten Stab das Team übernehmen sollte. Doch die Verhandlungen scheiterten, und so war man froh, dass Mpila sich bereit erklärte, sein Engagement zunächst noch fortzusetzen, was sicherlich mehr als nur eine Notlösung war.
Seit Ende März 2011 ist jedoch der in Mailand geborene Brasilianer Marcelo Frigerio neuer Trainer der Mannschaft. Den ersten Sieg errang er bereits am 18.4. gegen Kamerun (2:0) und machte damit einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Qualifikation für die Olympischen Spiele 2012 in London. Frigerios Vertrag gilt zunächst für fünf Monate, mit einer Option auf eine Verlängerung bis London 2012. Seine Karriere als Trainer begann Frigerio 2005 bei der Associação Atlética Internacional, die auch als Inter de Limeira bekannt ist. Bis 2010 arbeitete er dann als Trainer der Frauenmannschaft von Palmeiras, einer der Pioniermannschaften auf dem Gebiet des brasilianischen Frauenfußballs.
Der Weg zur WM
Äquatorial-Guinea ist eines der Überraschungsteams bei der WM 2011. Trotz seines Titelgewinns von 2008 war es wieder nur als Außenseiter bei der Afrikameisterschaft 2010 angetreten. Durch die um einen Treffer bessere Tordifferenz gelang es dem Team jedoch, in der Vorrunde das punktgleiche Kamerun auszuschalten, bevor es im Halbfinale auch die Südafrikanerinnen bezwang. Den Titel des Afrikameisters musste das Team dann zwar Nigeria überlassen, doch als Finalistinnen waren auch sie für die WM in Deutschland qualifiziert. Nun ist der Newcomer Äquatorial-Guinea für seine drei Gruppengegner der große Unbekannte und gilt als krasser Außenseiter.
Die Spiele bei der WM in Deutschland
- Augsburg, 29. Juni (15 Uhr): Norwegen – Äquatorial-Guinea 1:0 (0:0)
- Bochum, 3. Juli (14 Uhr): Australien – Äquatorial-Guinea 3:2 (1:1)
- Frankfurt, 6. Juli (18 Uhr): Äquatorial-Guinea – Brasilien 0:3 (0:0)
