Die Frauennationalmannschaft von Australien

Australien spielt bei der Frauen-WM in Gruppe D - Repro: Tatjana Alisch
Australien spielt bei der Frauen-WM in Gruppe D - Repro: Tatjana Alisch
Australien gilt als aufgehender Stern am Himmel des Frauenfußballs. In Gruppe D treffen die "Matildas" auf Top-Favorit Brasilien und Ex-Weltmeister Norwegen

Um seine Wettkampffähigkeit zu stärken, wechselte Australien 2005 in den asiatischen Fußballverband und kommt nun als amtierender Asienmeister zur Frauen-WM nach Deutschland.

Frauenfußball in Australien: Von den Anfängen bis heute

Auch wenn in Australien bereits seit 1870 Fußball gespielt wird, stand der Fußball dort doch jahrzehntelang im Schatten von Rugby und Cricket. So störte sich auch niemand daran, als sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts immer mehr Frauen für diese Sportart zu interessieren begannen. 1974 gründeten sie sogar einen eigenen Frauenfußballverband, die Australian Women's Soccer Association, und 1978, früher also als in so mancher Hochburg des Männerfußballs, gab es eine australische Frauennationalmannschaft, die 1979 ihr erstes Spiel gegen Neuseeland austrug (2:2). Das erste große Turnier, an dem sie - im Übrigen als einzige echte Nationalmannschaft - teilnahm, war 1981 die erste (inoffizielle) Fußballweltmeisterschaft in Taiwan, bei der Bergisch Gladbach als Vertreter für Deutschland den Titel gewann. Zum Breitensport war der Frauenfußball in Australien damit aber noch lange nicht geworden, und so waren Nachwuchssorgen und der fehlende Ligabetrieb lange Zeit seine größten Probleme.

Ein weiteres Problem war die geographische Lage Australiens und seine Zugehörigkeit zum ozeanischen Fußballverband. Siege wie das 21:0 gegen Amerikanische Samoa von 1998 waren hier keine Seltenheit, doch täuschten sie über die wirkliche Stärke Australiens hinweg. So waren die "Waltzing Matildas" seit 1995 zwar bei jeder WM dabei, schieden aber stets nach der Vorrunde wieder aus. Nach ihrem bis dahin größten Erfolg, dem Erreichen des Viertelfinales bei den Olympischen Spielen in Athen, wechselte der australische Fußballverband, da das Männerteam die gleichen Probleme hatte, 2005 in die asiatische Konföderation, wo das Team 2006 bei seiner ersten Teilnahme an der Asienmeisterschaft sofort Zweiter wurde.

Bei der WM 2007 in China zeigte das Team dann bereits seine gestiegenen Ambitionen und konnte nicht nur seinen ersten WM-Sieg verzeichnen, sondern zog auch erstmals in das Viertelfinale ein. Dieser Erfolg erscheint umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass Australien damals noch keine Frauenliga hatte und das Team seine WM-Vorbereitung hauptsächlich mit Spielen gegen männliche Jugendmannschaften bestritten hatte.

Mittlerweile hat sich diese Situation jedoch grundlegend geändert. 2008 wurde eine australische Frauenliga, die W-League, gegründet. Und so gelang den Matildas mit dem sensationellen Gewinn der Asienmeisterschaft 2010 nach einem hochklassigen Finale gegen Nordkorea der erste Gewinn einer bedeutenden Trophäe in der Geschichte des australischen Fußballs.

Die Mannschaft

Derzeit (Stand: 20.6.2011) belegt die australische Frauennationalmannschaft den 11. Platz auf der Fifa-Weltrangliste. Seit der WM vor vier Jahren hat es in ihr einen großen Umbruch gegeben. Viele erfahrene Spielerinnen haben ihre Karriere beendet, unter ihnen auch die legendäre Mannschaftsführerin Cheryl Salisbury, Rekordnationalspielerin und - trotz ihrer Position als Verteidigerin - auch Rekordtorschützin der Matildas (151 Spiele/38 Tore).

Fast alle Nationalspielerinnen spielten bisher in der heimischen Liga und gehen zum Teil auch einem „bürgerlichen" Beruf nach. Kapitän der Mannschaft ist die nur 1,68 Meter große Torhüterin Melissa Barbieri (*1980/Melbourne Victory FC), die zeitweise auch in der australischen Männerliga spielte. Die Abwehr um Clare Polkinghorne (*1989/Brisbane Roar) und Kim Carroll (*1987/ Queensland Roar) wird von der devensiven Mittelfeldspielerin Ellyse Perry (*1990/Central Coast Mariners) unterstützt, die gleichzeitig im Cricket ein Superstar ist. Vor ihr sorgt neben den Routiniers Heather Garriock (*1982/Sydney FC/FC Malmö) und Collette McCallum (*1986/ Perth Glory) Elise Kellond-Knight (*1990/Brisbane Roar) für schnelle Pässe in die Spitze.

Im Sturm stehen mit Lisa de Vanna (*1984), die zuletzt Brisbane Roar durch ihren Treffer im Finale die australische Meisterschaft sicherte und künftig bei magicJack, USA, spielt, der jungen Samantha Kerr (*1993/Perth Glory) und der Aborigine Kyah Simon (*1991/Sydney FC)drei starke Alternativen bereit. Kate Gill (*1984/Perth Glory), Asiens Fußballerin des Jahres, die im Team der Matildas eine Schlüsselspielerin war, musste wegen eines Kreuzbandrisses ihre WM-Teilnahme absagen.

Der Trainer der australischen Frauennationalmannschaft

Trainer der Matildas ist der Schotte Tom Sermanni (*1954). Als Jugendlicher spielte er beim Cumbernauld United FC, der für seine gute Jugendarbeit bekannt ist. Danach spielte der ehemalige Mittelfeldspieler bei mehreren kleineren schottischen und englischen Clubs, bevor er 1984 nach Australien (Canberra City/1984-85) und Neuseeland (Christchurch United/1986) ging. In Australien begann Sermanni dann auch seine Trainerkarriere, zunächst allerdings im Männerbereich. 1994 übernahm er dann nach ersten Erfahrungen u.a. bei den Canberra Metros erstmals die Frauennationalmannschaft und nahm mit ihr 1995 an der WM in Schweden teil, bevor er 1997 für einige Jahre in die USA ging. 2005 kehrte er nach einem Abstecher nach Malaysia zu den Matildas zurück, mit denen er gleich im ersten Spiel überraschend das deutsche Team schlagen konnte. 2007 wurde er zu Asiens Frauen-Trainer des Jahres gewählt und hat seitdem große Erfolge, u.a. 2007 den ersten WM-Sieg Australiens (4:1 gegen Ghana) und den Einzug ins Viertelfinale, gefeiert. Aber nicht nur seine Erfolge sind es, wegen denen seine Spielerinnen ihn schätzen, vielmehr ist er bei ihnen auch wegen seiner großherzigen Art und der Verbundenheit mit seinem Team sehr beliebt.

Der Weg zur WM 2011

Australien kommt als amtierender Asienmeister zur WM nach Deutschland. In der Vorrunde der Asienmeisterschaft mussten sich die Matildas nach einer Niederlage gegen die starken Chinesinnen allerdings zunächst mit dem zweiten Gruppenplatz zufrieden geben. Auch das Finale gegen Nordkorea hatte es in sich und konnte erst im Elfmeterschießen entschieden werden.

Australien bei der WM in Deutschland

Die australische Nationalmannschaft spielt bei der WM in der Vorrundengruppe D. Ihre Gegner sind Brasilien, Norwegen und Äquatorial-Guinea. Trotz der Erfolge in den vergangenen Jahren schätzt Sermanni die Chancen seines Teams bei der WM in Deutschland durchaus realistisch ein. Sein großer Wunsch ist der Einzug ins Viertelfinale, vorausgesetzt, seine Mannschaft bleibt von Verletzungen verschont. Während mit den Brasilianerinnen einer der Topfavoriten auf den Weltmeistertitel und mit Norwegen ein ehemaliger Weltmeister ins Rennen gehen, steht den Matildas mit Äquatorial-Guinea der absolute Außenseiter der Gruppe gegenüber. Entscheidend für das Weiterkommen ins Viertelfinale wird sicherlich die Begegnung mit den Norwegerinnen am letzten Spieltag sein, während es gegen Brasilien heißt, möglichst wenig Gegentore zu kassieren. Ein Sieg gegen die Afrikanerinnen ist dagegen Pflicht, obwohl auch sie als Überraschungsteilnehmer der WM und vor allem als Afrikameister von 2008 keinesfalls unterschätzt werden dürfen.

Australiens Spiele bei der WM

  • Brasilien - Australien (Mönchengladbach, 29.6.2011, 18 Uhr 15) 1:0 (0:0)
  • Australien - Äquatorial-Guinea (Bochum, 3.7.2011, 14 Uhr) 3:2 (1:1)
  • Australien - Norwegen (Leverkusen, 6.7.2011, 18 Uhr) 2:1 (0:0)

  • Viertelfinale Schweden - Australien (Augsburg, 10.7., 13 Uhr) 3:1 (2:1)
Quelle: www.fifa.de

Tatjana Alisch - Bereits während meines Studiums in den Bereichen Musik, Geschichte und Sprachen erhielt ich die Gelegenheit, für einen ...

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