Die Frauennationalmannschaft von Brasilien

Brasilien spielt bei der Frauen-WM in Gruppe D - Repro: Tatjana Alisch
Brasilien spielt bei der Frauen-WM in Gruppe D - Repro: Tatjana Alisch
Brasilien gehört zu den großen Favoriten der WM in Deutschland. Das vielfach erwartete Finale gegen Deutschland wäre eine Neuauflage des WM-Finals von 2007.

Brasilien und Fußball, das sind zwei Begriffe, die in den Augen der gesamten Fußballwelt untrennbar miteinander verbunden sind. Allerdings gilt das im Land des Rekordweltmeisters nur für den Männerfußball.

Die brasilianische Frauennationalmannschaft: Von den Anfängen bis heute

Bis vor wenigen Jahren noch war der Frauenfußball in der breiten Öffentlichkeit – trotz erfolgreicher Nationalmannschaft – verpönt, und junge Frauen und Mädchen, die Fußball spielen wollten, wurden als lesbisch und als „hässliche Weiber" beschimpft. Noch um das Jahr 2000 wollte der Verband von Sao Paulo sogar ein Turnier ausrichten, an dem nur „richtige" (also schöne) Frauen teilnehmen durften, musste diese Idee aber dann doch verwerfen. Besonders erstaunlich erscheint diese negative Haltung auch vor dem Hintergrund, dass etwa im benachbarten Uruguay in den 1970er Jahren Frauen sogar vereinzelt in der Profiliga der Männer mitspielen durften.

Während ganz Brasilien stolz auf seine Männerauswahl war, die zwischen 1958 und 1970 dreimal den Weltmeistertitel geholt hatte, wurde den Frauen von der Militärdiktatur zwischen 1965 und 1982 das Fußballspielen sogar ganz verboten. Nach dem Ende der Diktatur wurde dieses Verbot dann nicht nur aufgehoben, von staatlicher Seite wurde sogar mehr als in anderen südamerikanischen Ländern für den Frauenfußball getan, und es wurde auch eine brasilianische Frauennationalmannschaft gegründet, die 1986 ihr erstes Länderspiel (1:2 gegen die USA) bestritt.

Ihren ersten großen Erfolg hatte die Selecao 1991 bei der ersten Südamerikameisterschaft, wo sie (allerdings bei nur drei Teilnehmern) den ersten Platz belegen konnte. Insgesamt konnte sie den Titel in diesem Wettbewerb fünf von sechs Mal holen. Überhaupt entwickelte sich das Team bald zur erfolgreichsten Frauennationalmannschaft Südamerikas, die nicht nur die kontinentalen Wettbewerbe dominierte, sondern auch an allen Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen teilnahm. Dennoch sollte es bis zu den Panamerikanischen Spielen 2007 in Rio de Janeiro dauern, bis die brasilianische Öffentlichkeit voll Begeisterung auch die Spiele ihrer Frauennationalmannschaft besuchte, ohne sich darum zu kümmern, ob die Spielerinnen weiß oder schwarz, hübsch oder hässlich waren.

Die bisherige Bilanz der Selecao (Stand: 18.3.2011) liegt bei 144 Spielen (85 Siege/ 15 Unentschieden/44 Niederlagen). Ihre höchsten Siege erzielte sie 1995 gegen Bolivien und 1998 gegen Peru (beide 15:0), die höchste Niederlage fügten ihnen 1999 die USA (0:6) zu.

Die brasilianische Nationalmannschaft

Derzeit (Stand:12.6.2011) belegt die brasilianische Nationalmannschaft den dritten Platz in der Fifa-Weltrangliste. Sie ist eine gute Mischung aus erfahrenen Spielerinnen und jungen Talenten. Ihr größtes Problem ist die Tatsache, dass es in der brasilianischen Liga keinen ganzjährigen Spielbetrieb gibt und gerade die jungen Spielerinnen nicht über genügend Spielpraxis verfügen.

Der absolute Star der Mannschaft ist Marta (*1986/Western New York Flash), die 2010 zum fünften Mal in Folge zur Weltfußballerin des Jahres gekürt wurde. Trotz ihrer großen Torgefährlichkeit (53 Spiele/51 Tore) spielt sie zugleich äußerst mannschaftsdienlich und ist beinahe ebenso oft Vorbereiterin wie Vollstreckerin. Dabei behält sie oft ihre Position als Mittelstürmerin nicht bei, sondern wechselt auf die Flügel oder ins offensive Mittelfeld. Es ist aber natürlich nicht Marta allein, die das brasilianische Team so stark macht. Vor allem im Zusammenspiel mit ihrer Sturmpartnerin Cristiane (*1985 Chicago Red Stars), mit der sie sich blind versteht, liegt eine der großen Stärken des Teams.

Zu den wichtigsten Spielerinnen gehören außerdem Barbara (*1988/Recife) im Tor, Mannschaftsführerin Aline Pellegrino (*1982/FC Santos), Erika (*1988/FC Santos) und Maurine (*1986/FC Santos), die Marta für die beste Spielerin Brasiliens hält, in der Abwehr und Formiga (*1978/FC Gold Pride, USA) im Mittelfeld.

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Der Trainer

Trainer der brasilianischen Nationalmannschaft ist Kleiton Lima (*1974). Mit 36 Jahren ist er der jüngste Trainer bei dieser WM. Dennoch verfügt er bereits über mehr Erfahrungen im Frauenfußball als mancher andere. Begonnen hat Lima aber mit 20 Jahren als Spielebeobachter für den damaligen Trainer der Männermannschaft, Carlos Alberto Parreira, was ihm den Beinamen „der Spion" einbrachte. 1996 übernahm er dann das Traineramt bei der Frauenmannschaft des brasilianischen Topclubs FC Santos.

2008 bekam Lima das Angebot, gleichzeitig die brasilianische U 20-Frauenmannschaft zu trainieren, mit der er auf Anhieb Südamerikameister wurde und bei der WM den fünften Platz belegte. Anfang 2009 übernahm er schließlich die brasilianische Frauennationalmannschaft von seinem Vorgänger Jorge Barcellos, der nach den Olympischen Spielen 2008 in Peking zurückgetreten war.

Seinen zweiten Job als Trainer des FC Santos hat Lima Ende 2010 verloren. Aufgrund der Doppelbelastung, die auf ihn zugekommen wäre – der FC Santos spielte noch um den brasilianischen Pokal und die Copa de Libertadores mit, während die Selecao neben der WM auch an den panamerikanischen Spielen teilnimmt -, löste der Verein seinen Vertrag nach 14-jähriger Zusammenarbeit auf. Sein Debüt als brasilianischer Nationaltrainer gab Lima übrigens gegen Deutschland. Das Spiel am 22.4.2009 in Frankfurt endete vor 44.825 Zuschauern 1:1.

Der Weg zur WM

Dass sich Brasilien für die Weltmeisterschaft in Deutschland qualifizieren würde, stand bereits vor Beginn der Qualifikationsrunde außer Frage. Denn auch wenn die Brasilianerinnen bisher noch keinen Weltmeistertitel erringen konnten, so ist doch ihre Überlegenheit nicht nur gegenüber den anderen Nationen auf dem südamerikanischen Kontinent enorm. Entsprechend meisterten sie Vor- und Endrunde der Qualifikation ohne Punktverlust und mit 13:1 bzw. 12:1 Toren.

Brasilien bei der WM in Deutschland

Auch wenn Gruppengegner Norwegen ebenfalls als Titelkandidat gilt und die Begegnung der beiden Teams am zweiten Spieltag der Vorrunde das Topspiel der Gruppe D ist, wäre alles andere als ein souveräner erster Platz ebenfalls eine Überraschung, und für die anderen Teams kann es nur heißen, sich im Spiel gegen Brasilien mit möglichst wenig Gegentreffern aus der Affäre zu ziehen und in den übrigen Spielen zu punkten. Von vielen Seiten wird ein Finale zwischen den brasilianischen Vizeweltmeisterinnen und dem Weltmeister Deutschland erwartet. Und der Einzug ins Finale ist auch das Mindestziel von Kleiton Lima, wie er in einem Fifa-Interview bestätigte: „Wir werden sehr konzentriert zu Werke gehen, weil es unser Traum ist, hier das Finale gegen die Gastgeberinnen zu bestreiten. Bei allem Respekt hätten wir gerne eine Revanche." Dass sie Deutschland schlagen kann, bewies die Selecao erstmals im Halbfinale der Olympischen Spiele 2008 in Shanghai (4:1).

Ein Aufeinandertreffen der brasilianischen und der deutschen Mannschaft im Finale und somit eine Neuauflage des WM-Finales von 2007 könnte durch das US-Team verhindert werden. Aber mit den Amerikanerinnen hat Brasilien ebenfalls noch eine Rechnung offen: für die 0:1-Finalniederlage bei den Olympischen Spielen 2008.

Die Spiele

  • Mönchengladbach, 29. Juni (18 Uhr 15): Brasilien – Australien 1:0 (0:0)
  • Wolfsburg, 3. Juli (18 Uhr 15): Brasilien – Norwegen 3:0 (1:0)
  • Frankfurt, 6. Juli (18 Uhr): Äquatorial-Guinea – Brasilien 0:3 (0:0)

  • Dresden, 10. Juli (17 Uhr 30): Viertelfinale Brasilien - USA 5:7 n.E. (0:1, 1:1, 2:2)
Quelle: www.fifa.com

Tatjana Alisch - Bereits während meines Studiums in den Bereichen Musik, Geschichte und Sprachen erhielt ich die Gelegenheit, für einen ...

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