
- Japan spielt bei der Frauen_WM in der Gruppe B - Repro: Tatjana Alisch
Die japanische Nationalmannschaft gehört zu den wenigen Teams, die schon zum sechsten Mal an einer Weltmeisterschaft teilnehmen. Ihr größter Erfolg war dabei das Erreichen des Viertelfinales 1995 in Schweden, als sie sich als krasse Außenseiter in einer Gruppe mit Deutschland, Schweden und Brasilien nach einem 2:1-Sieg über Brasilien als zweitbestes drittplatziertes Team für das Viertelfinale qualifizieren konnte.
Die japanische Frauennationalmannschaft: Von den Anfängen bis heute
Wann genau in Japan erstmals Fußball gespielt wurde, ist nicht mehr bekannt. Jedenfalls kam die Sportart schon sehr früh durch britische und niederländische Händler dorthin, und das erste inoffizielle Länderspiel, wenn auch zwischen den Männermannschaften der beteiligten Länder, fand bereits 1917 zwischen Japan und China statt. Wirklich populär war die Sportart allerdings lange Zeit nur in studentischen Kreisen, die an der europäischen Kultur und den Bräuchen des Westens schon damals sehr interessiert waren. Durch das Bündnis mit Deutschland im Zweiten Weltkrieg geriet Japan jedoch für längere Zeit ins Abseits, und der japanische Fußballverband JFA, der seit 1929 Fifa-Mitglied gewesen war, wurde aus ihr ausgeschlossen.
Nun sollte es bis in die 1960er Jahre dauern, bis das Interesse am Fußball in Japan wieder erwachte. Dies war aber auch die Zeit, in der sich Fußball als Frauensport allmählich etablierte, denn die Diskussionen über das „Unweibliche" dieser Sportart gab es hier – auch aufgrund der fehlenden Tradition im Männerbereich – nicht.
1981 wurde die erste japanische Frauennationalmannschaft zusammengestellt. Noch im selben Jahr nahm sie an der Asienmeisterschaft teil, wo sie mit 1:3 Toren und 2:4 Punkten in der Vorrunde ausschied. Ihr erstes Länderspiel war das 0:1 gegen den späteren Turniersieger Taiwan. Seit 1986 hat Japan jedoch an allen Asienmeisterschaften teilgenommen und jedes Mal eine Platzierung unter den besten Vier erreicht, fünfmal sogar den zweiten Platz. Vor allem seit der Fußballweltmeisterschaft der Männer 2002 in Japan und Südkorea ist die Fußballbegeisterung in Japan ungebrochen. Und ganz ohne Titel ist auch Japan nicht, denn im November 2010 gewann es Gold bei den Asien-Spielen in China. Ihren Spitznamen „Nadeshiko" („Die Nelken") erhielt die Nationalelf 2004 nach einer öffentlichen Ausschreibung, bei der er von der JFA unter 2.700 Vorschlägen ausgewählt wurde.
Die Mannschaft
Die japanische Nationalmannschaft belegt derzeit den vierten Platz in der Fifa-Weltrangliste. Bei einer durchschnittlichen Körpergröße von wenig mehr als 160 Zentimetern stehen wie bei allen asiatischen Mannschaften auch bei ihr weniger Kraft und Athletik als technisches Können, Einsatzwille und schnelles Spiel im Vordergrund. Die Erfolge der U20- und U17-Mannschaften der vergangenen Jahre haben das Angebot an guten Spielerinnen auf allen Positionen weiter wachsen lassen, und dass die Japanerinnen selbst bei den Asienmeisterschaften noch keinen einzigen Titel aufweisen, täuscht etwas über ihr wirkliches Können hinweg.
Der Großteil des Teams steht in der heimischen Liga unter Vertrag. Drei Spielerinnen (Homare Sawa/*1978/Washington Freedom, Aya Miyama/*1985/ Los Angeles Sol und Mami Yamaguchi/*1986/Atlanta Beat) sind in der amerikanischen Profiliga aktiv, zwei spielen in der Bundesliga: die Stürmerin Yuki Nagasato (*1989), die erst Anfang 2010 zu Turbine Potsdam gewechselt war und bereits in ihrem ersten Jahr die deutsche Meisterschaft und die Champions League gewonnen hat, sowie die offensive Mittelfeldspielerin Kozue Ando (*1982/ FCR 2001 Duisburg), die bereits an zwei Weltmeisterschaften teilgenommen hat.
Trainer Norio Sasaki setzt bei seinem Team in erster Linie auf die Erfahrung der Spielerinnen, die, obwohl ihr Altersdurchschnitt bei 25 Jahren liegt, großteils schon bei der WM vor vier Jahren dabei waren. In der Offensive kann er aber auch auf einige Talente zurückgreifen, die erst in den letzten Jahren ins Team gekommen sind.
Im Tor steht mit Ayumi Kaihori (*1986/INAC Kobe Leonessa), die erst nach der WM 2007 ins Nationalteam kam und dort allmählich die bisherige Stammtorhüterin Miho Fukumoto verdrängt hat, einer der größten Aktivposten der Mannschaft. In der Abwehr sind Yukari Kinga (*1984/NTV Beleza), Kyoko Yano (*1984/ Urawa Reds Ladies) und Azusa Iwashimizu (*1986/ NTV Beleza) gesetzt.
In erster Linie sind es jedoch das stark besetzte Mittelfeld um Homare Sawa (*1978), Aya Miyama (*1985) und Rumi Utsugi (*1988) sowie der Sturm mit Yuki Nagasato, Kozue Ando und Shinobu Ohno (*1984/INAC Leonessa, der nun auch durch die junge Mana Iwabuchi (*1993/NTV Belleza) verstärkt wird, die den Gegnern zu schaffen machen.
Homare Sawa, die „Grande Dame" der Nadeshiko, ist der absolute Star der Mannschaft. Mit mehr als 150 Länderspielen und 72 Toren ist sie Rekordspielerin und Rekordtorschützin ihres Landes. Für die Mittelfeldspielerin, die bereits mit 12 Jahren ihr Debüt in der japanischen Profiliga und mit 15 Jahren in der Nationalmannschaft gab, ist das Turnier in Deutschland die fünfte WM-Teilnahme. 2004 und 2008 war Sawa Asiens Fußballerin des Jahres.
Japans große Hoffnungsträgerin ist die Stürmerin Mana Iwabuchi. Als 15-Jährige gewann sie bei der U17-WM in Neuseeland den Goldenen Ball, obwohl Japan bereits im Viertelfinale ausgeschieden war. Im A-Team debütierte sie im Februar 2010. Trotz ihrer großen Jugend besticht sie durch ihr Spielverständnis und ihre spielerische Reife. Dazu kommen ihre Schnelligkeit, die brillante Technik und die enge Ballführung, mit denen sie ihre geringe Körpergröße von nur 1,53 Metern ausgleicht.
Der Trainer
Trainer der japanischen Nationalmannschaft ist seit Anfang 2008 Norio Sasaki (*1958). Seine umfassenden Kenntnisse über den japanischen Frauenfußball sammelte er bereits als Trainer der U20-Mannschaft, für die er auch noch während seines Engagements für die A-Mannschaft bei der U20-WM 2008 und vorher bei zwei Asien-Pokalen verantwortlich war. Sasakis größter Erfolg war der vierte Platz bei den Olympischen Spielen 2008, der größte Erfolg, den die Nadeshiko bis dahin errungen hatte. Dass das Niveau, aber auch die Ansprüche seit seiner Amtsübernahme gestiegen sind, ist nicht überraschend. Sasaki selbst formulierte im Vorfeld des AFC Asien-Pokals seine Ziele ganz klar: „Wir wollen bei der Fifa Frauenweltmeisterschaft den Titel holen."
Der Weg zur WM 2010
Die Japanerinnen haben sich durch den dritten Platz im Asien-Cup zwar nur knapp für die WM in Deutschland qualifiziert, boten aber bei all ihren Spielen, auch bei ihrer Niederlage gegen den späteren Asienmeister Australien eine beeindruckende Leistung. Vor allem nach dem entscheidenden Duell mit den Chinesinnen, das sie mit 2:0 für sich entscheiden konnten, gelten sie in Fachkreisen durchaus als Mitfavoritinnen auf den Titel. Mit besonderem Interesse darf sicherlich das Spiel gegen die Engländerinnen erwartet werden, in dem möglicherweise die Entscheidung über den Gruppensieg und darüber, wer als Zweiter im Viertelfinale den Gastgeberinnen aus Deutschland gegenüberstehen wird, fällt. Diese Spielpaarung gab es bereits vor vier Jahren bei der WM in China, sie endete nach einem spannenden Spiel mit 2:2.
Die Spiele
- Bochum, 27. Juni (15 Uhr): Japan – Neuseeland 2:1 (1:1)
- Leverkusen, 1. Juli (15 Uhr): Japan – Mexiko 4:0 (3:0)
- Augsburg, 5. Juli (18 Uhr 15): England - Japan 2:0 (1:0)
- Wolfsburg, 9. Juli (20 Uhr 45): Viertelfinale Deutschland - Japan 0:1 n.V. (0:0)
- Frankfurt, 13. Juli (20 Uhr 45): Halbfinale Japan - Schweden 3:1 (1:1)
- Frankfurt, 17. Juli (20 Uhr 45): Finale Japan - USA 5:3 n.E. (0:0, 1:1, 2:2)
