
- Mexiko spielt bei der Frauen-WM in Gruppe B - Repro: Tatjana Alisch
Die direkte Qualifikation Mexikos gehört zu den großen Überraschungen im Vorfeld der WM, denn durch den Sieg von "El Tricolor" im Concacaf-Turnier über die USA wäre der große Titel-Favorit beinahe nicht zur WM gefahren.
Die mexikanische Frauennationalmannschaft: Von den Anfängen bis heute
Zwar existiert in Mexiko bereits seit den 1920er Jahren eine Fußballnationalmannschaft der Männer, doch bis es auch ihr weibliches Pendant gab, sollten noch viele Jahre vergehen. Allerdings wurden hier den Frauen keine Steine in den Weg gelegt, als auch sie Lust bekamen, sich dieser Sportart zu widmen, und auch die breite Öffentlichkeit stand dem Frauenfußball stets positiv gegenüber.
Und so kam es, dass sich 1970 spontan ein „Nationalteam" zusammenfand, das Mexiko bei der ersten (inoffiziellen) Fußballweltmeisterschaft der Frauen in Italien vertreten wollte und das gleich bei seinem ersten Länderspiel am 6. Juli 1970 den Gegner aus Österreich mit 9:0 vom Platz fegte. Im anschließenden Halbfinale mussten sich die Mexikanerinnen dann zwar dem Gastgeber Italien mit 1:2 geschlagen geben, erreichte nach einem 3:2 über England aber noch den dritten Platz. Ein Jahr später war Mexiko bei der Neuauflage des Turniers, an dem das Interesse so groß war, dass vorher Qualifikationsspiele stattfinden mussten, dann sogar der Gastgeber. Diesmal gelangte Mexiko bis ins Finale, wo es allerdings eine herbe 0:3-Niederlage gegen Dänemark, das bereits 1970 Weltmeister geworden war, einstecken musste. Auch das Zuschauerinteresse an dieser Weltmeisterschaft war überwältigend. Schon zum Spiel um den dritten Platz zwischen Italien und Argentinien (4:0) kamen 50.000 Zuschauer, beim Finale im legendären Azteken-Stadion in Mexico City waren es sogar 110.000.
Trotz dieses Erfolges gab es eine offizielle Frauennationalmannschaft erst 1986, und nun sollte es sich zeigen, dass die Mexikanerinnen den Anschluss an die anderen Länder, in denen der Frauenfußball mittlerweile auch öffentlich gefördert wurde, verpasst hatten. Das erste Länderspiel bei einem Turnier in Italien am 21. Juli 1986 ging mit 0:3 gegen Japan verloren, und auch die nächste Partie (0:6 gegen Italien) war ein Debakel. Es folgten fünf Jahre Pause, bevor der „Equipo Tricolor", kurz „El Tri", wieder zu einem Länderspiel antrat. Es handelte sich dabei um ein Qualifikationsspiel zur ersten offiziellen WM 1991 und endete mit einer historischen 0:12-Niederlage gegen die USA.
1999 nahm Mexiko zum ersten und bisher einzigen Mal an einer Fußballweltmeisterschaft teil, musste aber nach den Niederlagen gegen Brasilien (1:7), Deutschland (0:6) und Italien (0:2) enttäuscht nach Hause reisen. Der bisher größte Erfolg Mexikos ist das Erreichen des Viertelfinales bei den Olympischen Spielen 2004.
Doch seit einigen Jahren zeigt die Erfolgskurve von „El Tri" steil nach oben. Bei der Nordamerikameisterschaft erreichte sie 2010 den zweiten Platz, und mit vier WM-Teilnahmen der U20 (zuletzt 2010 in Deutschland, wo sie sich in der Vorrunde gegen die Teams von Japan, England und Nigeria – allesamt Titelträger in ihren Konföderationen – durchsetzen konnte) ist auch der Nachwuchsbereich Mexikos im Aufwind.
Die mexikanische Mannschaft
Derzeit (Stand:12.6.2011) belegt El Tricolor den 22. Platz auf der Fifa-Weltrangliste. Der absolute Star und auch der Kapitän der Mannschaft ist Maribel Dominguez (*1978/UE L’Estartit, Spanien), die Rekordnationalspielerin und Rekordtorschützin des Landes. Sie wuchs in den Slums von Mexico City auf und lernte dort in einer Jungenmannschaft das Fußballspielen. Ihr Torinstinkt brachte der Angreiferin nicht nur die Spitznamen „Marigol" und „Miragoal" ein, sondern 2004 auch einen Profivertrag bei dem mexikanischen Zweitligisten Celaya FC. Wie in verschiedenen anderen Fällen wurde aber auch ihr von der Fifa die Mitwirkung in einem Männerteam verboten. Mit ihren sechs Treffern trug sie maßgeblich zur Qualifikation ihres Teams zur WM bei und fährt nun nach 1999 zum zweiten Mal zu einer WM. Dominguez ist die einzige Spielerin, die bereits bei der WM 1999 dabei war und Schützin des bislang einzigen WM-Tores Mexikos.
Die wichtigsten Spielerinnen neben ihr sind die Stürmerin Verónica Pérez (*1989/zuletzt St. Louis Atletica), die mit ihrem Treffer zum 2:1 gegen die USA den Einzug ins Finale des Concacaf-Turniers besiegelte, die Mittelfeldspielerin Teresa Guadalupe Worbis (*1983/Itesem Puebla) und die Verteidigerin Rosario Saucedo (*1983/Mexico FC).
Zu Mexikos aufstrebenden Talenten gehören die Torhüterin Erika Vanegas (*1988/Mexico FC), die Mittelfeldspielerin Nayeli Rangel (*1992/Tigres de la UANL), die Abwehrspielerinnen Natalie Garcia (*1991) und Alina Garciamendez (*1991), die beide in amerikanischen Collegemannschaften spielen, sowie Stephany Mayor (*1991/ UDLA Puebla) und die nur 1,52 Meter große Charlyn Corral (*1991/ ITESM Monterrey) im Sturm.
Der Trainer
Seit 1998 ist Leonardo Cuéllar Rivera (*1952) der Trainer der mexikanischen Nationalmannschaft. Er selbst kennt Deutschland bereits aus seiner Zeit als Spieler, als er 1972 mit der Auswahl seines Landes an den Olympischen Spielen in München teilnahm. Der ehemalige Mittelfeldspieler, der seine Länderspielkarriere als Stürmer und Linksaußen begonnen hatte, spielte 104 Mal für Mexiko und war auch bei der WM in Argentinien dabei. Als Vereinsspieler war er in Mexiko und den USA aktiv und gewann mit den UNAM Pumas einmal den mexikanischen Pokal und einmal die Meisterschaft.
Bereits 1999 hat Cuéllar sein Team zur Frauen-WM in den USA geführt. Im Lauf seiner Tätigkeit für den mexikanischen Verband hat er den Frauenfußball des Landes maßgeblich weiterentwickelt, denn er ist es, der auch für den Aufbau der Juniorinnenteams sorgte, die seit Jahren erfolgreich an den U17- und U20-Weltmeisterschaften teilnehmen. Mit seiner zweiten WM-Teilnahme hofft er nun, endlich die Früchte seiner Arbeit ernten zu können.
Der Weg zur WM
Mexiko fährt als Zweiter des Concacaf-Verbandes nach Deutschland. Seine direkte Qualifikation gehörte zu den großen Überraschungen im Vorfeld der WM, doch war sie nach dem Halbfinalsieg (2:1) über die stark favorisierten US-Amerikanerinnen im Qualifikationsturnier in Cancun hoch verdient. Vor dem Spiel hatte wohl niemand ernsthaft mit einem Sieg der Mexikanerinnen gerechnet, denn bei den vorangegangenen 25 Duellen der beiden Nationalmannschaften hatte es 24 Niederlagen und ein einziges Unentschieden für Mexiko gegeben, bei einer Tordifferenz von 9:106. Die Finalniederlage gegen Kanada (0:1) fiel nach diesem Spiel nicht weiter ins Gewicht, denn auch der zweite Platz reichte zur Teilnahme an der WM in Deutschland. Dort ist der Einzug ins WM-Viertelfinale das erklärte Ziel der Mexikanerinnen.
Die Spiele
- Wolfsburg, 27. Juni (18 Uhr): Mexiko – England 1:1 (1:1)
- Leverkusen, 1. Juli (15 Uhr): Japan – Mexiko 4:0 (3:0)
- Sinsheim, 5. Juli (18 Uhr 15): Neuseeland – Mexiko 2:2 (0:2)
