
- Nordkorea spielt bei der Frauen-WM in Gruppe C - Repro: Tatjana Alisch
Obwohl Nordkorea bei der Frauen-Fußballweltmeisterschaft 2011 in Deutschland in der gleichen Vorrundengruppe antreten muss wie die USA und Schweden, die von vielen Experten als "Todesgruppe" bezeichnet wird, hofft das Team nicht nur auf das Erreichen des Viertelfinales, sondern insgeheim sogar auf die Finalteilnahme oder den WM-Titel.
Die nordkoreanische Frauennationalmannschaft: Von den Anfängen bis heute
Im Zuge der Teilung Koreas nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1945 auch in Nordkorea ein eigenständiger Fußballverband gegründet. Das Fußballspiel selbst ist allerdings schon viel länger in Korea bekannt, denn bereits aus dem Jahr 1882 ist überliefert, dass britische Seeleute im Hafen von Incheon miteinander Fußball spielten. Das Spiel wurde schon bald von den Einheimischen übernommen, denn es hatte eine gewisse Ähnlichkeit mit „chuk-guk", einem Spiel, das schon seit Jahrhunderten in Korea gespielt wurde. 1921 gab es dann das erste offizielle koreanische Fußballturnier. Ein Grund für die Vorliebe der Koreaner für das Spiel war auch die Tatsache, dass sie in der Zeit der japanischen Besetzung beim Fußballspielen die Gelegenheit hatten, ihre Frustrationen abzubauen und einen gewissen Zusammenhalt zu demonstrieren.
Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Teilung des Landes gründeten die Nordkoreaner zwar ihren eigenen Verband und waren 1954 sogar an der Gründung des asiatischen Fußballverbandes AFC beteiligt, doch die Popularität des Fußballs hatte aufgrund der politischen Umstände merklich abgenommen. Erst in den 60er-Jahren, als sich die verbündete Sowjetunion in diesem Bereich engagierte, begann ein erneuter Aufschwung des Fußballs in Nordkorea.
Auch bei den Frauen wurde der Fußball nun allmählich populär. Die Geburtsstunde des organisierten nordkoreanischen Frauenfußballs schlug 1985, als die staatliche Nachrichtenagentur KCNA die Gründung einer Frauenfußballmannschaft meldete. Dass Frauenfußball in Nordkorea auch eine staatlich geförderte Angelegenheit war, zeigte sich nur ein Jahr später, als im 70.000 Zuschauer fassenden Kim-Il-Sung-Stadion in Pjöngjang zur Förderung der Popularität des neuen Sports ein öffentliches Trainingsspiel ausgetragen wurde.
Schon bald gab es auch eine Frauennationalmannschaft. 1989 nahm sie erstmals an einer Asienmeisterschaft teil, wo sie gleich ihr Auftaktspiel – es war das erste Länderspiel der nordkoreanischen Auswahl überhaupt – gegen China mit 1:4 verlor. Nach einer weiteren Niederlage und dem ersten Sieg (4:0 gegen Thailand) schied Nordkorea allerdings bereits nach der Vorrunde aus, doch schon ein Jahr später, bei den Asienspielen 1990, holten sie den dritten Platz. In der Qualifikation für die erste Frauen-WM 1991 scheiterte Nordkorea denkbar knapp im Elfmeterschießen an Taiwan.
Aus politischen Gründen nahm Nordkorea an den folgenden Asienspielen und (wegen der dadurch fehlenden Qualifikation) auch an der zweiten Weltmeisterschaft nicht teil. Seitdem hat Nordkorea – auch aus Prestigegründen – die sportlichen Interessen seiner Frauennationalmannschaft jedoch nicht mehr den politischen Interessen untergeordnet und an mittlerweile zehn Asienmeisterschaften (Titelgewinne 2001, 2003 und 2008) und drei Weltmeisterschaften teilgenommen. 2007 schaffte es nach einer überragenden Leistung beim 2:2 gegen die favorisierten USA erstmals den Sprung ins Viertelfinale, scheiterte dort jedoch am späteren Weltmeister Deutschland.
Doch während Nordkorea bei der WM 2007 mit einer noch sehr unerfahrenen Mannschaft, die zusammen mit Argentinien das niedrigste Durchschnittsalter aufwies – drei Spielerinnen waren noch nicht einmal 16 Jahre alt –, angetreten war, haben auch diese Spielerinnen mittlerweile vier Jahre Länderspielerfahrung gesammelt.
Die nordkoreanische Nationalmannschaft
Die nordkoreanische Nationalmannschaft belegt derzeit den 8. Platz in der Fifa-Weltrangliste. Wie auch die Japanerinnen hat Nordkorea in den vergangenen Jahren im Nachwuchsbereich überaus stark aufgespielt und kann nun auch auf seinen bislang schwächeren Positionen punkten. Der Höhepunkt war dabei die U20-Weltmeisterschaft 2006 in Russland, bei der die Koreanerinnen nach einem fulminanten 5:0-Sieg im Finale gegen China nicht nur den Titel, sondern auch als fairstes Team des Turniers die Fair-Play-Trophy holten. Ebenso erfolgreich waren die Koreanerinnen bei der U17-WM 2008 in Neuseeland, wo sie im Finale die USA mit 2:1 nach Verlängerung besiegten.
Allerdings sind seit der letzten WM auch einige wichtige Spielerinnen aus dem Team ausgeschieden, u.a. die Rekordnationalspielerin und bisherige Mannschaftsführerin Ri Kum Suk (*1978/123 Spiele), die 2006 in der Endauswahl zur Weltfußballerin des Jahres stand und ihr Team 2003 mit 15 Treffern fast im Alleingang zum Asienmeister gemacht hatte. Obwohl sich das Team bei der Asienmeisterschaft 2010 noch in der Findungsphase befand, konnten sich seine Leistungen aber durchaus sehen lassen.
Die großen Stärken des äußerst diszipliniert auftretenden Teams, das sich auf diese Weise auch gegenüber körperlich überlegenen Gegnern immer wieder durchzusetzen vermag, sind das typische schnelle Kurzpassspiel und die perfekte Organisation im Spielaufbau.
Mittelpunkt der koreanischen Mannschaft ist die offensive Mittelfeldspielerin Jo Yun Mi (*1987/Amrokgang S.G.). Unterstützt wird sie von der Mittelfeld-Allrounderin Jon Myong-Hwa (*1987/Sportgruppe 25. April). Im Tor steht Jon Myong Hui (*1987/Rimyongsu), die ebenfalls zu den U20-Weltmeisterinnen von 2006 gehört. Kapitän ist die erfahrene Song Jong Sun (*1981/Amrokgang S.G.), die mit ihrer Schnelligkeit und Passgenauigkeit die zentrale Position in der Verteidigung innehat. Wichtigste Stürmerin ist Ra Un-Sim (*1988/Amrokgang S.G.).
Der Trainer
Trainer der nordkoreanischen Nationalmannschaft ist seit 2005 der erfahrene ehemalige Nationalspieler Kim Kwang-Min, der das Team trotz einschneidender Personalwechsel konstant stark gehalten hat.
Der Weg zur WM
Nordkorea fährt als Zweitplatzierter der Asienmeisterschaft 2010 nach Deutschland. In einem hart umkämpften Finale hatte es sich erst im Elfmeterschießen den Australierinnen geschlagen geben müssen. Der Weg ins Finale war allerdings nicht einfach gewesen, und in der Vorrunde hatte es sogar eine Niederlage gegen Japan gegeben.
Nordkorea bei der Frauen-WM 2011
Die Begegnung zwischen Nordkorea und den USA wird von vielen Experten als das Topspiel der Gruppe C angesehen. Denn die Begegnung der beiden Mannschaften bei der WM 2007 in China, wo sie sich nach einem hart umkämpften Spiel mit einem 2:2-Unentschieden trennten, gehörte zu den besten Partien der letzten WM. Auch auf die Schwedinnen trafen die Koreanerinnen bereits in der Vorrunde der WM 2007, wo sie ihnen zwar knapp mit 1:2 unterlagen, aber dennoch aufgrund der besseren Tordifferenz vor ihnen den zweiten Gruppenplatz erreichten.
Ein Ausscheiden in der Vorrunde wäre mehr als eine Enttäuschung für eine Mannschaft, die wohl insgeheim auf den WM-Titel hofft. Denn das Team hätte in seiner Heimat wohl mit unangenehmen Konsequenzen zu rechnen, auch wenn der nordkoreanische Diktator Kim Jong-Il offenbar ein besseres Verhältnis zu seinen Fußballerinnen als zu ihren männlichen Kollegen pflegt, denen es nach ihrem Ausscheiden bei der WM 2010 in Südafrika in ihrer Heimat nicht gut ergangen war.
Die Spiele
- Dresden, 28. Juni (18 Uhr 15): USA – Nordkorea 2:0 (0:0)
- Augsburg, 2. Juli (14 Uhr): Nordkorea – Schweden 0:1 (0:0)
- Bochum, 6. Juli (20 Uhr 45): Nordkorea – Kolumbien 0:0
