Die Freibeuter Ihrer Majestät: Auf den Spuren Henry Morgans

Verträumter Morgen in der Marigot Bay (Karibik) - Rainer Sturm / pixelio.de
Verträumter Morgen in der Marigot Bay (Karibik) - Rainer Sturm / pixelio.de
Im Sommer 2001 fand der Schatzsucher Klaus Keppler vor Haiti die "Merchant Jamaica", das Schiff des berüchtigten englischen Freibeuters Sir Henry Morgan.

Im Mai 2001 begab sich ein zwölfköpfiges Team aus Historikern und Tauchern der Sea Explorer AG sowie Kameraleuten der Ocean Discovery Network (ODN) unter der Leitung des deutschen Schatzjägers Klaus Keppler auf die Suche nach dem Wrack der Oxford, dem Flaggschiff des gefürchteten Freibeuters Sir Henry Morgan. Die Oxford soll nach überlieferten Quellen 1669 vor der Südküste Haitis explodiert und gesunken sein. Was die Expedition fand, war jedoch die Merchant Jamaica. Das einstige englische Handelsschiff gehörte ebenso zur Flotte Morgans und versank um 1674 - an jener Stelle, an der man die Oxford vermutete.

Ein unerwarteter Fund...

Mit moderner Sonartechnik und Sidescannern tastete die Crew sechs Wochen lang den Meeresboden ab und lieferte qualitativ hochwertige Bilder. Man fand das Piratenschiff am Außenriff der Insel Ile à Vache in fünf bis zehn Metern Tiefe. Ein Magnetometer half den Forschern, metallene Gegenstände aufzuspüren und deren Größenordnung zu bestimmen, da der hölzerne Rumpf längst zerfallen war. Anhand von zahlreichen Hinweisen aus alten Urkunden und diversen Artefakten konnten sie das Schiff identifizieren.

Mit Hilfe der Radiokarbonmethode wurden Ankerform, Münzen, Topfdeckel, Schiffsbeschläge und ein Krug auf ein Alter zwischen 1650 bis 1680 datiert. Auch die Bewaffnung deutete darauf hin, dass es sich bei dem Wrack tatsächlich um das Schiff von Morgan handelte: An Bord befanden sich nur noch sechs kleinere Kanonen, während die großen fehlten. Angeblich hat Morgan die großen Kanonen bergen lassen, bevor das Schiff in den Fluten versank. Die leichten Kanonen vom Oberdeck waren jedoch unwiederbringlich verloren, nachdem ein Sturm aufkam und weitere Bergungsversuche verhinderte.

...doch ein bedeutender historischer Schatz

Obzwar die Merchant Jamaica keine großen Gold- und Silberschätze an Bord hatte, ist das Wrack an sich doch ein bedeutender historischer Fund. Zudem hatte das Schiff zahlreiche Kunstgegenstände geladen, die über das Riff verstreut lagen. Nach Ende der Forschungen und Bergungsarbeiten gehen die Fundstücke nun in einer große Wanderausstellung um die Welt. Sie geben Auskunft über das Leben und die Beutezüge der Bukaniere, Freibeuter der Westindischen Inseln, die - ausgestattet mit einem königlichen Kaperbrief - dazu befugt waren, Schiffe feindlicher Nationen zu plündern. Der politische Hintergrund: Spanien war im Besitz reicher Kolonien in der Karibik, Mittel- und Südamerika. England, Frankreich und die Niederlande wollten ihren Einfluss in der Neuen Welt ausdehnen und den Spaniern diesen Reichtum streitig machen.

Henry Morgan - Vom brutalen Piraten...

Henry Morgan (1635 bis 1688) war seinerzeit der am meisten gefürchtete Pirat; er kämpfte als englischer Seeräuber unter inoffizieller Duldung der englischen Krone gegen die Spanier und plünderte deren Kolonien in der Karibik. Seine einzigartige strategische Weitsicht sprach sich schnell herum – und brachte dem Piraten die Ernennung zum Admiral der englischen Flotte ein. Damit erhielt er offiziell die Erlaubnis, sämtliche spanische Stellungen in der Karibik anzugreifen und zu zerstören. Mit über 36 Schiffen und knapp 2000 Mann plünderte und brandschatzte er fortan die Bahamas und vergrub dort angeblich viele seiner Schätze.

Seine berüchtigten Beutezüge, die er fast nur von Land aus unternahm, führte er 1670 auch durch die Stadt Panama, eine der reichsten Handelsumschlagplätze der Welt. Weil der Angriff aber wenige Tage nach Friedensschluss zwischen England und Spanien erfolgte, wurde Morgan festgenommen und nach England gebracht. Doch er erging einer Verurteilung, denn König Charles II. brauchte den in der Karibik erfahrenen Seestrategen noch - 1673 im Krieg gegen Holland. So ließ der König Henry Morgan frei, erhob den Freibeuter 1674 gar in den Ritterstand und ernannte ihn schließlich zum Vizegouverneur von Jamaica.

...zum Vizegouverneur und Nationalhelden des Empires

Morgan machte die Insel mit der Hafenanlage Port Royal zum Hauptstützpunkt englischer Seeräuberei gegen die spanische Armada. In seiner Funktion als Vizegouverneur konnte er nunmehr auch seine ganze Macht ausspielen und ließ seine ehemaligen Mitstreiter gnadenlos verfolgen und hinrichten. Er selbst zog sich ins Hochland von Jamaika zurück, baute Zuckerrohr an und lebte in einer komfortablen Villa in Llanrumney.

Der einst gefürchtete Freibeuter verbrachte seine Nächte allerdings immer häufiger in den Spelunken von Port Royal und verfiel dem Alkohol. Der Kirche St. Peters Church überließ er seinen Anteil an der Beute von Panama. Den Schatz halten die Geistlichen noch heute in Ehren. Am 25. August 1688 starb Henry Morgan. Der Nationalheld Englands erhielt ein Staatsbegräbnis.

Reinhard Hauke - 45 Jahre alt, Online-Redakteur und Webdesigner. Themen: Geschichte, Archäologie, Natur und Umwelt, Reisen

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