
- Fred Fischer und übergibt Grit Holz den Preis. - Ilse-Ruth Uebner
Mit gemischten Gefühlen nahm Fred Fischer, Bürgermeister des kleinen Dorfs Pudagla im Achterland, den Preis „Gastfreundlicher Usedomer“ im Jahr 2010 vom Tourismusverband der Insel Usedom (TVIU) entgegen. Froh war er, weil damit die Bockwindmühle, eine Attraktion, die sein Dorf weit über die Grenzen hinaus bei Inselbewohnern und Urlaubern beliebt und bekannt gemacht hat, so auch im Winter mal wieder ins Gespräch kommt. Unwohl war ihm, dass nur sein Name bei der Preisverleihung im Dezember fiel. „Ich war zwar mit dabei, als der Verein Freunde der Bockwindmühle Pudagla im Juni 2001 gegründet wurde, bin auch bis heute Mitglied, aber die Arbeit machen andere“, sagt er. Deshalb sei der richtige Platz für das Boot mit dem roten Segel in der Mühle. Hier übergab er der Vereinsvorsitzenden, Grit Holz, den TVIU-Preis. Sie wird dafür einen angemessenen und sichtbaren Platz im Eingangsbereich der Mühle finden. „Wir haben hier vor acht Jahren ein Mehrzweckgebäude errichtet, mit Infobereich, Küche, Toilette und Kasse“, erklärt Grit Holz.
Die älteste, produktionsfähige Bockwindmühle Norddeutschlands
Ab 1. Mai bis zum 15. Oktober sei die Mühle wieder täglich zu besichtigen, Montag bis Freitag von 10 bis 16 Uhr, Sonnabend und Sonntag von 13 bis 16 Uhr. Aber auch in der Vor- und Nachsaison könne man nach Anmeldung ein Blick in die älteste, noch produktionsfähige Bockwindmühle Norddeutschlands werfen.
Mühle und Pudagla gehören schon seit mehr als 250 Jahren zusammen, steht in den Chroniken. Als Müllermeister Jacob Schmidt 1779 seinem Stiefvater für 1000 Taler die Mühle mit allen Gerätschaften und Ländereien abkaufte, wurde hier Roggen gemahlen und Grütze gestampft. Bis 1810 schrieb der Mühlenzwang allen Bauern im Umkreis vor, ihr Korn in Pudagla zu mahlen. Nachdem dieses Monopol gefallen war, mussten sich die Mahl-Domänen der Konkurrenz stellen. Die Bockwindmühle Pudagla schaffte das noch 127 Jahre lang. Dann wurde der Mahlbetrieb eingestellt und das Bauwerk begann zu verfallen. Ohne Flügel und mit bedrohlich geneigtem Hausbaum sah es einer Mühle kaum noch ähnlich. Vielleicht rettete die Verpachtung an einen Berliner Zahnarzt in den 1980er Jahren das stolze Pudagla-Symbol vor dem endgültigen Aus? Jedenfalls war 1996 noch soviel Mühle übrig, dass der Erhalt für die öffentliche Nutzung des Baudenkmals sinnvoll war. Die Gemeinde erwarb sie für eine Mark. Gemeinsam mit dem Verein „Kulturmühle Benz“ wurden erfolgreich Fördermittel für die Sanierung der Bockwindmühle eingespielt. Damals waren die Zeitungen voll mit Artikeln über Demontage, Restaurierung und Wiederaufbau.
Freunde der Bockwindmühle Pudagla sorgen für Leben in der Mühle
Dass das gerettete Baudenkmal nun auch lebt, dafür sorgen Menschen wie Grit Holz und die zwölf aktiven Freunde der Bockwindmühle Pudagla. „Und viele Helfer aus dem gesamten Dorf“, ergänzt die Vereinsvorsitzende. Ohne deren Unterstützung wären die vielen Events auf dem Mühlenberg kaum zu stemmen. Ostern würde die Mühlensaison mit Eiersuche und Osterbrotbacken eröffnet, weist Grit Holz in die nahe Zukunft. Dann fiebere man schon dem Tag der Mühle, Pfingstmontag, entgegen. „Es wird Korn gemahlen und wir brauchen Helfer, um die Mühle in den Wind zu drehen.“ Natürlich stehen auch wieder ein Sommerfest für die ganze Familie am ersten Ferienwochenende und ein romantischer Mühlenabend Ende August auf dem Plan. Am Tag des offenen Denkmals ist die Pudagla-Mühle auch dabei, bevor mit dem Erntedankfest im Oktober von der Mühlensaison Abschied genommen wird.
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