Es sollte die größte Blamage des deutschen Fußballs werden - bei keiner anderen Weltmeisterschaft schnitt eine deutsche Mannschaft so schlecht ab wie 1938. Dabei war die aus österreichischen und deutschen Spielern zusammen gestellte Mannschaft einer der Turnierfavoriten. Schließlich hatten Deutschland und Österreich bei der Skandal-WM 1934 die Plätze drei und vier belegt. Doch in der ersten Runde war bereits alles vorbei - gegen die Schweiz gab es zunächst ein 1:1 und es wurde ein Wiederholungsspiel notwendig. Es seitzte eine 2:4-Niederlage, und die "großdeutsche" Mannschaft musste die Heimreise antreten.
Aus zwei Spielsystemen ein Team?
Dass die aus politischen Gründen zusammen gestellte Mannschaft nicht funktionieren konnte, hatte Sepp Herberger von Anfang an befürchtet. Zu unterschiedlich waren die Spielauffassungen der beiden Teams. Während die Österreicher vor allem auf technisch anspruchsvolles Kurzpassspiel setzte, spielte die deutsche Mannschaft athletischer und zielstrebiger. Außerdem waren die österreichischen Spieler Fußballprofis, die deutschen jedoch Amateure. Den Profisport hatten die Nazis abgeschafft.
Qualifiziert, aber nicht spielberechtigt
Außerdem hatten sich beide Mannschaften für das Turnier qualifiziert, was die Erfolgsaussichten wesentlich vergrößert hätte. Doch Herbergers Vorschlag, beide Mannschaften zu melden, wurde abgelehnt. Dabei galten beide Mannschaften als Mitfavoiten auf den Titelgewinn; schließlich war 1934 Deutschland Dritter und Österreich Vierter geworden.
Der Turnierverlauf
Das Turnier selbst wurde wie 1934 im reinen K.o.-Modus ausgetragen. Insgesamt hatten sich 16 Mannschaften qualifizert, aber weil österreich nicht mit einer eigenen Mannschaft antrat, nahmen nur 15 Mannschaften an dem Turnier teil. Bis auf Brasiliern bnoykottierten die Südamerikaner die WM, weil ihrem Vorschlag, die Weltmeisterschaften abwechselnd in Europa und in Südamerika auszutragen, nicht entsprochen wurde.
Italien erreichte das Finale durch Siege über Norwegen, Frankreich und Brasilien, der Finalgegner Ungarn hatte Niederländisch-Indien, die Schweiz und Schweden ausgeschaltet. Im Endspiel siegte Italien mit 4:2 und verteidigte damit seinen 1934 auf irreguläre Art und Weise gewonnenen Titel. Dritter des Turniers wurde Brasilien, das Schweden mit 4:2 bezwang. Gleichzeitig rehabilitierte sich Italien während dieses Turniers für seine Auftritte bei der Heim-WM zuvor. 1938 zeigten sie eine faire und deutlich bessere Spielweise.
Weiterführende Literatur:
- Bergmann, Winfried/Huba, Karl-Heinz/Mrazek, Karl-Heinz: Die Geschichte der Fussball-Weltmeisterschaft, Copress-Verlag, 1991, ISBN 3-7679-0311-3.
- Fuhr, Wolfgang: Fußballweltmeisterschaften, Agon-Verlag, 2005, ISBN 3-89784-265-3.
- Grüne, Hardy: Fußball WM Enzyklopädie 1930–2006, Agon-Verlag, 2002, ISBN 3-89784-205-X.
- Hartmann, Waldemar/Netzer, Günter/Kauer, Robert: Menschen, Tore & Sensationen. Geschichte und Geschichten. WM 1930–2006, Wero Press, 2002, ISBN 3-9806973-7-1.
- Schulze-Marmeling, Dietrich/Dahlkamp, Hubert: Die Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaft 1930–2006, Die Werkstatt, 2004, ISBN 3-89533-461-8.
- Schulze-Marmeling, Dietrich und Dahlkamp, Hubert, Die Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaft 1930 - 2010, Die Werkstatt, ISBN-13: 978-3-895337-53-6
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