Das Azteken-Reich war eines der mächtigsten politisch-militärischen Staatengebilde auf dem amerikanischen Kontinent bis zur Ankunft der Spanier im frühen 16. Jahrhundert. Zwischen dem 14. und dem 16. Jahrhundert herrschten die Azteken über einen losen Verbund von mächtigen Stadtstaaten und tributpflichtigen Völkerschaften im heutigen Zentral-Mexiko.
Die aztekische Adelsschicht
Dominiert wurde die aztekische Gesellschaft von einer kriegerischen Adelsschicht, die die Kultur strenger militärischer Erziehung bei den Azteken nachhaltig prägte. Diese schmale Bevölkerungsschicht stand wiederum unter der Führung des jeweiligen Königs von Tenochtitlán. Das 1325 gegründete Tenochtitlán war zugleich Hauptstadt und Handelszentrum des Azteken-Reiches im Gebiet des heutigen Mexiko-Stadt und zählte bis zu 200.000 Einwohner. Der dort residierende Azteken-König herrschte bis zur Ankunft der Spanier mit nahezu absoluter Macht.
Sklaven bei den Azteken
Am unteren Ende der hierarchischen Klassengesellschaft der Azteken stand die relativ breite Schicht der Arbeitssklaven. Anders jedoch als im europäisch-amerikanischen Sklavensystem, welches die Spanier zuerst in die Neue Welt brachten, wurde der niedrige Status des Sklaven nicht auf die eigene Kinder vererbt. Diese galten als „frei“ geboren.
Tenochtitlán, Zentrum der Azteken-Kultur
Als wichtigstes Handels- und Verwaltungszentrum des Azteken-Reiches fungierte Tenochtitlán auch als zentraler Kultort des aztekischen Vielgötterglaubens (Polytheismus). Hier befand sich auch eine dem aztekischen Hauptgott Huitzilopochtli geweihte Tempel-Pyramide. Huitzilopochtli wurde von den Azteken als Kriegs- und Sonnengott verehrt.
Menschenopfer im aztekischen Opferkult
Innerhalb des aztekischen Opferkultes besaßen Menschenopfer nachweislich eine große Bedeutung. Dabei ist das volle Ausmaß des aztekischen Menschenopfer-Kultes umstritten, da viele Quellen, die uns von blutrünstigen Opferfesten auf den Tempel-Pyramiden erzählen, von christlichen Missionaren stammten.
Die brutalen Kriegszüge der Azteken
Um den „Bedarf“ an Menschenopfern für die mächtige Priester-Kaste der Azteken regelmäßig zu befriedigen, unternahmen die Azteken immer wieder äußerst brutale Kriegszüge. Deren vordringliches Ziel war es, möglichst eine große Zahl von potentiellen Menschenopfern aus den Kriegsgefangenen lebend nach Tenochtitlán zu bringen.
Die Machtexpansion des Azteken-Reiches
Die Machtexpansion des Azteken-Reiches begann im ausgehenden 14. Jahrhundert: Eroberte Städte und Völkerschaften wurden nach und nach zu Tributzahlungen verpflichtet und in das von Maisanbau, Handel und einem hoch entwickelten Handwerk geprägte Wirtschaftssystem der Azteken eingebunden. Eine einheitliche Rechtsordnung besaß das zusammen geraubte Azteken-Reich jedoch nie. Noch vor Ankunft der Spanier begann die militärische Expansion der Azteken überdies zu stocken.
Die Bilderschrift der Azteken
Quellen über diese Zeit sind gleichwohl kaum vorhanden, da die Azteken nur über ein sehr unzureichendes Schriftsystem verfügten. Es handelte sich hierbei um eine hieroglyphenartige Bilderschrift, die im Hinblick auf differenziertere Ausdrucks- und Darstellungsmöglichkeiten naturgemäß eher beschränkt war.
Nahuatl – die Sprache der Azteken
Dagegen entwickelte sich die gesprochene Sprache der Azteken, Nahuatl, zu einer der wichtigen Verkehrssprachen Mittelamerikas. Sie wurde über das Azteken-Reich hinaus auch in der Oberschicht der Maya-Kultur noch verstanden.
Der aztekische Dreibund
Die regelmäßigen Tributzahlungen unterworfener Völker beschleunigten über Jahrhunderte hinweg das Wachstum der aztekischen Städte, allen voran der Hauptstadt Tenochtitlán. Diese erstreckte sich zu Beginn des 16. Jahrhunderts über eine lagunenartige Kette von Inseln im Texcoco-See. Tenochtitlán war Teil des so genannten „Aztekischen Dreibundes“, einer Art aztekischen Städtebundes unter der Führung Tenochtitláns.
Der aztekische Dreibund war den Spanier nicht gewachsen
Als mächtigstes aztekisches Militärbündnis war der Dreibund bis zur Eroberung des Azteken-Reiches durch die Spanier der entscheidende Motor für die Machtentfaltung der Azteken im mittelamerikanischen Raum. Trotz seiner Macht und militärischen Effizienz war er dem Ansturm der Spanier unter Hernán Cortés ab 1519 jedoch kaum gewachsen.
Sieg der Spanier über den aztekischen Militärapparat
Vor allem das geschickte Taktieren der spanischen Konquistadoren mit den zahlreichen Feinden der Azteken ermöglichte eine baldige Niederringung des aztekischen Militärapparates. 1521 wurde die prächtige Hauptstadt Tenochtitlán fast völlig zerstört. Ein Großteil der aztekischen Bevölkerung starb während dieser Phase zudem an einer verheerenden Pockenepidemie. Die Überlebenden wurden schließlich zum Christentum bekehrt.
Mythologie der Azteken-Kultur im heutigen Mexiko
Die aztekische Kultur verschwand nun allmählich, ohne jedoch völlig zu erlöschen. Im Zuge der mexikanischen Unabhängigkeitsbewegung gegen die europäisch-spanischen Kolonisatoren während des frühen 19. Jahrhunderts suchte man einen Gutteil der neuen mexikanischen Nationlidentität in die Traditionen des aztekischen Großreichs zurück zu binden. Bereits das mexikanische Staatswappen weist hierbei deutliche Anklänge an die Mythologie der Azteken-Kultur auf. Selbst der heutige Staatsname des ehemaligen Vizekönigreichs Neu-Spanien, Mexiko, ist aztekischen Ursprungs.
Die heutige Bedeutung der Azteken-Sprache Nahuatl
Weit wichtiger als die Rolle aztekischer Mythologien und Symbole in der hispano-mexikanischen Kultur der Gegenwart ist jedoch die Bedeutung der einstigen Azteken-Sprache Nahuatl. Noch rund 1,5 Millionen Nahuatl-Sprecher gibt es in Mexiko. Dennoch wird die Sprache zunehmend durch das Spanische verdrängt. Als Sinnbild mexikanischer Identität soll Nahuatl jedoch langfristig wieder an Bedeutung gewinnen, zum Beispiel durch die Einführung als Schulpflichtfach. Grade in den letzten Jahren sind hierfür zahlreiche, staatlich geförderte Initiativen entstanden.
