Die Geschichte der Capoeira

In Brasilien verboten, dann gefördert: Ein Kampftanz erobert Europa.

Mit den Sklaven kam auch die Capoeira nach Brasilien. Zuerst kriminalisiert, dann zum Nationalsport erhoben, begeistert sie heute immer mehr Europäer.

Das brasilianische Herz der Capoeira schlägt im Bundesstaat Bahia. Dort lernen die Schüler oft im Sportunterricht die typischen Bewegungen des Kampftanzes: Sie schlagen das Rad, machen die Brücke, wirbeln um die eigene Achse. Sie spielen auf den Instrumenten und singen, meist vom Leid der Sklaven. Das Fehlen von statischen Regeln beflügelt die Kreativitätder Capoeiristas - so heißen jene, die Capoeira praktizieren - und schärft ihre Reaktionsfähigkeit. Capoeira belebt Geistund Körper. Und nebenbei vermittelt es brasilianische Geschichte.

Die Wurzeln

Der genaue Ursprung des brasilianischen Nationalsports Capoeira ist nicht bekannt. Fest steht lediglich, dass die afrikanischen Sklaven Capoeira spielten um sich fit zu halten. Die Techniken des waffenlosen Kampfspiels bereiteten sie auf eine etwaige Flucht vor, die eingeübten Tritte, Schläge und Würfe erleichterten die Verteidigung. Dass die Capoeira von Sklavenhaltern nicht gerne gesehen wurde, liegt auf der Hand. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts verbaten verschiedene Erlässe den Kampftanz. Zur selben Zeit entdeckte jedoch auch die Oberschicht die Vorzüge des geschickten Angriffs und der Verteidigung. Die Capoeiristas wurden als Ordnungshüter eingesetzt und von den Reichen bezahlt, um ihr Hab und Gut zu verteidigen. In Folge wurde das Capoeira-Verbot nur „halbherzig“ umgesetzt.

Das Verbot

Erst 1889, als in Brasilien die Republik ausgerufen wurde, wurde Capoeira offiziell kriminalisiert und verboten. Die Capoeiristas musizierten, spielten und kämpften fortan im Untergrund weiter. Das änderte sich erst, als Getúlio Vargas, der erste Präsident der Zweiten Republik, 1937 eine Vorführung von Mestre Bimba sah. Beeindruckt von den akrobatischen Einsätzen der Capoeiristas beschloss er, Capoeira als Nationalsport zu etablieren. Die ersten Schulen entstanden, ein paar Jahre später fesselte Capoeira als nationales Symbol bereits neugierige Touristen.

Zwei Stile (Schulen): Regional und Angola.

Mestre Bimba gilt als Begründer der Capoeira Regional. Manoel dos Reis Machado, wie er ursprünglich hieß, kam als Hafenarbeiter immer wieder in die USA. Dort lernte er asiatische Kampftechniken kennen, die er in die Capoeira integrierte: Er machte die Bewegungen schneller, akrobatischer, spektakulärer.

Obwohl Mestre Bimba die Capoeira aus der Illegalität holte, behaupten die Anhänger von Mestre Pastinha, das traditionelle Capoeira zu spielen: Capoeira de Angola. Die Bewegungen dieser Schule sind langsamer, fließender, weniger akrobatisch. Die Angoleiros bewegen sich dichter am Boden als die Capoeiristas Regional. Während die Capoeira Regional typische Bewegungen der Capoeira Angola beinhaltet, ist das umgekehrt nicht der Fall.

Das Spiel

Gespielt wird in der „roda“, das ist ein Kreis, der von den Capoeiristas gebildet wird. Die Spieler klatschen, sie schütteln das Tamburin (pandeiro), trommeln, oder spielen auf dem Berimbau, einem einfachen Instrument. Es besteht aus einem langen Stecken, dessen Enden mit einer Schnur verbunden sind, und aus einem ausgehöhlten Kürbis. In der Mitte der roda sind die beiden Kämpfenden, sie deuten ihre Angriffe an, berühren sich dabei aber nicht. Zwischen dem schnellen Wechselspiel aus Angriff, Ausweichbewegung und Gegenangriff praktizieren sie immer wieder die „ginga“, den wippenden Grundschritt. Wer in den Kreis will, löst einen der Spieler mit einem Klaps auf die Hand ab. Ein Spiel dauert in der Regel nur wenige Minuten.

In den 1980er Jahren fanden sich auch in Europa und in Nordamerika vereinzelt Capoeira-Fans. Heute gibt es in Deutschland in allen großen Städten Capoeira-Schulen.

Gerit Gönitzer - Den Großteil meines Lebens verbrachte ich in Wien. Dort studierte ich auch Sozial- und Kulturanthropologie, Publizistik und ...

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