Die Geschichte der Feuerwerkskunst in Europa - Ein Kurzüberblick

Schmetterling Bombe - Emotion-Fireworks
Schmetterling Bombe - Emotion-Fireworks
Feuerwerke im großen wie im kleinen Rahmen sind sehr beliebt - nicht nur zu Silvester. Wie sie sich entwickelt haben, zeigt ein kurzer historischer Abriss.

Das Feuerwerk zu Silvester hat mittlerweile eine lange Tradition und lässt sich aus dem europäischen Kulturkreis nicht mehr wegdenken. Auch zu anderen festlichen Anlässen gehört das Großfeuerwerk zu den größten Highlights der Veranstaltung und wird meist als krönender Abschluss dargeboten. Ob zum Jahreswechsel, royalen Hochzeiten, gesellschaftlichen Großereignissen oder privaten Inszenierungen, ein Feuerwerk ist immer faszinierend.

Mittlerweile hat sich die Pyrotechnik so weit fortentwickelt, dass ein Fachmann im Rahmen eines Großfeuerwerks nicht nur unglaubliche Bilder aus Feuer in den Nachthimmel zu zaubern versteht, sondern eine ganze Abfolge choreografierter Feuerwerksbilder so synchron zu einer ausgewählten Musik zünden kann, dass die Feuerblumen rhythmisch dazu tanzen. Bis die moderne Pyrotechnik von heute allerdings so weit fortentwickelt war, musste sie eine lange Entwicklungsgeschichte durchmachen, die ihre ersten Wurzeln in den Anfängen der Menschheit mit der ersten Beherrschung des Feuers hatte und sich nach Erfindung des Schwarzpulvers im alten China vor allem im Europa des 15. Jahrhunderts zu entwickeln begann.

Die größten kulturhistorischen Erfolge der Feuerwerkskunst sind zweifelsohne die großen Barockfeuerwerke. Ohne das technische Know-how von heute verstand man es, tolle Inszenierungen aus Feuer einem staunenden Publikum darzubieten. Mit dem Wissen und der Technik von heute allerdings verstehen es leidenschaftliche Pyrotechniker, aus Feuerwerken eine Feuerkunst am Nachthimmel zu machen.

Die Anfänge des europäischen Feuerwerks im Italien des 14. und 15. Jahrhunderts

Die europäische Feuerwerkskunst hat ihre Wurzeln im frühneuzeitlichen Italien des 15. Jahrhunderts, obgleich schon aus dem Jahr 1379 ein Pfingstfeuerwerk aus dem oberitalienischen Vincenza überliefert wurde. Dabei handelte es sich um ein sogenanntes Hängefeuerwerk, bei dem eine feurige Taube an einer Schnur entlang auf die Zuschauermenge zuraste und dann vor ihren staunenden Augen explodierte und Funken in alle Richtungen sprühte. Diese Hängefeuerwerke mit Tiersymbolen wie Tauben oder Drachen wurden von da an regelmäßig zu hauptsächlich christlichen Festveranstaltungen durchgeführt. Dazu zählten auch die Fuochi zur Johannisfeier aus dem Jahre 1454 in Florenz. Von Italien aus griff diese Feuerwerkstechnik über auf andere europäische Staaten, wobei jedes Land wiederum diese Kunst ein Stück weiter entwickelte.

Das Feuerwerk als Inszenierung zu gesellschaftlichen Ereignissen im 16., 17. und 18. Jahrhundert

Bis ins frühe 16. Jahrhundert hinein war der Gebrauch des explodierenden Schwarzpulvers außer zu militärischen Zwecken im restlichen Europa hauptsächlich der Arbeit in den Minen und Steinbrüchen vorbehalten. Allerdings wurde auch in Paris 1615 anlässlich der Hochzeit Ludwigs XIII. mit Anna von Österreich ein großes Feuerwerk abgehalten. Das italienische Feuerwerk gelangte erstmals bereits 1533 mit der Hochzeit Heinrichs II. mit Katharina von Medici nach Frankreich.

Blieb das inszenierte Feuerwerk zwei Jahrhunderte zuvor in Italien religiösen Zwecken und der Veranschaulichung von Krieg und Frieden vorbehalten, bekam das Feuerwerk nun eine neue Bedeutung als schmückendes Beiwerk zu gesellschaftlichen Anlässen. Diese sogenannten Lustfeuerwerke entwickelten sich in jedem Land eigenständig und völlig unabhängig von den frühen italienischen Hängefeuerwerken. Bei den französischen Freudenfeuern handelte es sich noch nicht um Feuerwerke im heutigen Sinne, sondern um das Abbrennen großer Feuerwerksaufbauten in architektonischer Form, die anschließend durch Inszenierte Feuer ganz oder teilweise abgebrannt wurden.

Bis heute in aller Munde sind die großen Barockfeuerwerke in Frankreich, England und Deutschland. Eines der berühmtesten Feuerwerksinszenierungen des Spätbarocks war das große Feuerwerk, das König George II. von England anlässlich der Beendigung des österreichischen Erbfolgekrieges durchführen ließ, zu dem er eigens Georg Friedrich Händel mit der Komposition der passenden „Feuerwerksmusik“ beauftragte.

Das Feuerwerk und seine Bedeutung in der heutigen Zeit

Die Feuerwerkskunst in Europa durchlief einen starken gesellschaftlichen Wandel. Von der ursprünglich rein religiös-symbolischen Bedeutung hin zum gesellschaftlichen Großereignis des europäischen Hochadels ist das Feuerwerk heute längst zu einem attraktiven Freizeitspaß geworden, der auch im privaten Rahmen von jedermann gerne durchgeführt wird – zumindest an Silvester, soweit es die behördlichen Bestimmungen zulassen.

Als professionelle Großinszenierung darf ein Feuerwerk nur von ausgebildeten Pyrotechnikern durchgeführt werden. Außerdem bedarf es für Großfeuerwerke einer vorherigen behördlichen Genehmigung. Wann immer ein Ereignis von herausragender gesellschaftlicher oder politischer Bedeutung, wie zum Beispiel zur Öffnung des Brandenburger Tores nach dem Mauerfall und die großen Festakte hierzu im Angedenken an dieses Ereignis, stattfindet, wird es begleitet von einem riesigen Feuerwerk, an dem die besten Pyrotechniker der Welt mitarbeiten. Auch wenn Feuerwerksgegner jedes Jahr erneut gegen private Feuerwerke aus gesundheitlichen Gründen, wegen der Unfallgefahr und wegen der Feinstaubbelastung mobil machen, so bleibt die Tradition der Feuerwerkskunst doch ein wesentlicher Bestandteil unserer Kultur.

Quellenangabe und Danksagung:

Ein großer Dank gilt Herrn Marcel Keilholz von Emotion-Fireworks für die Bereitstellung der professionellen Feuerwerksbilder und für seine fachlichen Informationen zu moderner Pyrotechnik.

Sigrun Hopfensperger, Sigrun Hopfensperger

Sigrun Hopfensperger - Sigrun Hopfensperger - Kurzvita: geboren am 16. Juni 1967 in MünchenAuf dem Ersten Bildungsweg das Gymnasium bis zur 11. Klasse ...

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