Zwischen Borghorst, einem Stadtteil von Steinfurt, und Emsdetten an der L559, auch bekannt als das Hollicher Esch, steht die Hollicher Mühle. Um eine 1858 abgebrannte Mühle zu ersetzen, erwarben ein Müllermeister aus Ahaus und ein Landwirt aus Weseke das Grundstück und beantragten am 30. März 1859 den Bau. Bereits am 16. November wurde die Betriebsbereitschaft attestiert, einen Monat später nahm der Achteck-Gallerieholländer den Dienst auf – nach nur sechs Monaten. Diese enorme Geschwindigkeit wurde erreicht, indem eine Mühle aus Osnabrück abgebaut und in Hollich neu errichtet wurde. Erst 1868 wurde das Müllerhaus neben die Hollicher Mühle gebaut. Zuvor hauste die Familie in der zugig-feuchten Mühle selbst. Die weithin sichtbare Mühle wurde schnell zum Wahrzeichen der Bauernschaft Hollich.
Die Mühle wird modernisiert
Windkraft ist zwar sehr kostengünstig, leider aber auch äußerst unzuverlässig. Bereits 1893 wurde die Mühle deshalb mit einer Dampfmaschine unterstützt, später mit Diesel- und schließlich Elektromotoren. Nach dem ersten Weltkrieg, um 1920, wurden die überflüssig gewordenen Flügel von der Mühle abmontiert. Dadurch wirkte die Mühle unfertig, führte ihre Dienste aber wie gewohnt aus.
Finanzieller Absturz
Im Jahr 1930 erwarb dann der inzwischen verstorbene Müllermeister Wilhelm Runte die Mühle und setzte sie weiterhin gewerblich ein. Dabei verzichtete er jedoch darauf, den umliegenden Bauern Konkurrenz zu machen. Als Katholiken in einer protestantischen Bauernschaft hatte Familie Runte es ohnehin schon schwer genug. Dreißig Jahre lang mahlte die Mühle Korn für kleinere Höfe zu Mehl und zu Schrot. 1960 schließlich wurde die Mühle unrentabel, rutschte in die roten Zahlen und wurde stillgelegt. Die Mühle verfiel zusehends. Der Innenraum verrottete, das Dach wurde undicht. Tauben, Ratten und jede Menge Ungeziefer machten sich breit und beschleunigten den Verfall der Mühle noch weiter.
Rettung in letzter Sekunde
Die Burgsteinfurter Heimatfreunde gründeten 1985 unter Leitung des Oberkreisdirektors Dr. Heinrich Hoffschulte den Förderkreis Hollicher Mühle e.V.. Zweck der Gründung war die Restaurierung der Mühle mit dem Ziel, sie in altem Glanz erstrahlen zu lassen und auch im Inneren voll funktionsfähig zu machen. Das inzwischen denkmalgeschützte Bauwerk musste von Grund auf saniert werden, die fehlenden Teile in mühsamer Handarbeit rekonstruiert werden. Insgesamt beliefen sich die Kosten für die Wiederherstellung auf ungefähr 1,5 Millionen DM.
Am 24. September 1988 war es dann soweit. Präsentiert mit einem riesigen Mühlenfest wurde die Hollicher Mühle wieder der Öffentlichkeit präsentiert. Der einzige Wermutstropfen an diesem Tag war das durchgehend regnerische Wetter, was den Besucherzahlen jedoch keinen Abbruch tat.
Nutzen für die Zukunft
Die während der Restaurierung wiederentdeckten handwerklichen Methoden und Arbeitstechniken sollten auch bei Renovierung anderer Denkmäler weiter verwendet werden. Hierzu wurde die NRW-Stiftung für Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege ins Boot geholt. 1990 entschied die Stiftung, sich das Erbbaurecht für einen Zeitraum von 99 Jahren zu sichern, jedoch ohne den Eigentümer dafür zu entschädigen. Die Mühle wird heutzutage für Demonstrationen und zur Pflege alter Handwerkskunst verwendet. Außerdem werden von Mitte April bis Mitte Oktober jeden Samstagnachmittag Führungen für die Allgemeinheit veranstaltet.
Mehr über Gallerieholländer erfahren Sie in meinem Artikel über Windmühlenkonstruktion.
