Sie sind wuschelig, selbstbewusst und haben eine kräftige Hinterhand mit abgeschlagener Kruppe - die Islandpferde. Und trotzdem gibt es das typische Islandpferd nicht - eine enorme Vielfalt zeichnte diese robusten Kleinpferde aus. Elegante Tiere stehen neben derben, sensible neben stoischen. Manche sind scheu, andere wieder nicht. Eines ist den kleinen Naturburschen allerdings gemein: ihr guter Charakter und ihre Leistungsbereitschaft. Typisch hingegen sind weiters die beiden zusätzlichen Gangarten Tölt und Rennpass.
Transportmittel, Arbeitstier und Freund
Heimatland der Isis ist - nomen est omen - Island. Dorthin gebracht wurden sie im 9. Jahrhundert von norwegischen Bauern, die ihre Ponys mit den Keltenponys aus Nordschottland gekreuzt hatten. Ohne ihre Pferde wären die Bewohner Islands verloren gewesen - zum einen wurden sie zur Arbeit verwendet, zum anderen konnte man mit ihnen die Entfernungen leichter überwinden als zu Fuß. Um die Qualität der Isländer zu bewahren, wurde schließlich ein Einfuhrstopp für Pferde erlassen. Aber genau diese Qualität, ihre Leistungsbereitschaft und ihre Robustheit bescherten den kleinen Pferden zu Beginn der Industrialisierung schwere Zeiten. Nicht selten wurden sie ins Ausland verkauft, wo sie unter Tag Kohlewagen ziehen mussten und jahrelang nicht ans Tageslicht gebracht wurden - mit dem Resultat, dass die tapferen Arbeiter erblindeten. Doch im vorigen Jahrhundert kam es zu einer Renaissance: Die Pferde wurden in Irland wieder zum Statussymbol, Reiten zum Volkssport. Sie eroberten nach dem Zweiten Weltkrieg Europa ein zweites Mal. Diesmal nicht als Arbeitstier, sondern als Freund und Begleiter bei ausgedehnten Reittouren.
Unkomplizierte Haltung
Einzelboxen und warme Ställe sind nicht das ihre - Isis lieben das Herdenleben und den täglichen Aufenthalt im Freien. Außer sie sind krank oder müssen täglich arbeiten. Während Isländer , vor allem Zuchtpferde, auf ihrer Insel nach wie vor das ganze Jahr mehr oder weniger in Freiheit leben dürfen, hat sich hierzulande ein vor Zugluft geschützter Offenstall als optimale Variante herauskristallisiert. Diesen können die Pferde jederzeit aufsuchen, er bietet Schutz vor Regen, Sonne und Hitze. Gleichzeitig können sie sämtliche Vorzüge des Herdenlebens genießen. Zur Versorgung mit Wasser haben sich isolierte Selbsttränken bewährt, die im Idealfall im Winter sogar beheizt werden können. Futterplätze sollten im Trockenen und so gebaut sein, dass auch rangniedrige Tiere ungestört fressen können. Relativ wenig Aufwand benötigt auch die Fellpflege: Im Idealfall werden die Pferde nur vor und nach dem Reiten geputzt, Mähne und Schweif werden nur sehr selten geschnitten.
Kein Wunder also, dass sich die gutmütigen, belastbaren und pflegeleichten Islandpferde zunehmend größerer Beliebtheit bei Jung und Alt erfreuen.
