Die Geschichte der legendären Bühnen am Berliner Kurfürstendamm

Vorhang auf - btb
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Die Publikumslieblinge Harald Juhnke und Günther Pfitzmann gelten als Könige des Kurfürstendamms. Die Geschichte der Bühnen reicht zurück bis ins Jahr 1922.

Es ist eine Tragödie, was sich derzeit mitten in Berlin am Theater am Kurfürstendamm und der benachbarten Komödie am Kurfürstendamm abspielt. Beide Theater sind Kult. Es sind die bekanntesten und beliebtesten Theaterbühnen im deutschsprachigen Raum. Doch im Zuge der Erneuerung des gesamten Areals des in die Jahre gekommenen Ku'damm-Karrees sollen die Häuser geschlossen werden. Ungeachtet dessen, welch' wechselvolle Geschichte sie geschrieben und welch' Bedeutung sie für die Stadt Berlin und ihre Bürger haben. Und darüber hinaus. Denn wo immer in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten Logen- oder Boulevardtheater gebaut wurden, geschah dies nach dem Vorbild der Ku'damm-Bühnen. Diese Bühnen sind Klassiker und sie zählen seit langem zu den meistbespielten Häusern in Deutschland..

Die Geburtsstunde des Theaters am Kurfürstendamm

Ihre Geschichte reicht zurück bis ins Jahr 1921. Damals baute der berühmte Theaterarchitekt Oskar Kaufmann den Saal eines Gebäudes, das inmitten eines Parks mit altem Baumbestand beheimatet war und bereits ab 1906 als Kunsthalle, Theater und Kino genutzt wurde, zu einem Theater im klassischen Sinne aus. Das ist die Geburtsstunde des Theaters am Kurfürstendamm. Der Schauspieler und Regisseur Curt Goetz bestreitet die Eröffnungsvorstellung mit seinem selbstgeschriebenen Stück "Ingeborg". An seiner Seite Adele Sandrock, Schauspiel-Ikone der damaligen Zeit.

Boulevardtheater am Kurfürstendamm

Zwei Jahre später lässt der Theaterregisseur Max Reinhardt, der deutsche Theatergeschichte geschrieben hat, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Theater am Kurfürstendamm die Komödie am Kurfürstendamm errichten. Gleicher Architekt, gleiche Sparte: Boulevardtheater. 1928 übernimmt Max Reinhardt das Theater am Kurfürstendamm als Theaterleiter und lässt es renovieren. Die Mauern der Spielstätte bilden bis heute das Gerüst der beliebten Bühne. 1935 übernimmt Hans Woelffer, Berliner Operndirigent und -regisseur, beide Häuser.

Pauschalreisen an den Kurfürstendamm

In den 1950er und 1960er-Jahren ziehen die Bühnen mit einem Aufgebot an Stars, das seinesgleichen sucht, Publikum aus aller Welt in die Stadt. Hans Woelffer übernimmt 1961 zudem das "Theater des Westens" in der Kantstraße. In dieser Zeit werden die Theaterpauschalreisen erfunden. Ein Jahr später werden die Bühnen am Kurfürstendamm abermals generalüberholt. 1965 steigen Hans Woelffers Söhne, Jürgen und Christian, als Mitgesellschafter in das Familienunternehmen ein. Von 1971 bis 1974 wird das Ku'damm-Karree gebaut. Damals ging ein Aufschrei durch die Stadt. Die beiden Theater wurden erhalten und von dem modernen Neubau umschlossen.

Günther Pfitzmann und Harald Juhnke

1976 stirbt Hans Woelffer. Wolfgang Spier wird Oberspielleiter der Bühnen und führt sie zu noch größerem Ruhm. In den 70er und 80er Jahren sind die beiden Theater die bei weitem bekanntesten Privattheater in Deutschland. Fast jedes Stück wird vom Fernsehen aufgezeichnet. Günther Pfitzmann und Harald Juhnke avancieren zu den Königen vom Kurfürstendamm: Pfitzmann bespielt hauptsächlich die Komödie, Juhnke ist im Ku'damm-Theater zuhause. 1989 wird wieder gebaut. Neue Stühle ziehen ein. Und: Das Ku'damm-Karree wechselt den Besitzer.

Berliner Boulevard Kurfürstendamm

Die Probleme um die Zukunft der beiden Häuser wachsen. Sie sind seit jeher in Privatbesitz, weil sie von Anfang an und über eine enorm lange Strecke von mehreren Jahrzehnten so gut liefen, dass auf Subventionen verzichtet werden konnte. 2004 übergab Jürgen Woelffer die Bühnen an seinen Sohn Martin - just am 100. Geburtstag von Hans Woelffer. Trotz ungewisser Zukunft bieten beide Bühnen in alter Manier ein volles und abwechslungsreiches Programm. Wie eh und je gibt sich die Haute Volée der deutschen Schauspielerzunft die Klinken in die Hand. Und das Publikum dankt es mit ungebrochener Treue. Nicht auszudenken, dass der Kurfürstendamm, der Berliner Boulevard, seine beiden Hauptattraktionen verlieren soll - und mit ihm das immer wiederkehrende Bild lustwandelnder Theaterbesucher, die in der Pause mit dem Sektkelch in der Hand für eine Viertelstunde den Ku'damm bevölkern.

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