Die Lößnitzgrundbahn, im Volksmund als Lößnitzdackel oder Grundwurm bezeichnet, ist eine Schmalspurbahn mit der Spurweite von 750 mm zwischen Radebeul-Ost und Radeburg.

Bau der Lößnitzgrundbahn

Der Sächsische Landtag genehmigte den Plan einer Schmalspurbahn von Radebeul nach Radeburg am 17. Januar 1881. Diskutiert wurde noch die Streckenführung. Die Trasse durch den Lößnitzgrund versprach den höchsten verkehrlicher Nutzen.

Die Arbeiten begannen im März 1882. Im Juni 1882 war die Trasse fertig vermessen und im Gelände markiert. Am 20. September 1883 wurde mit dem Bau begonnen. Am 12. August 1884 erreichte der erste Bauzug Radeburg. Am 11. September 1884 wurde die Strecke mit einem Prüfungszug abgenommen und am 15. September 1884 feierlich eröffnet. Ab 16.September 1884 verkehrten drei gemischte Zugpaare auf der Strecke, für die sie etwa 90 Minuten benötigten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Der Zugverkehr auf der Lößnitzgrundbahn wurde Ende Mai / Anfang Juni 1945 wieder aufgenommen. Doch wegen fehlender Kohle fielen häufig Züge aus. Ab 1950 hatte die Schmalspurbahn Radebeul Ost–Radeburg wieder ihre alte Bedeutung. 1955 waren Werktags 8 Reisezugpaare auf der Strecke. An Sonn- und Feiertagen im Sommerhalbjahr verkehrten wieder drei zusätzliche Züge zwischen Radebeul und Moritzburg.

Stilllegungspläne

1964 beschloss der Ministerrat der DDR die Stilllegung aller Schmalspurbahnen in der DDR bis 1975. Für die Schmalspurbahn Radebeul Ost–Radeburg folgte, dass keinerlei Investitionen mehr in die Infrastruktur erfolgten. Nur die notwendigsten Erhaltungsarbeiten wurden ausgeführt.

Doch waren im Bereich der Bahn von Radebeul nach Radeburg größere Probleme bei einem Verkehrsträgerwechsel zu lösen. Die Straßen waren überwiegend in einem schlechten Zustand. Im Lößnitzgrund war die Straße ganze 3 Meter breit und der Betrieb einer Buslinie kaum möglich. Von Friedewald nach Moritzburg fehlte die Straße und größere Umwege wären nötig.

Erste Ausdünnungen im Fahrplan erfolgten bereits Mitte der 1960er Jahre. Die Ausflugszüge an Sonntagen wurden gestrichen. Doch wurde weiterhin eine dichte Folge von Reisezügen gefahren.

Entwicklung ab 1974

Am 17. September 1973 fiel ein Beschluss zur langfristigen Erhaltung von sieben Schmalspurbahnen in der DDR. Dazu gehörte auch die Schmalspurbahn Radebeul Ost–Radeburg. Diese nun vorrangig eine touristischen Attraktion mit Reise- und Güterverkehr werden.

Am 10. August 1974 verkehrte erstmals ein Traditionszug auf der Strecke. Eingesetzt wurden die letzten noch im Ursprungszustand erhaltenen Reisezugwagen der sächsischen Schmalspurbahnen und eine Lokomotive der Gattung IV K. Diese Fahrten wurden in den nächsten Jahren regelmäßig wiederholt. Die Schmalspurbahn Radebeul Ost–Radeburg war die erste Eisenbahnstrecke mit regelmäßigem musealen Betrieb in der DDR.

Nach der Ölkrise 1981 stieg die Güterverkehrsleistung wegen der staatlich verordneten Verlagerung von Transporten von der Straße auf die Schiene wieder an. Zeitweise mussten Reisezüge durch Busse ersetzt werden, damit zusätzliche Güterzüge für die Radeburger Industrie verkehren konnten.

Nach der Wende

Der Personen- und Güterverkehr auf der Strecke brach drastisch ein. Am 31. Mai 1991 verkehrte letztmals ein Güterzug durch den Lößnitzgrund. Am 21. Mai 1993 endete dann der Güterverkehr endgültig. Die baldige Stilllegung zeichnete sich ab. Doch die Deutschen Reichsbahn investierte bis 1993 noch in die Strecke und den Fahrzeugpark. Ab Mai 1991 galt auf der Strecke ein Zweistundentakt.

Nach der Gründung der Deutschen Bahn AG zum 1. Januar 1994 sollte die Strecke schnell stillgelegt oder privatisiert werden. Der Freistaat Sachsen strebte eine Privatisierung nach dem Vorbild der Zittauer Schmalspurbahn und der Fichtelbergbahn an. Die Deutsche Bahn AG plante die Einstellung des Personenverkehrs zwischen Radebeul und Radeburg bis 1998.

Am 8. Dezember 1997 fasste der Zweckverband Verkehrsverbund Oberelbe (ZVOE) den Beschluss, den Schienenpersonennahverkehr auch für die beiden Schmalspurbahnen Radebeul Ost–Radeburg und Freital-Hainsberg–Kurort Kipsdorf zu übernehmen. Im Februar 1998 sagte der Bund Mittel zur Sanierung der Strecken zu. So betrieb die Deutsche Bahn die Strecke zunächst weiter. Doch sie wollte sie auch weiterhin an einen anderen Betreiber abgeben. Am 31. Dezember 2000 übernahm die DB-Tochtergesellschaft Mitteldeutsche Bahnreinigungsgesellschaft (BRG) die Betriebsführung der Schmalspurbahn Radebeul Ost–Radeburg.

Die Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft

Am 11. Juni 2004 gingen die Lößnitzgrundbahn und die Weißeritztalbahn an die BVO Bahn GmbH, die seit Mai 2007 als SDG Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft firmiert. Auf der Lößnitzgrundbahn stiegen die Passagierzahlen wieder deutlich. 2011 wurde mit 240.000 Fahrgästen ein Rekord eingefahten.

Unfall am 12. September 2009

Das 125-jährige Streckenjubiläum wurde am 12. September 2009 gefeiert. An diesem Tag kam es bei Friedewald zu einem schweren Unfall. Ein planmäßig talwärts fahrender Zug stieß zwischen dem Haltepunkt Friedewald und dem Bahnhof Friedewald-Bad mit einem bergwärts fahrenden Sonderzug frontal zusammen. 121 Menschen wurden verletzt.

Literatur

  • Wolfram Wagner, Peter Wunderwald: Das große Buch der Lößnitzgrundbahn Radebeul Ost – Radeburg, Wilsdruffer Bahnbücher Nossen 2008

Quellen

  1. SDG Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft
  2. Traditionsbahn Radebeul
  3. Stadt Radebeul