
- Das Brandenburger Tor auf der Lindenseite - Harald Rossa
Sie ist die Prachtstraße in Berlin und trägt den Namen „Unter den Linden“. Sie führt von der Schlossbrücke bis zum Pariser Platz auf der östlichen Seite des Brandenburger Tores. An der Straße stand das Berliner Schloss der Kurfürsten von Brandenburg, der Könige von Preußen und der deutschen Kaiser.
Der Reitweg vom Schloss zum Tiergarten
1573 ließ Kurfürst Johann Georg einen Reitweg vom Schloss zum Tiergarten anlegen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg waren Stadt und Schloss verwüstet. Kurfürst Friedrich Wilhelm ließ Gärten und Alleen neu anlegen. Darunter auch die Verbindung zwischen dem Lustgarten und dem Tiergarten. Der Reitweg wurde zur Allee mit je 1000 Nussbäumen und Linden.
1663 entstand das Kronprinzenpalais. Um 1670 begann vor den Stadttoren entlang der Linden die Entwicklung der Dorotheenstadt.
1696 ließ Kurfürst Friedrich III. die Akademie der Künste und 1700 die Akademie der Wissenschaften gründen und wies ihnen Grundstücke an der Lindenallee zu. An der Lindenallee wurden einige öffentliche Gebäude und prächtige Wohnhäuser für hohe Bedienstete am Hofe gebaut. Der Verkehr auf den Linden schwoll nach dem Bau des Schlosses Charlottenburg in Lietzenburg deutlich an.
1706 wurde das Zeughaus äußerlich fertig gestellt. Der Innenausbau verzögerte sich allerdings. Heute ist es das älteste Bauwerk Unter den Linden und beherbergt das „Deutsche Historische Museum“. Es bildet mit dem Kommandantenhaus den östlichen Abschluss der Straße.
Friedrich II. hatte große Pläne
König Friedrich II. wollte eine neue Residenz in Berlin errichten. Sein Architekt Wenzeslaus von Knobelsdorff hatte die Pläne dazu fertig. Zunächst ließ er nach seinem Regierungsantritt 1740 das Forum Fridericianum einrichten. Das ist heute der Bebelplatz mit dem Opernhaus, der Sankt-Hedwigs-Kathedrale, der als Kommode bezeichnete Bau der Königlichen Bibliothek und dem Palais des Prinzen Heinrich. Die Pläne für eine neue Residenz wurden zugunsten des Ausbaus von Schloss Charlottenburg und des Potsdamer Stadtschlosses aufgegeben. Das Prinz-Heinrich-Palais ist seit 1810 das Hauptgebäude der heutigen Humboldt-Universität. Deren Juristische Fakultät nutzt die Kommode am Bebelplatz.
Das Brandenburger Tor
Das Brandenburger Tor schleißt die Linden optisch nach Westen ab. Es wurde 1788 bis 1791 unter der Regierung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II. nach Plänen von Carl Gotthard Langhans errichtet. Das klassizistische Bauwerk in der Berliner Akzisemauer wurde zum bekanntesten Wahrzeichen der Stadt und nach dem Zweiten Weltkrieg zum Symbol des geteilten wie des geeinten Deutschlands.
Triumphstraße nach den Befreiungskriegen
Im 19. Jahrhundert ließ Friedrich Wilhelm III. nach den Befreiungskriegen den östlichen Teil der Straße von Karl Friedrich Schinkel zu einer Triumphstraße ausbauen. Dabei wurde das Reiterstandbild Friedrichs des Großen des Bildhauers Christian Daniel Rauch errichtet.
Die Neue Wache
Die Neue Wache entstand zwischen 1816 und 1818. Sie diente als Wachhaus für die königliche Wache und war Gedenkstätte für die Gefallenen der napoleonischen Kriege. 1931 gestaltete Heinrich Tessenow den Bau zu einem Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges um. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude fast total zerstört. 1960 wurde es als Mahnmal für die Opfer des Faschismus und Militarismus neu eingeweiht. Bis zur Wiedervereinigung im Jahr 1990 standen am Tage stets zwei Soldaten des Wachregiments Friedrich Engels als Ehrenwache vor dem Haus. Immer am Mittwoch und Sonnabend gab es um 14:30 Uhr einen „Großen Wachaufzug“ einer Ehrenformation des Wachregiments.
Seit dem Volkstrauertag 1993 ist die Neue Wache die Zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Nur am Volkstrauertag wird vom Wachbataillon eine Ehrenwache für das Gebäude gestellt. Im Innenraum der Neuen Wache steht seitdem die von Harald Haacke auf rund 1,6 Meter Höhe vergrößerte Nachbildung der Skulptur „Mutter mit totem Sohn“ oder „Pietà“ von Käthe Kollwitz. Vor der Skulptur ist der Schriftzug „Den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft“ auf dem Boden zu lesen.
Geschäftszentrum der Gründerzeit
Der westliche Teil blieb zunächst eine repräsentative großbürgerliche Wohnlage. Nach der Reichsgründung 1871 wandelte sie sich dann relativ schnell zu einer belebten Geschäftsstraße.
Neuaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Straße fast völlig zerstört. Der Römische Hof gehörte zu den wenigen Bauten, die den Krieg halbwegs überstanden hatten. Nach 1949 begann der Wiederaufbau. Ab 1949 entstand die Botschaft der UdSSR. Sie ist ein hervorgehobenes Beispiel der Prachtarchitektur unter Stalin. Heute nutzt die Botschaft der Russischen Föderation den Prachtbau.
Dann wurden etliche historische Gebäude nach und nach wieder aufgebaut. Die Ausnahme war das Stadtschloss der Hohenzollern. Dessen nach Expertenmeinung wieder aufbaufähig Ruine wurde 1950 gesprengt und abgetragen. Erst zwischen 1973 bis 1976 entstand in der Lücke der Palast der Republik.
Doch ein Erinnerungsstück an das Stadtschloss wurde aufgehoben. In die Fassade des Staatsratsgebäudes am Schlossplatz wurde viele Jahre nach der Sprengung das ehemalige Portal IV des Berliner Stadtschlosses integriert. Das wird auch als „Karl-Liebknecht-Portal“ bezeichnet. Denn von dem Balkon dieses Portals rief Karl Liebknecht am 9. November 1918 die „sozialistische Republik“ aus.
Das Schloss kommt zurück
Nach der Wiedervereinigung wurden einige Gebäude an den Linden umfassend saniert. Und der wegen Asbestverseuchung geschlossene „Palast der Republik“ schließlich bis 2009 vollständig abgetragen und Rasen verdeckt vorübergehend die Wunde in der Stadt. 2010 soll mit dem Bau des Humboldt-Forums begonnen werden. Auf dem Grundriss und in der Kubatur des Berliner Stadtschlosses soll der historische Eindruck durch die Nachbildung der historischen Fassade wieder hergestellt werden.
