
- Weihnachten wie früher - Weltbild Verlag
Weihnachtskrippen stellen die im Lukasevangelium beschriebene Szenerie von Jesus Geburt im Stall bei Bethlehem plastisch nach: Sowohl in primär katholischen Kirchen als auch in privaten Wohnzimmern werden zur Weihnachtszeit das Jesus in der Futterkrippe, Josef und Maria, Hirten und Schafe, der Esel und der Ochse sowie nicht zuletzt die Heiligen Drei Könige als Figuren aufgebaut – häufig mitsamt modellhaftem Stall, Bäumen und weiteren Accessoires. Die Ursprünge dieses Brauches liegen im Mittelalter.
Krippenspiele und die Entstehung der Weihnachtskrippe
Älter als die figürliche Darstellung sind Krippen- oder Weihnachtsspiele, bei denen – zunächst im liturgischen Rahmen innerhalb der Kirche – die Geburtsszene von Menschen nachgestellt wurde. Als ältestes erhaltenes Weihnachtsspiel in Deutschland gilt das innerhalb der Carmina Burana und in lateinischen Reimversen verfasste Benediktbeurer Spiel. Schnell folgten Darbietungen in der Volkssprache, die im 15. und 16. Jahrhundert folkloristischen Charakter annahmen. Die Krippenspiele mögen zu einer statischen Miniaturdarstellung angeregt haben.
Weihnachtskrippen: Christkindwiegen und der heilige Franz von Assisi
Ein 1581 entstandenes Franziskaner-Manuskript rückt die Weihnachtskrippen dagegen in die Nähe des heiligen Franz von Assisi: Dieser hatte Weihnachten 1223 die Geburtsszene mit realen Menschen und Tieren in einem Wald bei Grecchio nachgestellt. Hier eine direkte Verbindung zur Entstehung der Weihnachtskrippe zu bilden erscheint jedoch fraglich. Ein weiterer Vorläufer dagegen ist das Christkindwiegen: Vor allem in Frauenklöstern wurde eine lebensgroße Krippe – meist gesäumt von Ochse und Esel – mit Jesuskind nachgebaut und von den Nonnen wie ein echtes Neugeborenes umsorgt.
Die Verbreitung von Krippen im Barock
1291scheint eine prächtige Krippe in der römischen Basilika "Santa Maria Maggiore" aufgebaut gewesen zu sein. Bald wurden in weiteren Kirchen Italiens in der Weihnachtszeit Krippen installiert, und allmählich hielt der Brauch auch in anderen Ländern Einzug: So ist für das Jahr 1562 eine Weihnachtskrippe in Prag belegt. Eine breitenwirksame und nachhaltige Etablierung fand jedoch erst im Barock statt. In der Gegenreformation wurde diese veranschaulichende Darstellungsform vor allem von Jesuiten zur religiösen Belehrung und Reanimierung der katholischen Volksfrömmigkeit genutzt. Indem Krippen die Sinne ansprachen, schienen sie den einen hierfür gut geeignet, während sie durch ihren bildhaften Charakter reformatorischen Grundsätzen völlig entgegenliefen – noch heute finden sich Krippen in protestantischen Kirchen und Haushalten eher selten.
Weihnachtskrippen in der Wohnstube und Krippenbauer
Nachdem Krippen zunächst auch in reichen Privathaushalten und an Adelshöfen aufgebaut wurden, fanden sie im 18./19. Jahrhundert Eingang in die einfachen Stuben: Während der Aufklärung wurden Krippen aus vielen Kirchen entfernt, da sie einem rationalen Zugang zur Religion widersprachen. Dies sorgte im Volk für Unmut, und da viele Familien keineswegs auf die Weihnachtskrippen verzichten wollten, schafften sie sich eigene Exemplare an. Aufgrund der hohen Nachfrage ergriffen zahlreiche Bewohner waldreicher, jedoch ansonsten armer Gegenden wie beispielsweise Böhmen das Kunsthandwerk des Krippenbauers. Anfang des 20. Jahrhunderts steigerten vorgefertigte Sätze für Laubsäge oder Schere die Verbreitung noch einmal – damals wie heute erfreut das eigene Basteln der Krippenlandschaft (zuhause oder in der Krippenbauschule) neben Weihnachtsliedern die Kinderherzen. Aber auch historisch Interessierte haben ihre Freude: Betrachtet man rückblickend historische Krippen, so erzählen sie immer auch ein Stück Zeitgeschichte und geben den Zeitgeist wieder. So spiegeln die vielen Krippen aus der Zeit des 1.Weltkriegs beigefügten Soldaten den Militarismus jener Zeit wieder.
Mehr oder weniger aufwendige, historische oder neue Krippenlandschaften in allen Größen finden sich zur Weihnachtszeit in zahlreichen Kirchen und Kapellen. Ein Besuch lohnt sich nicht nur für Kinder, auch auf viele Erwachsene üben sie eine eigene Faszination aus. Daneben finden sich unter so manchem Weihnachtsbaum oft über Generationen weitervererbte Krippen. Ein eher profaner Reiz liegt im ständigen Ausbau der Szenerie: Während die Landschaft sich gut in Heimarbeit basteln lässt – beispielsweise mit Naturmaterialien oder Zubehör von Modelleisenbahnen – stellen die Figuren schon eine größere Herausforderung dar. Für solche kann man entweder auf das breite Angebot professioneller Schnitzer und Verkäufer auf den Weihnachtsmärkten oder alternativ auf Schere und Papier zurückgreifen.
Gilla Brückner: Weihnachten wie früher. Von Christbaumschmuck und Gabenbringern. Thorbecke, 2006. Hardcover, 136 Seiten. Euro 19,90.
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