Das Segelflugzeug Grunau Baby wurde in großen Stückzahlen gebaut. Es wurde 1931 von Edmund Schneider an der Segelflugschule Grunau, heute Jezów Sudecki bei Jelenia Góra, entworfen und erstmals gebaut.

Geschichte des Grunau Baby

Entworfen wurde das Grunau Baby im Winter 1931/32 von Edmund Schneider an der Segelflugschule Grunau bei Hirschberg im Riesengebirge. Die erste Ausführung Baby I hatte eine Spannweite von 12,87 Metern und eine Flügelfläche von etwa 14 Quadratmetern. Der abgestrebte Hochdecker hatte ein offenes Cockpit mit Windschutzscheibe. Das Leergewicht war 98 Kilogramm. Es wurden etwa 80 Exemplare gebaut. Mit seinem selbstgebauten Baby I stellte Kurt Schmidt 1933 einen Weltrekord im Dauersegelflug auf. 36 Stunden und 36 Minuten blieb sein Baby in der Luft.

Schneider ging 1932/33 daran, den Entwurf nach statischen Berechnungen zu überarbeiten. Heraus kam das Baby II mit einen um 70 cm verlängerten Flügel und einem vergrößerten, aber deutlich stromlinienförmigeren Rumpf. Dem folgte das Baby IIa. Es wurde mit größerem Querruder ausgestattet und das Heck wurde verstärkt. Eine abwerfbare Kabinenabdeckung mit Windschutzscheibe gehörte nun zur Ausstattung.

Das Baby IIb mit Schempp-Hirth-Sturzflugbremsen und nochmals vergrößerten Querrudern wurde dann das Erfolgsmodell der Serie. Dieses Flugzeug wurde allein in der DDR zwischen 1952 und 1957 in 396 Exemplare gebaut. Bis 1979 waren Flugzeuge dieses Typs bei der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) im Einsatz. Und nach der Wende wurden einige Babys aus den Abstellkammern geholt und wieder flugfähig hergerichtet.

1938 folgte der Motorsegler Motor-Baby. Mit einem 13,2 kW Motor und eigenem Fahrwerk konnte er mit eigener Kraft aufsteigen. 25 Stück wurden gebaut. In Rumänien wurde aus dem Baby IIb der Schulsegler R.G.-1 abgeleitet. In der Tschechoslowakei flog das Baby IIb mit einer geschlossenen Kabinenhaube, die vom DFS Kranich übernommen wurde.

In der Bundesrepublik Deutschland baute die Firma Alexander Schleicher in Poppenhausen ab Anfang der 1950er Jahre eine leicht veränderte Ausführung, die als Baby III ihren Erstflug 24. August 1951 absolvierte. Auch eine als Baby V bezeichnete Variante mit Doppelsitz und geschlossener Kabinenhaube wurde entwickelt. Von der sind aber nur sechs Exemplare gebaut worden.

Produktion der Grunau Baby

Edmund Schneider hatte das Baby als Übungsflugzeug mit gutmütigen Flugeigenschaften konzipiert. Eine einfache Gestaltung war ein Ziel der Konstruktion. Damit sollten finanziell klamme Segelfluggruppen in die Lage gesetzt werden, das Flugzeug nach seinen Plänen auch in Eigenregie zu bauen. Diese Möglichkeit wurde denn auch von vielen Vereinen ergriffen.

Die Firma Petra stellte das Baby bis 1945 her. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Produktion erneut aufgenommen. So ist nicht mehr feststellbar, wie viele Babys in wie vielen Varianten tatsächlich gebaut wurden. Zahlen von 10.000 und mehr werden genannt. Aber so um die 5000 Exemplare werden es gewesen sein. Damit gehört das Grunau Baby zu den meist gebaute Segelflugzeugen.

Erhaltene Exemplare

  • Grunau Baby IIb, WL+VII-21 im Luftwaffenmuseum der Bundeswehr in Berlin-Gatow
  • Grunau Baby IIa, D-1079 im Deutschen Segelflugmuseum auf der Wasserkuppe
  • Grunau Baby III, D-4303 im Deutschen Segelflugmuseum auf der Wasserkuppe
  • Grunau Baby IIb in der Flugwerft Schleißheim
  • Grunau Baby IIb D-0117 in Privatbesitz, stationiert am Sportflugzentrum Münster-Osnabrück bei der Luftfahrtvereinigung Greven e.V.
  • Grunau Baby IIb D-4764 des Quax-Förderverein für historisches Fluggerät e.V., stationiert in Hamm beim Luftsportclub Hamm e.V.
  • Grunau Baby IIb D-6176 der LSG-Schäferstuhl e.V., stationiert in Salzgitter
  • Grunau Baby IIb OY-AUX in der Dansk Veteranflysamling
  • Grunau Baby IIb im National Air and Space Museum in Washington (D.C.)
Das im Luftwaffenmuseum der Bundeswehr auf dem ehemaligen Flugplatz Gatow in Berlin ausgestellte Exemplar stammt aus Nachkriegsproduktion. Es war bis 1977 im Einsatz. Nach einer Überholung erhielt diese Grunau Baby eine Kennung der Flugsportgruppe des Luftgaus VII München.

Mit dieser Kennung wird auf ein besonderes Übungsprogramm mit diesem Flugzeug hingewiesen. Auf dem Grunau Baby wurden junge Männer im NS Fliegerkorps auf die Ausbildung zum Piloten des Raketenflugzeuges Messerschmitt Me 163 vorbereitet. Denn dieses Flugzeug wurde in große Höhen geschossen und erledigte danach seine Kampfauftrag und die Landung als antriebsloses Segelflugzeug.

Die Daten der Grunau Baby IIb

  • Hersteller: Segelflugzeugbau Schneider, Grunau
  • Besatzung: 1
  • Länge: 6,50 Meter
  • Höhe: 1,35 Meter
  • Spannweite: 13,50 Meter
  • Leergewicht: 137 Kilogramm
  • Max. Abfluggewicht: 227 Kilogramm.
  • Höchstgeschwindigkeit: 160 Km/h
  • Gleitzahl: 17 bei 55 Km/h