
- Großsteingrab Nobbin auf Rügen - Gunda Schünemann / pixelio.de
Der sehenwerte Zweiteiler des NDR-Fernsehens informiert über die Geschichte des deutschen Nordens. Von der Steinzeit bis zur Hanse werden vor allem der Mensch und die Gesellschaft betrachtet. Der Film von Ingo Helm erzählt von Reichtum und Armut, von Schlachten und goßen Erfindungen, von Völkerwanderungen und Hierarchien. Ein vielseitiger Beitrag, der die Vergangenheit Norddeutschlands übersichtlich zusammenfasst.
Die Geschichte Norddeutschlands, erste Folge am 12. März 2011 um 11.30 Uhr im NDR-Fernsehen
„Die ersten Menschen“ nennt sich der erste Teil des Filmes und beginnt an einem Seeufer. Irgendwo in Norddeutschland sitzen fremdartig anmutende Wesen am Feuer und essen Pferdefleisch. Die Szene spielt vor nicht weniger als 400.000 Jahren in der Altsteinzeit. Es ist der Homo erectus, der seine Mahlzeit einnimmt. Mit den erlebten Szenen dieses Urmenschen startetet NDR Reihe "Die Geschichte Norddeutschlands", die mit großem Aufwand produziert wurde. Die Zeitreise zeigt die Veränderungen der Küstenlandschaft im Norden über die Jahrtausende. Unterwasserarchäologen fanden in Stralsund das älteste Wasserfahrzeug Norddeutschlands und stießen vor der Ostseeinsel Poel auf die Überreste einer versunkenen Zivilisation. Der Umbruch zu Ackerbau und Viehzucht und zur Sesshaftigkeit der Norddeutschen prägten die gesellschaftliche Entwicklung. Feste Häuser wurden konstruiert und eine neue Art der Arbeitsteilung veränderte das Zusammenleben.
Hünengräber, die Erfindung des Rades und eine Völkerwanderung
Auch neue Bestattungsbräuche hielten Einzug, deren Zeitzeugen die Hünengräber sind, von denen es bis heute im Norden mehrere Dutzend gibt. Computeranimationen zeigen, wie es damals möglich war, aus den tonnenschweren Findlingen diese Grabdenkmäler zu errichten. Der Film beschäftigt sich auch mit einer weiteren technischen Neuerung – der Erfindung des Rades. Die weltweit ältesten nachgewiesenen Spuren eines Karrens stammen aus der Mitte des 4. Jahrtausends vor Christus und wurden in Flintbek bei Kiel gefunden.
Norddeutschland war Schauplatz einer großen Schlacht zwischen den Römern und dem Cheruskerhäuptling Arminius und seinen Männern. In diesem folgenschweren Ereignis entschied sich, dass Norddeutschland nicht in den Einflussbereich der römischen Zivilisation geriet.
Spätere Völkerwanderung, nach der ganze slawische Völker die Küste bis nach Ostholstein besiedelten, erzählen von den Veränderungen im menschlichen Beisammensein. Die letzten Filmszenen dieses ersten Teiles zeigen das Leben in einem slawischen Dorf, wie es seit dem 7. Jahrhundert für die gesamte Osthälfte Norddeutschlands typisch war.
Die Geschichte Norddeutschlands, zweite Folge am 19. März 2011 um 11.30 Uhr im NDR-Fernsehen
„Kampf um die Küsten“ ist der Titel des zweiten Teils des Filmes „Die Geschichte Norddeutschlands“. Weite Teile des heutigen Norddeutschlands waren im frühen Mittelalter waren das Siedlungsgebiet der Sachsen. Südlich und westlich davon benachbarten die Franken mit ihrem König „Karl der Große“ das Land. Dieser errichtete ein mächtiges Reich, und die Sachsen waren seine wichtigsten und hartnäckigsten Gegner. Das Christentum konnte sich nach dem Sieg der Franken im Norden ausbreiten. So wurde auch die Hammaburg, die Keimzelle Hamburgs, eine sächsische Gründung, zum Missionsbistum der Karolinger.
Wikinger, Slawen und Heinrich der Löwe
Das damals wichtigste Handelszentrum ganz Nordeuropas, die nördlich gelegene Siedlung Haithabuan der Schlei, wird ausführlich beleuchtet. Die Wikinger-Stadt nahm etwa die gleiche Fläche ein wie zur gleichen Zeit Köln. Die Wikinger waren nicht nur überlegene Seefahrer und gefürchtete Krieger, sondern auch geschickte Handwerker und erfolgreiche Kaufleute, die im Schutz der Stadtwälle ein reges multikulturelles Leben führten. Erst die Überfälle feindlicher Wikinger und slawischer Stämme, die Haithabu endgültig niederbrannten, beendeten die Blütezeit dieser Stadt.
Eine Hauptfigur des Filmes ist Heinrich der Löwe, der neben dem Kaiser der mächtigste Fürst im Reich war. Sein Einflussgebiet erstreckte sich vom Rheinland bis nach Mecklenburg, von der dänischen Grenze bis zur Donau. Heinrich förderte Lübeck und viele andere Siedlungen, die in der Folge zu wichtigen Städten wurden, darunter Lüneburg, Einbeck und Stade. Mit den erblühenden Städten entwickelte sich das Bürgertum.
Die Pest, die Hanse und der berühmte Pirat Störtebeker
Die erste und schwerste Pestwelle erreichte 1350 Norddeutschland, an deren Folgen in manchen Städten jeder zweite Mensch starb. Doch das Land rappelte sich aus den Nachwirkungen dieser Seuche wieder auf und schon bald begann eine neue Blütezeit: die Zeit der Hanse. Unter der Führung von Kaufleuten aus Lübeck entwickelten die Häfen an Nord- und Ostsee, aber auch viele Handelsstädte im Binnenland, ein Netz von Verbindungen, das die Versorgung von ganz Norddeutschland sicherte: es reichte im Westen bis London und im Osten bis Nowgorod.
Der Film zeigt das Leben eines einfachen Matrosen und nicht das Leben der reichen Kaufleute. Ein großer Teil der Arbeit ruhte auf den Schultern des einfaches Volkes. Auch die Geschichte des Piraten Klaus Störtebeker gehört bis heute zu den faszinierendsten des Nordens, in der sich gesichertes Wissen mit volkstümlichen Sagen vermischt. Historisch belegt ist die Gefangennahme Störtebekers durch die Besatzung der Schiffe der Hanse vor Helgoland und sein Ende, die Hinrichtung auf dem Grasbrook in Hamburg.
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