Die Geschichte von Momo in Bonn

Portrait eines Bioladens, der Lebensqualität bieten will

Momo Reklame - Momo
Momo Reklame - Momo
Im Stadtteil Beuel-Bonn gibt es einen Bioladen der Gründerzeit. Von seiner Geschäftsidee und dem Biobegriff im Wandel der Zeit kann Momo daher berichten.

„Momo die nächste rechts in der Hans-Böckler-Straße“ steht da schwarz auf leuchtend orange auf einer hohen Hauswand geschrieben. Äpfel an Zweigen umranken die Bildreklame und trennen sie schützend von einem düsteren Nebelgemälde ab, das die Apfelblätter auf seiner Seite welken lässt.

Mehr als ein Bio-Supermarkt

Momo ist ein Bio-Lebensmittelladen im Stadtteil Beuel, den man bereits von weitem an der Kuh auf dem Eingangsvordach erkennt. Tritt man nun ein, sieht man das volle Ausmaß des Ladens. Auf 600 Quadratmetern Fläche wird hier alles geboten, von frischem Obst und Gemüse, Theken für Brot, Fleisch und Käse bis hinzu trockener und fertiger Ware in langen Regalreihen. Von der Größe und seinem Angebot her ist Momo also ein Supermarkt.

Schaut man sich das Sortiment jedoch genauer an, entdeckt man Misopasten, Algen, Sojaflakes und glutenfreie Reiscracker. Dann eilt auch schon ein freundlicher Mitarbeiter herbei, erklärt einem das Produkt, seine Inhaltsstoffe und die Herkunft. Wenn der Kunde sich nun aber für Obst und Gemüse interessiert, kann er es sich mit dem Gemüseabo per Transportfahrrad nach Hause liefern lassen und erhält gratis das hauseigene Kochbuch dazu.

Momo entsteht

Momo ist ein Pionier der Ökobewegung und wird als Supermarkt ungern bezeichnet. Denn das klingt nach Kette und reinem Warenumschlag. Der Laden ist aber ein Einzelfachhandel, wird mit persönlicher Haftung geführt und will mehr sein als ein bloßes Geschäft.

Raoul Schaefer-Groebel, der Inhaber, ist drei Jahre nach der Gründung von Momo 1983 ins Geschäft eingestiegen. Damals hatte Momo noch ein paar Ecken weiter unter dem Namen Momo Naturkost und Umweltladen geöffnet. Die Ladenidee entsprang einer Diplomarbeit zum Thema „ Selbständiges und gleichberechtigtes Arbeiten“ und war quasi zur Überprüfung der Theorie gedacht.

Als Kontrapunkt

Hier wollte ein Kollektiv aus Studenten einen Laden in demokratischer Form führen, wo jeder mit verantwortlich zeichnet und in gleicher Weise am Gewinn beteiligt wird. Darüber hinaus sollte Momo auch mit dem Umweltladen der Nachbarschaft als Treffpunkt dienen und war Anlaufstelle für politisches Engagement, wie den Sonntagsspaziergang gegen den Bau des Atommeilers in Mühlheim-Kärlich.

Momo war also als Gegenentwurf zur konventionellen Wirtschaftweise gedacht, sollte Lebensqualität schaffen, Zeit für Gespräche und aktive Mitgestaltung. Wie im gleichnamigen Roman „Momo“ sollten einem hier nicht die Geschäftsleute, die „grauen Männer“, das Leben auf Gewinn reduzieren, ihm somit das Schöne stehlen und es welken lassen wie Blätter.

Idealismus will bezahlt sein

Die Ladenidee traf mit ihrem Idealismus auf viel Unverständnis und keine Bank hätte hierfür Kredit gegeben. So zahlte jeder aus dem Kollektiv 500 D-Mark Einlage ein, um Pacht und Strom zu bezahlen, und einige arbeiteten in ihrer Freizeit im Laden mit, packten aus, zeichneten die Ware und berieten die Kunden.

Die Finanzen reichten jedoch für Anschaffungen nicht aus, wie den Fuhrpark oder die Kühltruhen, so dass die Ladeninhaber den Kundenkredit einführten. Alle, die dem Laden zugetan waren, Stammkunden, Dozenten der Universität, Bekannte und Verwandte gaben dabei per Handschlag, ohne Sicherheit und Zins Geld für Investitionen. Bis heute gibt es noch Kundenkredit.

Momo heute wie früher?

Auf die Frage, inwiefern sich der Bio-Begriff denn bei Momo im Laufe der Jahre gewandelt hat, kommt die Antwort „kaum“. Vor der Einführung des Bio-Siegels hat man bei privaten Anbauverbänden wie Demeter und Gäa gekauft. Auch heute bevorzugt man diese Produzenten, da ihre Bio-Kriterien strenger sind. Bis heute bietet man regionales Obst und Gemüse, lehnt Flugobst wegen der hohen CO2 Belastung ab, und möchte gesellschaftlich etwas bewegen.

Zwar demonstriert man nicht mehr zu allen Themen, nimmt aber weiterhin fachspezifisch Stellung, informiert über Bio, Gentechnik und hat 2006 an Tschernobyl erinnert. Momo bleibt also seinen Bio-Idealen treu. Dieses Jahr feiert es sein fünf jähriges Bestehen im neuen Laden in der Hans-Böckler-Straße.

Quellenangaben

  • Ein Interview mit dem Ladeninhaber Raoul Schaefer-Groebel und seinem Stellvertreter Ulrich Rothert
  • Die Internetseite von Momo informiert ausführlich über den Laden und sein Angebot.
  • Momo Angebot online bestellen.