
- Südseeinsel - Frank Lange - Pixelio
Samoa umfasst den westlichen Teil der Samoainseln, liegt im südwestlichen Pazifik und hat knapp 200.000 Einwohner. Seit 1962 ist Samoa nach der Verfassung ein selbstständiger Inselstaat. Das Staatsoberhaupt wird vom Parlament gewählt. 2007 verstarb der auf Lebenszeit gewählte Häuptling Tanumafili, der sein Land demokratisch geführt haben soll. Neues Staatsoberhaupt ist Tupuola Taisi Tufuga Efi, der beschränkt auf fünf Jahre gewählt wurde. Der Premierminister ist Regierungschef. Seit 1976 ist Samoa Mitglied der UNO. Von 1900-1914 war Samoa deutsche Kolonie.
Erschreckend hohe Suizidrate
Die Bevölkerung besteht überwiegend aus Polynesiern, die mehrheitlich Christen sind. Die Menschen in Samoa leben in engen verwandtschaftlichen Verhältnissen. Die Oberhäupter der Familienverbände heißen Matai, sie sind auch im Parlament vertreten. Sie bilden das Bindeglied zwischen dem Volk und dem Parlament, und sind ausnahmslos mit Respekt zu behandeln. Jedes Kind wird in einen vorbestimmten Rang hineingeboren, der Alltag ist geprägt von Regeln und traditionellen Bräuchen. In den 1980er Jahren gab es auf Samoa unter Jugendlichen die welthöchste Suizidrate! Die Zahlen sind rückläufig, dennoch scheiden jedes Jahr überdurchschnittlich viele Jugendliche freiwillig aus dem Leben. Häufig nehmen sie ein Pflanzenschutzmittel ein, das einen grausamen Tod beinhaltet.
Tradition trifft Moderne
Durch die Globalisierung ist die Welt bis in den letzten Winkel vernetzt. Die Jugendlichen in Samoa bekommen von den amerkanischen Spielfilmen und Soaps ein verfälschtes Bild vom modernen westlichen Lebensstil, dem sie nacheifern. Sie sehen sich selbst in ihrer Individualität stark eingeschränkt und fliehen nach der Schule aus den Dörfern in die Hauptstadt Apia. Sie versprechen sich davon ein freies Leben außerhalb der Familie, dort erwartet sie aber oftmals ein Leben in Arbeitslosigkeit. Die Familie fordert von ihnen einen Anteil am Lohn. Teilweise können sie diese Erwartungen nicht erfüllen, andererseits wollen sie es auch nicht, da ihr Ziel ist, aus der Abhängigkeit auszubrechen. Dadurch sinkt ihr Ansehen in der hierachischen Rangordnung der Dorfgemeinschaft. Über ihre Gefühle können die Jugendlichen nicht sprechen, da es als respektlos angesehen wird, mit Höhergestellten zu diskutieren, oder ihnen gar zu widersprechen.
Kulturen verstehen lernen
Mittlerweise gibt es Organisationen, die sich vor Ort darum bemühen, sinnvolle Diskussionen zwischen Eltern und Jugendlichen herzustellen. Das Klimahaus in Bremerhaven (www.klimahaus-bremerhaven.de) behandelt in seiner Ausstellung das Klima und auch die gesellschaftlichen Probleme Samoas. Im September 2009 erlebten die Menschen auf Samoa eine Naturkatastrophe in Form eines Tsunamis, bei dem 129 Menschen starben. Im Rahmen einer Hilfsaktion für die Tsunamiopfer hat eine Klimahausmitarbeiterin Samoa besucht. Aus Dankbarkeit und als Zeichen der guten Beziehungen, kam im März dieses Jahres eine Delegation aus Samoa ins Klimahaus. Durch den Klimawandel haben wir einen sensibleren Blick selbst auf die entferntesten Gebiete der Erde bekommen, das Bewusstsein für unsere Zusammengehörigkeit ist geschärft worden. Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl sollte man auch auf kultureller und gesellschaftlicher Ebene nutzen. Denn um eine andere Kultur richtig zu verstehen und beurteilen zu können, muss man sie erst einmal wirklich kennen, mit ihren Vor- aber auch mit ihren Nachteilen.
