Die Gläserne Manufaktur Dresden

Für den Bau ihrer Toplimousine errichtete die VW AG eine neue Fabrik

Gläserne Manufaktur - Volkswagen AG
Gläserne Manufaktur - Volkswagen AG
Um den VW Phaeton im Luxussegment erfolgreich einführen zu können, bedurfte es einer besonderen Idee: Die Gläserne Manufaktur setzt auch Ferdinand Piech ein Denkmal.

Die Gläserne Manufaktur Dresden wurde geschaffen, um Kunden und Besuchern einen besonders gründlichen Einblick in den Bau eines Luxusklasseautomobils zu ermöglichen. Transparente Fassaden ermöglichen auch von außen einen Einblick in die Fertigung des Phaeton von Volkswagen. Darüber hinaus hatte und hat die Gläserne Manufaktur auch die Aufgabe, als Auslieferungszentrum für den Phaeton zu dienen. Durch diese im Stil eines Ateliers gehaltene Produktionsstätte hebt sich die Fertigung der Luxuslimousine Volkswagens von den Produktionsstätten vergleichbarer Autos deutlich ab und ist damit auch eine bedeutsame Marketingmaßnahme für den Konzern und den Phaeton.

Die Grundsteinlegung zur Gläsernen Manufaktur erfolgte Mitte 1999

Am 11. September 2001 gaben der seinerzeitige Vorstandsvorsitzende von VW, Ferdinand Piech, und der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder den Startschuss zur Produktion der Luxuslimousine, deren Namen lange geheimgehalten und von Piech damals erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Die offizielle Eröffnung erfolgte am 19. März 2002 und dauerte vier Tage; in diesem Zeitraum konnte die interessierte Bevölkerung die vom Münchner Architekten Gunter Henn entworfene, rund 190 Millionen Euro teure Anlage besichtigen. Sie liegt nur etwa eineinhalb Kilometer von der barocken Innenstadt Dresdens entfernt (Lennéstr. 1 am Straßburger Platz).

Diese Lage am Rand des sogenannten Großen Gartens von Dresden sorgte vor Baubeginn für Proteste der Umweltschützer, die das erhöhte Aufkommen von Lastwagen fürchteten. Volkswagen milderte dieses Problem auf innovative Weise ab, in dem der Zulieferungsverkehr vom außerhalb liegenden Logistikzentrum durch Transportstraßenbahnen auf dem Schienennetz des öffentlichen Personennahverkehrs abgewickelt wurde und wird. Nur die Karosserien aus Mosel / Zwickau werden per Lastwagen geliefert; alle anderen Teile per CargoTram. Eine Bürgerinitiative konnte den Bau der Manufaktur ebenfalls nicht verhindern.

Die Gläserne Manufaktur und die Fertigung des Phaeton

Die Transparenz des in Glas gehaltenen Gebäudes ermöglicht das Mitverfolgen der schrittweisen, weitestgehend in Handarbeit durchgeführten Produktion des Phaeton: Vom Schaufenster des Karossenlagers über die hellen, atelierartigen Fertigungsräume bis hin zum Fahrzeugzylinder – in dem die fertigen Phaeton auf ihre Auslieferung warten – ist die Herstellung des Phaeton auch von außen erlebbar. Das luxuriöse Ambiente entspricht dem Anspruch des Phaeton, dient aber auch dem Wohlbefinden der rund 800 Mitarbeiter: Glas und Parkett, wohin das Auge schaut.

Statt eines Fließbandes erfolgt die Montage auf Drehhubtischen und dem sogenannten Dresdner Gehänge, einer von der TU Dresden eigens für die Manufaktur entwickelten Elektrohängebahn. Blendfreie Leuchten, die so gesteuert sind, dass Vögel und der seltene Juchtenkäfer nicht irritiert werden, sorgen für angenehmes Licht. Eine unterirdische Teststrecke bildet Kopfsteinpflaster, Querrillen und Extremduschen für Dichtigkeitsprüfungen nach. Leder, edle Hölzer, Farbmuster und Accessoires stehen im Atelier für den Kunden zur Auswahl bereit. Im Salon werden die Autos ausgeliefert.

Die Zahlen zur Gläsernen Manufaktur

Das dazugehörige Grundstück mißt 81.210 Quadratmeter. Auf den Logistikhof entfallen 16.300 Quadratmeter. Das Gebäude ist 147 Meter lang und ebenso breit. Die Höhe des Hauptbaukörpers beträgt 24,90 Meter. Die Bruttogeschossfläche beläuft sich auf 81.600 Quadratmeter. Das Karossenlager mißt in der Höhe 29 Meter, der Länge 65,50 und der Tiefe 9,70 Meter. Der Fahrzeugzylinder ist 39,90 Meter hoch und beherbergt bei einem Durchmesser von 30,02 Metern 300 Fahrzeuge. Die Tiefgarage bietet 290 Stellplätze auf zwei Ebenen. Die Autos entstehen auf 58 Schuppen über zwei Etagen; jede Schuppe mißt 63 Quadratmeter auf einer Gesamtlänge von 522 Metern. Die Glasfassaden messen 26.700 Quadratmeter; 19.000 Quadratmeter Parkett (Eiche und Ahorn) sind verlegt.

Die Gläserne Manufaktur ist auch Begegnungsstätte zwischen Mensch und Kultur

Das Magazin "Skriptmanufaktura" berichtet vierteljährlich über die kulturellen Highlights aus der Gläsernen Manufaktur. Diese wurde seit Eröffnung hervorragend von der Bevölkerung angenommen. In ihr finden unter anderem Kunstausstellungen oder Lesungen mit landesweit bekannten Schauspielern statt. Medienpreise werden in ihr ebenso verliehen, wie Unternehmergipfel des FAZ-Instituts dort abgehalten werden. Die Gläserne Manufaktur ist Start- und Ziel für Rundfahrten klassischer Automobile oder Gastgeberin im Rahmen der Museumssommernacht, zu der Liegestühle und Spezialitäten vom Grill zahlreiche Besucher anlocken.

Galaabende von Golfclubs, Picknicks zu klassischer Musik oder eine Tangonacht im Rahmen des Moritzburg Festivals 2008 sind nur einige Beispiele dessen, was außerhalb der Automobilproduktion in der Gläsernen Manufaktur angeboten wird. Deren Partnerschaft zur Sächsischen Staatskapelle seit Juni 2008 ist längerfrist angelegt. Das Kundenforum und das Restaurant Lesage bieten Platz für weitere, ausgesuchte Events.

Der European Phaeton Owners Club

Die Gläserne Manufaktur war 2005 auch Ziel einer Ausfahrt des European Phaeton Owners Club, der sich auf Initiative von Phaeton-Fahrer Andreas Kuhlmann in 2008 mit dem geistigen Vater des Phaeton – Ferdinand Piech – in Molsheim und der Bugatti-Manufaktur getroffen hat. Mitfahrer Thorsten Neumann schwärmt in der Skriptmanufaktura-Ausgabe Winter 2008 / 2009 davon, dass die erste Fahrt des Clubs nach Dresden 2005 unter der Begleitung einer Polizeieskorte stattfand.

Klicken Sie hier zu einem Artikel über den neuen VW Phaeton, Modelljahr 2011

Aufsichtsratschef Piech gilt noch heute als bekennender Phaeton-Fan. Dies verwundert nicht, denn Piech hat nicht nur der Marke Volkswagen, sondern auch sich selbst mit dem Phaeton und der Gläsernen Manufaktur ein architektonisch bemerkenswertes Denkmal gesetzt. Ein Denkmal jedoch, das lebt und sich ebenso harmonisch in sein Umfeld einbettet, wie es seiner Funktion als Bindeglied zwischen Mensch und Technik im besten Sinne Dresdener Manufakturgeschichte gerecht wird.

Für Porsche greift Jörg Tilmes selbst zum Lappen, Jörg Tilmes

Jörg Tilmes - Was Sie von mir an dieser Stelle erwarten dürfen? Artikel zu Themen aus dem Bereich der Fernsehbranche, mit der ich seit 1999 ...

rss