"Die Gottessucherin" von Peter Prange

Kraftvoll bis zum Schluss:
Kraftvoll bis zum Schluss: "Die Gottessucherin" - Droemer / Knaur Verlag
Ein Leben für den Glauben - Peter Prange hat ein fabelhaftes Buch über die Jüdin Gracia Mendes geschrieben. Eine Buchbesprechung.

"Mehr Leben passt in kein Buch". So steht es im Klappentext des Romans Die Gottessucherin von Peter Prange. Und das ist keinesfalls übertrieben - dem Leser wird nicht zu viel versprochen. Mitreißend erzählt der Autor von der Jüdin Gracia Mendes, die zusammen mit ihrem Mann und Schwager im späten 15. und frühen 16. Jahrhundert zahlreichen Glaubensbrüdern und -schwestern das Leben rettet.

Heirat mit Francisco Mendes - eine große Liebe und eine große Aufgabe

Portugal 1496. Als die Ehe zwischen der jungen Gracia und dem Kaufmann Francisco Mendes, der gemeinsam mit seinem Bruder Diego das große Handelshaus Mendes führt, beschlossen wird, ist die Jüdin zunächst alles andere als begeistert. Aber schon sehr schnell entdeckt sie die Liebe zu ihrem Mann und die Seelenverwandtschaft zwischen ihnen und lebt glücklich an seiner Seite. Aber Gracia findet ihre Erfüllung nicht ausschließlich in ihrem Dasein als Ehefrau und Mutter.

Das Kaufhaus Mendes - mehr als nur Handel

Francisco und Diego haben sich großen Wohlstand und hohes Ansehen erarbeitet. Dennoch ruhen sie sich auf diesem Erfolg nicht aus und verwenden einen großen Teil ihres Vermögens darauf, möglichst viele ihrer jüdischen Glaubensbrüder und - schwestern vor der Inquisition zu retten.

Inquisition und Zwangstaufen

Denn die Inquisition wütet in Europa und quält und vernichtet jeden, der sich nicht zum christlichen Glauben bekennen will. Denn die katholische Kirche proklamiert sich selbst als einzig wahre und akzeptable Religion. Menschen jüdischen Glaubens können ihre Religion nicht mehr frei ausüben - vielmehr werden sie mittels brutalen Zwangstaufen dazu gezwungen, dem jüdischen Glauben abzuschwören und den katholischen anzunehmen. "Marrannen" - was soviel bedeutet wie "Schweine" werden die Juden verächtlich genannt, die sich - um ihr Leben zu retten - haben taufen lassen und ihre eigene Religion nur noch heimlich leben können.

Gegen die Inquisition mit einem weltweiten Hilfenetz

Aber genau damit bringen sich die Juden in große Gefahr und für sie und jene Menschen, die ihrem Glauben nicht offiziell abschwören wollen, sind Francisco, Diego und Gracia die Rettung. Sie bringen Menschen, die flüchten müssen, außer Landes und ermöglichen ihnen, sich in einer neuen Heimat wieder ein Leben aufzubauen.

Gracia übernimmt die Führung

Nachdem Francisco viel zu früh stirbt, rückt Gracia an seine Stelle. Die Rettung der Juden und ihr Glaube werden mehr und mehr zur Hauptaufgabe in ihrem Leben, sie verschreibt sich dieser Sache ganz. Aber wird es ihr gelingen, den Juden wieder ein friedvolles Leben ohne Verfolgung zu ermöglichen und wird sie ihnen endlich ein eigenes Land schenken können? Und wird sie dafür nicht zu viele Opfer bringen?

Ein Buch wie eine große Reise

Die Gottessucherin ist ein Roman, der den Leser von der ersten Seite an mitnimmt auf eine Reise und das in mehrfacher Hinsicht. Dadurch, dass die Geschichte sich an so vielen Orten in Europa abspielt und Gracia wegen der Judenverfolgung ständig ihren Lebensmittelpunkt in andere Länder verlegen muss, ist man auch als Leser ständig unterwegs. Man startet in Portugal, macht einen Zwischenstopp im italienischen Venedig und kämpft mit der Protagonistin auch in Konstantinopel für die gute Sache. Aber auch in geistiger Hinsicht entführt Prange seine Leser, nämlich in die Welt des jüdischen Glaubens.

Echte Protagonisten

Peter Prange zeichnet in seinem Roman echte Figuren und das ist nicht nur dadurch bedingt, dass die Familie Mendes tatsächlich exisitiert und agiert hat. Vielmehr hat Prange die Figuren des Romans lebendig gemacht, ihnen Ecken und Kanten verliehen, hat es geschafft, das die Leser seine Figuren genauso lieben und verehren wie sie sie auch manchmal ablehnen und sich über sie ärgern. Die eigentliche Protagonistin des Romans ist hierfür das beste Beispiel. Einerseits ist sie die Lebensretterin zahlreicher Menschen, engagiert und selbstlos. Andererseits ist sie derart in ihrer Aufgabe gefangen, dass sie oftmals unvernünftig, ja schon fast fanatisch agiert und ihrer Familie Opfer abverlangt, die man anderen Menschen nicht abverlangen kann. So möchte sie selbst das Lebensglück ihrer Tochter Reyna ihrem Vorhaben opfern.

Ein Buch, das man liebt

Die Gottessucherin ist ein Buch, das Freunde des historischen Romans lieben werden. Und die akribische Recherche ist dabei noch nicht einmal das Beste. Das Faszinierende an diesem Roman sind seine Figuren, die vor Lebendigkeit nur so strotzen und die Die Gottessucherin zu einem wirklich opulenten Meisterwerk machen. Peter Prange hat schon einige Bücher geschrieben, eine hohe literarische Qualität ist sein Markenzeichen. Aber mit diesem Buch hat er sich selbst übertroffen.

Ein herzliches Dankeschön geht an den Droemer / Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar.

Leseempfehlung: Prange, Peter: Die Gottessucherin. Knaur 2011. 768 Seiten. 10,99 Euro.

Bildnachweis: Dromer / Knaur Verlag

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