
- Slawenburg - poldy / pixelio.de
Im Jahre 1974 fand unter Leitung des Prähistorikers Hermann Hinz auf dem Bischofswarder (Gemeinde Bosau/Kreis Ostholstein) eine Grabung im Gebiet des Bischofsee/Plöner See statt. Die Grabung ergab sowohl Anzeichen slawischer Besiedlung als auch einer neolithischen Ansiedlung. Es wurde zudem ein slawisches Ringwallsystem entdeckt, mit innenseitiger Bebauung. Ferner fand man in diesem Zusammenhang eine Vielzahl neolithischer Artefakte. Die Ausgräber hatten mehrere Suchschnitte unternommen und somit einen groben Überblick über die Besiedlung der heutigen Insel gewonnen. Hinz weist in seiner Grabungsanalyse jedoch eindringlich darauf hin, dass nur durch wesentlich umfangreichere und kostspieligere Ausgrabungen im Burginneren vor allem im Torbereich und den Pfostenreihen des sogenannten „Slawendorfes“ im nördlich angrenzenden Flachwassergebiet weitergehende Erkenntnisse gewonnen werden können (Gebers 1986, Frey 2004).
Die Topografie des Bischofswarder
Der große Plöner See, und damit auch der Bischofswarder, liegt in Schleswig-Holstein, inmitten einer Hügellandschaft in der Holsteinischen Schweiz, zwischen Kiel und Lübeck, bei Bosau. Das Dorf Bosau (Kreis Ostholstein) liegt an der Grenze des Kreises Plön. Bosau war früher der zentrale Ort einer kleinen Siedlungskammer am Ostufer des Großen Plöner Sees. Der Bischofswarder liegt zwischen Bischofsee und Großen Plöner See. Der Bischofsee ist durch eine Art Nehrung, welche dem Bischofswarder entspricht, vom Großen Plöner See abgetrennt. Der Bischofswarder besteht aus einer tropfenförmigen, nordsüdlich gerichteten Landzunge, die in weiten Bereichen kaum mehr als einen Meter über dem heutigen Seespiegel von 20,84 m über NN hinausragt (Gebers 1986, Frey 2004).
Die Grabung
Ausgehend von dem oberirdisch sichtbaren Wall wurde zunächst ein 2 m breiter Suchschnitt durch Wall und Graben gelegt. Es wurden Test- und Flächengrabungen durchgeführt, mit dem Zweck den Verlauf des zugesandeten Wallgrabens, zu erkunden. Die Grabungsfläche wurde dazu in verschiedene Schnitte und Quadranten eingeteilt. Die flache, nach Nordosten abbiegende auf dem Vermessungsplan deutlich erkennbare grasbewachsene Mulde des mit Seesanden weitgehend aufsedimentierten Wallgrabens war im Bereich des Quadranten F10 vollständig verschüttet, sodass sein Verlauf durch Flächengrabungen erneut nachgewiesen werden musste. Durch den Abtrag mächtiger Seesandschichten konnte hier das Tor der Befestigungsanlage freigelegt werden (Gebers 1986, Frey 2004).
Der weitere Verlauf des Wallgrabens zum Ostufer der Insel wurde mittels systematischer Bohrungen durchgeführt, woraus jeweils eine kleinflächige Grabung resultierte. Es fanden ferner systematische Bohrungen im gesamten Inselbereich statt, die zur Entdeckung von Grubenhäusern am inneren südwestlichen Wallfuß führten. Es sind nur kleine Teilbereiche innerhalb der Befestigung archäologisch untersucht worden, dennoch kann aufgrund der Bohrbefunde eine über die festgestellte Innenbebauung hinausgehende Siedlungstätigkeit in Form von Grubenhäusern ausgeschlossen werden (Gebers 1986, Frey 2004). Die Frage ob auf dem Bischofswarder ebenerdige Gebäude existierten, z.B. Block- und Pfostenhäuser, lässt sich nur durch großflächige Untersuchungen klären. In Blockbautechnik errichtete Häuser würden sich nur sehr schwer nachweisen lassen, da fast der gesamte Begehungshorizont erodiert ist. Bei der durchgeführten Ausgrabung wurde der Verlauf eines typisch slawischen Ringwalls entdeckt. Es ist wahrscheinlich, dass die Anlage eine zumindest dreiviertelkreisförmige Wallanlage war. Wall und Graben am Ostufer waren entweder schwächer ausgeprägt und/oder infolge des dort steil in den See absinkenden Ufers durch Wellengang vollständig zerstört worden. Bohrungen ergaben für diesen Bereich keine Anhaltspunkte für Wall und Graben. Die Befestigungsanlage umfasste eine Größe von 6500 Quadratmetern (Gebers 1986, Frey 2004).
Fundstücke
Bei der Grabung kamen eine Menge slawischer Funde zutage. Neben Keramik (in der Regel frühslawisch) wurden gefunden: Speerspitzen, Kämme, Waffen und Eisengeräte (Meißel, Punzen, Nägel, Stifte etc.), Schleif- und Wetzsteine, Klopf- und Reibsteine, zwei Ruder und Schmuck (Gebers 1986, Frey 2004). Neben den slawischen Funden wurden auch 3649 neolithische Fundstücke geborgen (Clausen 1981, Frey 2004).
Deutung der Grabungsbefunde
Die Befestigungsanlage auf dem Bischofswarder gehört zur Gruppe der von Struve nach typologischen Gesichtspunkten der Form zusammengefassten einteiligen Ringwälle. Diese sind in Wagrien, wie in den übrigen slawischen Siedlungsgebieten, die häufigste Befestigungsform. Die Burg hatte neben der Schutzfunktion eine überörtliche Bedeutung, durch die die Versorgung der umliegenden Siedlungen mit handwerklichen Erzeugnissen erfolgte (Gebers 1986, Frey 2004).
Dendrodaten von Bauhölzern datieren den Baubeginn der Burg und des Slawendorfes in die Zeit um 726 n. Chr. Um 800, das jüngste Bauholz des Slawendorfes datiert um 792 werden die Burg und das Slawendorf zeitgleich zerstört. Im Gegensatz zur Befestigungsanlage, die nach 832 erneuert und bis 870 wurde, bleibt das Slawendorf wüst. Es lassen sich für das Dorf anhand der geborgenen Hölzer keine Aktivitäten für das 9. Jahrhundert nachweisen (Gebers 1986, Frey 2004).
Quellen:
- Gebers 1986: W. Gebers, Der slawische Burgwall auf dem Bischofswarder, Teil 2, Auswertung der Funde und Befunde, Offa-Bücher; 57 (Neumünster 1986).
- Clausen 1981: I. Clausen, Das Neolithikum am Großen Plöner See. (M.A-Arbeit, Univ. Kiel 1981)
- Frey 2004: S. Frey, Die Ausgrabungen auf dem Bischofswarder im Jahre 1974 und die Forderung der Ausgräber nach einer weitergehenden Untersuchung, im Lichte der heute geltenden Rechtslage. Eine Machbarkeitsstudie (Vordiplom-Hausarbeit, Univ. Kiel 2004)
