
- Nadine und Rolf verbindet auch die Vergangenheit - Stephan Rabold/Sat.1
Hauptthema der Pressekonferenz während der Dreharbeiten zu „Die Grenze“ im Berliner Velodrom war der Grad der Wahrscheinlichkeit, der hinter der von Friedemann und Christoph Fromm geschriebenen Geschichte steckt. In ihr wird erzählt, wie nach der extremen Verschlechterung der Wirtschaftslage der charismatische Maximilian Schnell (Thomas Kretschmann) die Rechtsextreme in seiner DNS (Deutsch. National. Stolz.) sammelt und die Abspaltung eines Bundeslands für möglich hält. Die Bundesregierung unterstützt als kleineres Übel die Linken, die die Spaltung dann tatsächlich durchführen, um eine Art Neu-DDR zu etablieren. Zwar ist die „Die Grenze“ als Fiction und Allegorie über „die Machtlosigkeit der politischen Parteien [als] eine Utopie in Form eines packenden Hochglanz-Politthrillers“ (Pressetext) gemeint, insofern sich eine allzu verbissene Realitätsdebatte verbietet, jedoch ist die Realität auch hier näher, als die Fantasie es vermuten lässt, wie Nico Hofmann andeutete: „Hochrangige Wirtschaftsvertreter aus meiner Heimat Mannheim halten eine neue DDR als von der Bundesregierung kontrolliertes Billiglohnland durchaus für eine machbare Option.“
„Die Grenze“: Abspaltung und Staatsneugründung ist ein realistisches Szenario
Selbst die Abspaltung eines Bundeslandes ist nicht unrealistisch, wie der Verfassungsrechtler Ulrich Battis erklärte: „Das Völker- und Staatsrecht ist zwar sezessionsfeindlich, aber das Recht ist in einem solchen Fall nicht maßgeblich, weil sich Abspaltung per se gegen ein bestehendes Konstrukt richtet.“ Battis verwies darauf, dass der Staat Belgien angefeuert durch eine Opernaufführung durch eine Abspaltung von den Niederlanden entstand und dass es durchaus sein kann, dass ein Abspaltung eines Bundeslandes als das kleinere Übel betrachtet und daher geduldet würde. „Insofern ist das Szenario von ‚Die Grenze’ absolut realistisch“, so Ulrich Battis.
„Frage nicht was dein Land für dich tun kann, frage, was du für dein Land tun kannst.“
Selbstverständlich will „Die Grenze“ auch „Provokation nach dem Vorbild von Tom Toelle“ sowie „großformatiger Politthriller nach US-Vorbild“ (Hofmann) sein. Für Joachim Kosack, Leiter Deutsche Fiction und Koproduktion Sat.1, ist „Die Grenze“ die Rückkehr des Senders zu jetzigen, zeitgeschichtlichen Stoffen. „Natürlich springt jeder auf die Prämisse, was ist, wenn die DDR wieder errichtet wird“, sagt er und erinnert gleich darauf an das wohl wichtigste Kennedy-Wort überhaupt: „Im Kern der Geschichte wird die Frage aufgeworfen, was man für sein Land und die Demokratie zu tun bereit ist, tun muss, um sie zu erhalten.“
Drehorte und Budget des Sat.1-Zweiteilers „Die Grenze“
Gedreht wurde „Die Grenze“ vom 3. Juni bis Anfang September 2009 in Rostock, Stralsund, Berlin, Baden-Württemberg und Bayern. Gefördert wird der mit rund acht Millionen Euro budgetierte Film vom Medienboard Berlin-Brandenburg, dem FilmFernsehFonds Bayern sowie vom Landesförderinstitut Mecklenburg-Vorpommern, das dem Wirtschaftsministerium des Landes angegliedert ist. Aus diesem Topf für Film & Fernsehen stammen circa160.000 Euro. Aus dem MEDIA-Topf der EU kamen 400.000 Euro, was durch die Vorverkäufe ins europäische Ausland möglich wurde. Bei der MfG Baden-Württemberg ist Förderung beantragt. Weit über die Hälfte der Kosten, so Joachim Kosack, trägt der Sender. Die Finanzierung wurde zwischen Anfang Januar und Ende Mai des Jahres geschlossen.
Zuerst wollte RTL „Die Grenze“ machen
Den Zuschlag von Sat.1 bekam teamWorx zwei Tage vor Weihnachten. Über den Weg des Scripts bis dorthin, gibt es eine kleine Irritation, da RTL 2008 bereits angekündigt hatte, den Film machen zu wollen. Offenbar hat man es sich dann aber anderes überlegt, weil man dieses Jahr mit „Hindenburg“ lieber einen anderen Event mit teamWorx machen wollte. Also habe sich Nico Hofmann mit dem Einverständnis von RTL, so die FAZ, nach einem neuen Auftraggeber umgesehen.
„Der Stoff lag gleichzeitig bei RTL und bei Sat.1“, erzählt hingegen Joachim Kosack. „Schon im September 2008 hatte ich erklärt, den Stoff haben zu wollen und im Oktober hat Andreas Bartl auch sein okay signalisiert. Am 17. Dezember hatte ich Nico auf dem AB, der mir den Stoff anbot, wenn es nun zügig umgesetzt würde.“ Zwei Tage vor Weihnachten kam Andreas Bartl, Geschäftsführer der German Free TV Holding, dann dazu das Angebot erneut zu prüfen und noch am selben Tag zuzusagen. „Unter Anderem ging es uns auch darum zu zeigen, dass wir die Traute und die Kapazitäten haben ‚Die Grenze’ zu machen“, beschreibt Joachim Kosack einen entscheidenden Faktor für die rasche Entwicklung, die im Januar mit dem Beginn der massiven Bucharbeit fort gesetzt wurde. „Ohne eine Person wie Nico Hofmann im Hintergrund, hätten wir das aber alles nicht so schnell machen können“, lobt er die Macherqualitäten Hofmanns.
Mit „Die Grenze“ will Sat.1 eine Trendwende im Programm
Für Sat.1 bedeutet „Die Grenze“ nach „Der Tunnel“ oder „Wir sind das Volk“ die Hinwendung zu aktuellen, eher zukunftsgewandten Themen, mit denen der Sender „auch eine Trendwende einläutet“, so Joachim Kosack. Das große Nachfolgeprojekt für 2010 ist „Die Kinder des Tsunamis“. Ein Film, der sich mit dem Schicksal jener Kinder beschäftigt, die durch den Tsunami Weihnachten 2004 nicht umgekommen sind, sondern in den Wirren danach entführt und in Fabriken oder der Sexindustrie versklavt wurden. Zwei weitere große Event-Produktionen für Sat.1 sind allerdings historische Stoffe: „Die Wanderhure“ sowie „Die Tochter des Jägers“, der in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts spielt.
Darsteller (Rolle) in „Die Grenze“
Benno Furmann (Rolf Haas)
Thomas Kretschmann (Maximilian Schnell)
Marie Bäumer (Nadine Manz)
Anja Kling (Linda Jehn)
Uwe Kockisch (Erich Manz)
Katja Riemann (Carla Reuer)
Inka Friedrich (Rike Dreher)
Ronald Zehrfeld (Robert Klaars)
Vinzenz Kiefer (Kai Jansen)
Regie: Roland Suso Richter
Drehbuch: Christoph Darnstädt, Friedemann Fromm, Christoph Fromm
Kamera: Holly Fink
