Das Thema Kernkraft polarisiert hierzulande seit Jahrzehnten. Derzeit sind in Deutschland 17 Kernkraftwerke in Betrieb. Über den Nutzen und die Risiken von Atomkraft wird dabei kontrovers diskutiert. Ökostrom ist derzeit für viele Verbraucher eine Alternative. Welche Risiken Atomkraft birgt, wurde nicht zuletzt im März 2011 deutlich, als es in Japan nach einem verheerenden Erdbeben mit anschließendem Tsunami zu einem schweren atomaren Unfall in einem Atomkraftwerk kam. Doch eher selten sind schlimme Naturkatastrophen die Ursache für Atomunfälle. Mögliche Gründe für einen atomaren GAU (größter anzunehmender Unfall) gibt es viele.
Explosion im Atomkraftwerk Fukushima in Japan am 12. März 2011
Zu einem der bisher größten Unfälle in einer kerntechnischen Anlage kam es am 12. März 2011 in Japan. Ein Erdbeben und ein folgender Tsunami hatten hier für Probleme in mehreren Atomkraftwerken gesorgt. Im Atomkraftwerk Fukushima kam es daraufhin zu einer Explosion in einem Reaktorblock. Ob es dabei auch zu einer Kernschmelze kam, blieb zunächst unklar, doch traten radioaktive Stoffe aus.
Die Katastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986
Zum Super-Gau kam es am 26. April im Jahr 1986 im ukrainischen Tschernobyl. Hier hatte es eine Kernschmelze und eine Explosion im Kernreaktor gegeben, nachdem ein Versuch, einen totalen Stromausfall zu simulieren, misslungen war. Die Folgen waren verheerend. Radioaktive Stoffe wurden in großer Menge freigesetzt. Und das nicht nur direkt vor Ort. Eine Wolke mit radioaktivem Fallout zog über weite Teile Europas hinweg und auch in Deutschland wurden einzelne Regionen stark belastet.
25 Jahre Tschernobyl und kein Ende
Durch das Unglück selbst und auch aufgrund von Folgeerkrankungen oder Spätfolgen starben viele Menschen. Die Folgen der Katastrophe sind noch heute nicht nur direkt vor Ort spürbar und das Thema Tschernobyl wird auch in den kommenden Jahren nicht beendet sein, sondern weiter aktuell bleiben.
Kernkraftwerk bei Harrisburg in den USA 1979 - partielle Kernschmelze
Der bislang schwerste Unfall in einem amerikanischen Atomkraftwerk, das kommerziell betrieben wird, ereignete sich im am 28. März 1979 im Kernkraftwerk Three Mile Island in der Nähe von Harrisburg. Hier war es aufgrund mangelnder Ausbildung der Mitarbeiter und schlechter technischer Ausstattung des Kontrollraumes zu einer partiellen Kernschmelze in einem Reaktorblock gekommen.
Versuchsreaktor Lucens in der Schweiz 1969 - partielle Kernschmelze
Zu einem schweren Unfall kam es am 21. Januar 1969 im Versuchsreaktor Lucens in der Schweiz. Auch hier war es zu einer partiellen Kernschmelze gekommen, nachdem Brennstäbe überhitzt und geschmolzen waren. Probleme mit dem Kühlkreis waren in diesem Fall aufgetreten. Da der Versuchsreaktor in eine Felskaverne eingebaut war und zudem keine allzu große Leistung hatte, kam es nicht zu einer großen Katastrophe.
Majak und Sellafield 1957 - schwerer atomarer Unfall in der Kerntechnischen Anlage Majak
Hinsichtlich des Störungsschweregrades (INES) war der Unfall in der Kerntechnischen Anlage Majak im Jahr 1957 nach dem Super-Gau von Tschernobyl bislang der größte atomare Unfall mit dem Störungsschweregrad 6. Im gleichen Jahr ereignete sich auch im britischen Sellafield ein schwerer Unfall, als ein Kernreaktor in Brand geriet.
Ursachen von Unfällen in kerntechnischen Anlagen
Die Liste von Gründen für Unfälle in kerntechnischen Anlagen ist lang. Schlimme Naturkatastrophen können ein Verursacher sein. Häufiger waren es in der Vergangenheit jedoch andere Gründe. Menschliches Versagen, technische Schwierigkeiten, unsachgemäße Bedienung, mangelnde Wartung, Vernachlässigung von Sicherheitsregeln aber auch das Versagen von Maschinen oder Maschinenteilen sind häufige Ursachen für Pannen und Unfälle.
Internationale Bewertungsskala für nukleare Ereignisse – INES
INES ist die Abkürzung für„InternationalNuclear Event Scale“. Die deutsche Übersetzung lautet „Internationale Bewertungsskala für nukleare Ereignisse“. Mit dieser Festlegung, die von einem internationalen Expertenteam erarbeitet wurde, lassen sich die Störfälle und Unfälle in kerntechnischen Anlagen klassifizieren. Es gibt dabei 7 Störungsschweregrade. INES 7 steht für einen katastrophalen Unfall. Der Super-GAU von Tschnernobyl wird mit INES 7 klassifiziert. Die Unfälle von Harrisburg und Sellafield erhielten INES 5 und Lucens INES 4-5.
Stufen von INES zur Klassifizierung von nuklearen Ereignissen und ihre Bedeutung
- Stufe 0: Ereignis ohne oder mit geringer sicherheitstechnischer Bedeutung
- Stufe 1: Störung
- Stufe 2: Störfall
- Stufe 3: Ernster Störfall
- Stufe 4: Unfall
- Stufe 5: Ernster Unfall
- Stufe 6: Schwerer Unfall
- Stufe 7: Katastrophaler Unfall
Mehr Informationen zu INES gibt es bei der Internationalen Atomenergie-Organisation unter www.iaea.org
