"Die große Chance" vom 23.9. und der Eklat, der doch keiner war

Sido - ORF/Thomas Ramstorfer
Sido - ORF/Thomas Ramstorfer
Am 23. September 2011 ging die dritte Staffel der Castingshow "Die große Chance" über die Bühne. Ein Eklat wurde angekündigt. Jeannée gegen Sido!

In der dritten Castingshow (Freitag, den 23. September 2011, um 20.15 auf ORF eins) sollte es, so man Youtube und manchen Printmedien glauben kann, ans Eingemachte gehen.

Wiener gegen Berliner oder Rapperrüpel gegen Kolumnisten mit gar nicht zarter Feder. Es geht um die Kontroverse Sido (jung, Rapper mit respektloser Schnauze) gegen Michael Jeannée, (nicht mehr jung, seines Zeichens Journalist und nicht gerade mit sensibler Feder in der Kronen Zeitung Hiebe austeilend unterwegs).

Welches außerordentliche Talent bietet Jeannée in der großen Chance dar?

Und als was, Tänzer, Sänger, Rezitator, also mit welchem unentdeckten Talent tritt Michael Jeannée nun bei der großen Chance auf, fragte sich der interessierte Zuschauer mit gespitzten Ohren? Welches zweifelsfreie Talent besitzt Herr Jeannée noch außer seiner Wortgewalt?

Ach so, er selbst tritt ja gar nicht als Talent auf, sondern sein Heurigenwirt, sein Spezi, auf gut wienerisch. Aber bitte, der ist doch nicht erst fünf Jahre alt als Heurigenwirt, die Begleitpersonen bleiben doch hinter den Kulissen, oder? Sogar bei den teils wirklich jungen Kandidaten standen Papa und Mama brav hinter und nicht vor der Bühne, also warum nicht Michael Jeannée? Sie verstehen es nicht, Sido versteht es anscheinend auch nicht: "Was hat Michael Jeannée auf der Bühne zu suchen?"

Mit Journalisten legt man sich nicht an

Der Zirkus-Roncalli-Direktor Bernhard Paul, ebenfalls Juror und ein Feingeist, kann da nicht länger zusehen, wie Sido, der "österreichischen Verhältnisse" unkundig, in sein Verderben rennt. Er wirft sich an dessen Stelle in den Staub und warnt: "Er ist Journalist, er kann dich fertigmachen." (Karl Fluch/DER STANDARD; Printausgabe, 23.9.2011)

Glücklicherweise muss nicht jeder vor der Macht eines Journalisten erzittern und sich mundtot machen lassen. Mehr auf Youtube. Ob er nach diesem Entré weiter gekommen ist?

Die Juroren Sido, Zabine, Karina Sarkissova und Bernhard Paul haben es also an diesem Abend sicher nicht gerade leicht um die Spreu aus dem Weizen heraus zu lesen.

Wer tritt am 23. September 2011 in der großen Chance auf?

  • Matthias Tagwerker aus Wien (Rap und Akrobatik)
  • Gruppe Nihils aus Waidring (Gesang)
  • Hip-Hop-Gruppe „insane in the brain“ aus Kärnten (Tanz)
  • Wolfgang Niegelhell aus Weiz (Panflöte)
  • Jonas Witt aus Wien (akrobatische Einlage auf dem Cyr-Wheel)
  • 40-köpfige Longfield Gospel Chor aus Wien (Gesang)
  • Marcel Bedernik aus Stockerau (Gesang und Gitarre).
  • Magic Johnny aus Oberpullendorf (Zaubertricks)
  • die siebenköpfige Tanzgruppe Moving Joy aus Leoben (Tanz)
  • Martin Zimmermann, Wiener Promi-Heurigenwirt (Motorengeräusch-Performance )

Worum geht es in der Show "Die große Chance"?

In insgesamt zehn Sendungen haben rund 300 Teilnehmer die Chance, die Jury und das Publikum von ihrem „Talent“ zu überzeugen. Das Problem dieser Talentshows sind die unterschiedlichen Sparten. Wie soll man die akrobatische Beherrschung eines in langen Jahren trainierten Körpers mit dem netten Stimmchen einer 14-Jährigen vergleichen? Wie die Leistung, die vom Können etwa eines Instruments her kommt, mit der frischen und rührenden Ausstrahlung eines Kindes, das herum hüpft?

Die Jury mit Sängerin Zabine, Baletttänzerin Karina Sarkissova, Musiker Sido (der im Feber 2012 auch den Air & Style Contest am Bergisel als Act bereichern wird) und Bernhard Paul, Direktor des Circus Roncalli, hat zwar wohl noch mehr eigene Erfahrung, als manche andere. Vor allem Bernhard Paul gilt als das Aushängeschild der Crew. „Ich bin seit 35 Jahren im Casting-Team des Zirkus Roncalli – das ist ja mein Beruf“, sagt Bernhard Paul im Gespräch mit der „Presse“. Aber ob das bei so unterschiedlichen Darbietungen wirklich hilft?

Update am 24. September 2011

  • Punkt eins: Der ORF ließ unzensuriert und unkommentiert die ganze Szene "Jeannée versus Sido" ablaufen. Das Publikum darf sein Urteil selbst fällen.
  • Punkt zwei: Wie immer, sind die Entscheidungen, wer weiterkommt, nicht ganz nachvollziehbar. Wie so oft kommt ein "Kind" weiter, weil eben ein Kind auch wiederum Quote macht. Sträflich sind dennoch die Versprechungen der Jury auf eine "sichereKarriere" einem jungen, noch unreifen Menschen gegenüber.
  • Punkt drei: folgende Kandidaten kamen weiter
  • Gruppe Nihils aus Waidring (Gesang)
  • Jonas Witt aus Wien (akrobatische Einlage auf dem Cyr-Wheel)
  • Marcel Bedernik aus Stockerau (Gesang und Gitarre)
  • Conchita Wurst (Gesang), das Mann/Frau-Wesen, die Kunstfigur (ehemals bekannt als Tom Neuwirth)

Wie geht es mit den Kandidaten weiter?

Die Live-Shows der weiter gekommenen Kandidaten gibt es ab 21. Oktober 2011. Michael Jeannée und sein Wirt werden nicht weiter dabei sein.

Die drei Halbfinalshows stehen ab 21. Oktober 2011 jeweils Freitag um 20.15 Uhr live auf dem Programm von ORF eins. Wer schließlich bei „Die große Chance“ als Sieger mit 100.000 Euro belohnt wird, das entscheidet sich beim Finale am Freitag, dem 11. November 2011, live in ORF eins. Der verdiente Siegeract bei der großen Chance!

Quellen: ORF; Standard; die Presse; Youtube, BZ

Fotonachweis: Michael Jeannée, Martin Zimmermann; Conchita Wurst von ORF/Ali Schafler, PRESSE.ORF.AT, Sido von ORF/Thomas Ramstorfer

Adele Sansone, Adele Sansone

Adele Sansone - Als Autorin für suite101.de interessieren mich vor allem die Bereiche Pflanzen und Tiere: Wie leben sie heute? Wie sind die einzelnen ...

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